11000 Stimmen für den Kulturpark

Das Gaswerk-Areal in Oberhausen soll für 30 Millionen Euro umgestaltet werden und den Künstlern aus dem Kulturpark West ein neues Zuhause bieten. Die Künstler aber wollen ihren alten Standort in Kriegshaber nicht aufgeben. (Foto: Archiv)

Die Stadt will das Gaswerk-Gelände umgestalten, um dort ein neues Kreativ-Quartier zu schaffen. Zunächst soll eine Interimsspielstätte für das Stadttheater entstehen, während das Große Haus am Kennedy-Platz saniert wird. Dann sollen auch die bisherigen Mieter des Kulturparks West auf das Areal umziehen. Vergangene Woche haben die Mitglieder des Bau- sowie des Kulturausschusses das 30 Millionen Euro teure Vorhaben bereits abgenickt. Zahlreiche Künstler aus dem Kulturpark allerdings sträuben sich gegen ihre Umsiedelung.

Nach dem Bau- und Kulturausschuss haben vor wenigen Tagen auch die Stadtwerke Augsburg (swa) ihr Okay für das Projekt gegeben. Als Grundstückseigentümer sollen die swa für die Sanierung der Gebäude verantwortlich sein. Geplant ist ein Zusammenschluss mit der Stadt, die die Finanzierung über Fördermittel unterstützen will. Eine konkrete Rechtsform gibt es allerdings bislang nicht. Schon heute soll aber der Stadtrat dem Vorhaben zustimmen, damit dann die konkrete Planung in Angriff genommen werden kann.

Die Kunstschaffenden aus dem Kupa allerdings, die 2017 wegen des auslaufenden Mietvertrags ihre bisherige Heimat verlassen müssen, sehen die Umsiedelung auf das Gaswerk-Gelände problematisch. Sie wollen ihren derzeitigen Standort in Kriegshaber erhalten. Dafür haben sie 11 000 Unterschriften gesammelt, die sie noch vor der Stadtratssitzung an Oberbürgermeister Kurt Gribl übergeben wollen.
„Die Künstlergemeinschaft im Kulturpark ist über acht Jahre entstanden und gewachsen“, sagt Kupa-Geschäftsführer Peter Bommas. Er fürchtet, diese Struktur könnte nun auseinander gerissen werden. Besonders weil auf dem neuen Gelände nicht genügend Platz vorhanden ist. Nach aktueller Planung stehen in Oberhausen nur rund 3000 Quadratmeter für die Künstler zur Verfügung. Im Kulturpark dagegen waren es 4500 Quadratmeter. Die swa planen zwar eine Nachverdichtung auf dem Areal durch neue Gebäude. Doch wann diese entstehen sollen, steht noch nicht fest. Zudem sollen die Räume auf dem Gaswerk-Areal nicht nur an die Künstler, sondern auch an gewerbliche Mieter vergeben werden, um eine Refinanzierung des Projekts zu gewährleisten. Mit dieser Mischung fühlten sich aber viele Kunstschaffende nicht wohl, erklärt Bommas.

Befürchtungen haben die Mieter des Kupa auch in Bezug auf die Kosten, die für die neuen Räume auf sie zukommen werden. An ihrem derzeitigen Standort an der Sommestraße liegt der durchschnittliche Mietpreis zwischen 6,50 und 6,80 Euro pro Quadratmeter. Wie Baureferent Gerd Merkle betonte, sollten die Künstler im neuen Kreativ-Quartier Flächen für weniger als fünf Euro mieten können. Allerdings soll dort künftig unterschieden werden zwischen Mietern, die von ihrer Arbeit leben und dementsprechend mehr bezahlen können, und Mietern, die gerade so zurecht kommen. Kupa-Geschäftsführer Bommas sieht die von Merkle versprochenen fünf Euro skeptisch. Denn er kann sich nicht vorstellen, wie die Stadt diese günstigen Mieten und die Refinanzierung des Vorhabens unter einen Hut bringen will.

Ebenfalls versprochen hat Merkle, dass keiner der Künstler „auf der Straße stehen wird“. Auch wenn das neue Areal bis 2017 nicht fertig werden sollte. Dann läuft der Mietvertrag im Kulturpark aus. Statt Werkstätten und Ateliers soll dort längerfristig ein hochwertiges Wohngebiet entstehen. Die Künstler setzen nun ihre Hoffnung darauf, dass die Stadt eine parallele Nutzung des Reese-Areals für Kultur und Wohnraum zulässt. Auf das Gaswerk-Gelände könnten Künstler ziehen, die höhere Mieten aufbringen können, so die Vorstellung der Kupa-Mieter. Genug Kunstschaffende gebe es in Augsburg, ist Bommas sicher, denn auf seiner Warteliste stünden rund 60 Menschen, die auf der Suche nach geeigneten Räumen seien.

Die Pläne der Stadt scheinen festzustehen. Die swa hat Augsburg als entscheidenden Partner bei der Umsetzung des Vorhabens ebenfalls mit ins Boot geholt. Für die Künstler heißt es nun abwarten, ob 11 000 Stimmen ausreichen, um sich dennoch Gehör zu verschaffen.

Kristin Deibl
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