2015 wartet für Oberbürgermeister Kurt Gribl mit vielen Großprojekten auf

OB Kurt Gribl wehrt sich gegen die Vorwürfe, dass er sich bezüglich der möglichen Energiefusion in einem Interessenskonflikt befände. Foto: Archiv/Libossek

Im vergangenen Jahr ist in Augsburg viel passiert, doch auch dieses wird keinesfalls ruhig. Wichtige und umfangreiche Projekte wie die Theatersanierung, die Uniklinik oder die mögliche Fusion der beiden Energieversorger in Augsburg werfen ihre Schatten voraus. Im Interview erklärt Oberbürgermeister Kurt Gribl, wie er das bewerkstelligen will und warum die vielen Veränderungen gut für die Stadt sind.

Für viel Diskussionsstoff sorgen derzeit die Überlegungen zur Fusion oder Kooperation der Energiesparte der Stadtwerke Augsburg mit Erdgas Schwaben. In der vergangenen Woche hat OB Gribl bereits angedeutet, dass er das Bürgerbegehren gegen die Fusion für unzulässig hält. Die Angst vor der Privatisierung kann er nicht nachvollziehen, da die Thüga kein Konzern sei, sondern ein Zusammenschluss verschiedener kommunaler Unternehmen. Er will den Erfahrungsschatz der Thüga für die Entwicklung der Augsburger Energieversorgung nutzen. "Hier steckt eine Menge an Erfahrungs- und Netzwerkwissen dahinter, das hier nutzbar gemacht werden kann", erklärte Gribl. Dass der städtische Energiesektor stabil dasteht, hält er für "lebensnotwendig für die gesamten Stadtwerke Augsburg". Denn die Energiesparte finanziere den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) gegen.

Für eine Bürgerbeteiligung hält er das Thema jedoch für zu komplex. Hier sieht er den Stadtrat in der Pflicht. "In höchstem Maße unverantwortlich gegenüber den knapp 2000 Mitarbeitern" sei die Haltung anderer Gruppierungen, die sich an das Bürgerbegehren dranhängen, nur um die Stadtwerke an die Wand zu fahren, damit der Umbau des Hauptbahnhofs doch noch gestoppt wird.

Der ÖPNV ist ein Thema, das Augsburg in diesem Jahr viel beschäftigen wird. Denn für die Straßenbahnlinie 5 beginnt bald das Planfeststellungsverfahren. Erst hier wird die endgültige Linienführung festgelegt. Der Stadtrat hat sich nun auf eine Vorzugsvariante geeinigt, bei der die Tram vom Hauptbahnhof aus in Richtung Westen bis zum Klinikum fahren soll. Die Bauarbeiten werden besonders an der Bürgermeister-Ackermann Straße zu spüren sein. Denn dort kommt es schon jetzt ohne die Straßenbahn an einigen Engstellen, wie dem Anschluss zur B17, zu Staus. Gribl rechnet damit, dass die Bauarbeiten abschnittsweise stattfinden werden, um die Belastung für den fließenden Verkehr möglichst gering zu halten. Die erste Tram der Linie 5 könnte seiner Schätzung nach frühestens 2019 fahren.

Neben Verkehr und Energie liegt ein weiterer Schwerpunkt für dieses Jahr auf der Kultur. Das Theater soll nun endlich saniert werden. Etwa 100 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Das hat eine Vorstudie eines Hamburger Fachplaners ergeben. In den nächsten Tagen erwartet Gribl die Kostenschätzung für das Große Haus. Nachdem inzwischen genauere Berechnungen möglich sind, geht der OB davon aus, dass die Sanierung teurer werden wird.

Auch wenn der Freistaat das Projekt mit 45 Prozent fördern will, bewegt sich die Stadt mit etwa sieben Millionen Euro pro Jahr ab 2016 am "Limit der möglichen Leistungen". Gleichzeitig betonte er jedoch, dass er die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen verlieren will und die Sanierung "nicht um jeden Preis" stattfinden könne.

In den Startlöchern steht dagegen schon die neue Imagekampagne für die Augsburger Innenstadt. Pünktlich zum Frühjahr soll diese Maßnahme den Menschen im Umland zeigen, wie attraktiv Augsburg ist. "Die Notwendigkeit ist dadurch gegeben, weil wir eine in sich sinnvolle und fertiggestellte Einheit wie Wertigkeit für die Innenstadtneugestaltung haben, die für unsere Stadt identitätsgebend ist", erklärte OB Gribl. "Das ist notwendig auch für den Einzelhandel und für die Lebendigkeit der Innenstadt", so der OB weiter. Gleichzeitig solle die Kampagne das Signal nach außen senden, dass aufgrund der abgeschlossenen Baustellen die Innenstadt hervorragend erreichbar ist. "Die Erreichbarkeit der Stadt Augsburg ist uneingeschränkt gegeben", erklärte Gribl. "Die neue Erlebbarkeit der Innenstadt muss jetzt beworben werden, in drei Jahren wird das niemandem mehr auffallen."

Neben diesen neuen Aufgaben muss sich die Stadt mit Themen wie der Uniklinik und der Unterbringung von Asylsuchenden weiter beschäftigen. Die Uniklinik Augsburg kommt nun in eine wichtige und auch empfindliche Phase, denn die Konzeption wird nun in den Wissenschaftsrat eingebracht. Dieses unabhängige Gremium entscheidet letztendlich, ob die Uniklinik tatsächlich hier umgesetzt werden kann.

Im Bereich Asyl will sich die Stadt zunächst auf die dezentrale Unterbringung in den Stadtteilen konzentrieren. Hier ist Gribl wichtig, dass alle Stadtteile gleichermaßen eingebunden werden. Momentan bewege sich die Zuteilung der Asylbewerber aus München auf einem Niveau, das für jedes Stadtgebiet verträglich sei.
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