Zweite Chance für Spätstarter

power(me) Gabriel M. und Ufuk F. (von links) haben dank des Projekts power(me) ihre Ausblidung bei Faurecia erfolgreich abgeschlossen. Foto: bayme vbm - Die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber

In der Schule schlecht abgeschnitten, auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen: Trotzdem haben Gabriel M. und Ufuk F. eine Ausbildung beim Automobilzulieferer Faurecia abgeschlossen - und das überdurchschnittlich gut. Ihre zweite Chance gab ihnen das Projekt power(me).

Hinter dem Projekt stehen die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber bayme vbm und die Bundesagentur für Arbeit. 2011 riefen sie die wegweisende Aktion ins Leben. Ziel ist es, Jugendliche mit Defiziten bei schulischen Leistungen oder sozialen Kompetenzen durch ein spezielles Begleitprogramm über die gesamte Ausbildungszeit zu einem erfolgreichen Berufsabschluss zu führen. 154 Jugendliche haben seitdem ihre Ausbildung in einem der 67 beteiligten Mitgliedsunternehmen beendet oder sind noch mittendrin.

"Aus unserer Sicht ist das Projekt ein voller Erfolg", sagt Marcus Kötting, Geschäftsführer der Faurecia Emissions Control Technologies Germany. Vier junge Männer haben in seinem Betrieb in Augsburg über power (me) eine Ausbildung absolviert, darunter M. und F. Auch sie sind von dem Projekt überzeugt. "Das hat auf jeden Fall was gebracht", sagt M. Insbesondere die wöchentliche Nachhilfe zur Berufsschule sei ihm eine große Unterstützung gewesen. Und F. ergänzt: "Durch die kleinen Gruppen konnte intensiver gelernt werden." M. hat seine Prüfungen mit 100 Prozent abgeschlossen. "Besser geht es nicht", erklärt ein sichtlich stolzer Reinhold Demel, Chef der Augsburger Agentur für Arbeit. Genau dieses versteckte Potenzial zu heben, sei eines der Ziele des Projekts gewesen.

Das bestätigt Bertram Bossardt, Hauptgeschäftsführer der bayme vbm. Auch er ist stolz auf power(me). "Wir haben die assistierte Ausbildung erfunden." Tatsächlich diente das bayerische Projekt der Bundesagentur für Arbeit als Modell. Insofern glaubt Bossardt die 3,6 Millionen Euro, die der Verband und die Mitglieder investiert haben, gut angelegt.

Motivation war neben der Hilfe für Spätstarter, wie Kötting seine Schützklinge bezeichnet, vor allem ein weiteres Instrument für die Fachkräftesicherung. "Bis 2020 fehlen 240 000 Fachkräfte. Die Zahl stimmt", warnt Bossardt einmal mehr. In solch einer Situation könne es sich eine "Gesellschaft, die demografisch auf dem absteigenden Ast ist", nicht leisten, vorhandene Potenziale zu ignorieren. Wohlgemerkt will sich Bossardt nicht mit generellen Verweigerern auseinandersetzen. Doch Jugendliche wie M. und F., die aus den verschiedensten Gründen nicht sofort und von selbst auf den normalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt finden, muss es laut Brossardt eine zweite Chance geben. "Deshalb müssen wir durch gezielte Maßnahmen wie dem Projekt power(me) Jugendliche auf ihrem Ausbildungsweg begleiten."

Für die 154 Jugendlichen aus power(me) zeichnet sich eine positive Zukunft ab, zumindest in beruflicher Hinsicht. "Ausbildung ist der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit", betont Demel. Vor wenigen Jahren noch kamen auf 100 Bewerber nur 50 offene Stellen. "Heute sind es 120 Stellen für 100 Bewerber", so Demel. Und Fachkräfte sind heiß begehrt. Das wissen auch M. und F. Deshalb blicken sie hoffnungsvoll in die Zukunft. Zunächst wollen sie bei Faurecia bleiben, Erfahrungen sammeln. "Dann schau ich, was das Unternehmen zu bieten hat", erklärt F. selbstbewusst - aus dem Jugendlichen mit schulischem Defizit ist ein höchst wertvoller Facharbeiter für die Industrie geworden.
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