500 neue Plakatträger: Ärger zwischen Stadt und Veranstaltern

Die alten Plakatständer werden demnächst ersetzt durch Edelstahl-Modelle. Foto: Benjamin Hille

Augsburg - Überraschend hat die Stadt Augsburg die Plakatierung neu geregelt: Die Zahl der Plakatständer in Grünstreifen entlang von Straßen wurde stark reduziert und für Veranstalter von größeren Konzerten und Shows sind sie tabu. Entsprechend laut ist der Protest von Clubbetreibern und Konzertbüros.

Ausgangspunkt für die neuen Regeln ist der Ende 2016 ausgelaufene Konzessions- und Nutzungsvertrag für die Plakatwerbung. Die Stadt Augsburg wollte diese Gelegenheit nutzen, um durch "eine Reduzierung und eine qualitativ wie ästhetische Verbesserung der Plakatständer das Stadtbild aufzuwerten", teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Damit solle "dem ,Wildwuchs' der stadtbildunverträglichen bisherigen minderwertigen Holz-Plakatständer entgegengewirkt werden, die sich stark gehäuft haben".

An die Stelle der rund 1200 bisherigen Ständer sollen 500 Werbeträger aus Edelstahl treten, die nun von der Stadt Augsburg selbst bewirtschaftet werden. "Darüber hinaus stehen mindestens weitere 500 Werbeträger unterschiedlicher Formate, wie Litfaßsäulen, City-Lights an Bus- und Straßenbahnhaltestellen, im ganzen Stadtgebiet zur Verfügung, die vom neuen Konzessionär Kommunale Außenwerbung Günther + Schiffmann GmbH & Co. KG beziehungsweise der Augsburger Gesellschaft für Stadtmöblierung mbH vermarktet werden", erklärt Elisabeth Rosenkranz, stellvertretende Pressesprecherin Augsburg.

Doch gerade die kleinen Plakatständer in den Grünflächen neben den stark frequentieren Ausfallstraßen sind nach Ansicht von Sebastian Karner besonders werbewirksam. Karner ist Vorsitzender des Vereins Club & Kulturkommission Augsburg, einem Zusammenschluss verschiedener Clubs und Konzertveranstalter.

Denn der Haken an der Neuregelung: "Die 500 Plakatständer, die von der Stadt selbst vermarktet werden, sind der Eigen- und Kulturwerbung vorbehalten", so Rosenkranz. Die Plakatständer sollen gemäß eines Stadtratsbeschlusses für eine "zielgenaue Förderung von Kultur und Kulturveranstaltern sowie der Vereinswerbung" zur Verfügung stehen: Bürgerversammlungen, Kinderferienprogramm, Imagewerbung für die Stadtverwaltung, Straßenfeste, Eigenveranstaltungen der Stadt, Kulturveranstaltungen mit städtischer oder staatlicher Förderung. Veranstaltungen ohne finanzielle Förderung dürfen nur auf die neuen Plakatständer, wenn sie in für maximal 500 Zuschauer zugelassenen Veranstaltungsorten stattfinden und vom Kulturamt unterstützt werden. Und damit wäre die Bewerbung größerer Konzerte mit internationalen Künstlern, wie sie auch Karner und die Mitglieder in seinem Verein ausrichten, automatisch außen vor.

"Die Grenze von maximal 500 Besuchern ist in Abstimmung mit dem Kulturamt der Stadt getroffen worden, um sicherzustellen, dass diese von der Stadt geförderte Werbemöglichkeit in erster Linie der lokalen Kulturszene zugute kommt", argumentiert die Stadt, doch Karner fehlt dafür jedes Verständnis. "Wir wurden übergangen", stellt er fest. Dabei hätte sein Verein im Vorfeld immer wieder drum gebeten, in den Entscheidungsprozess eingebunden zu werden. Mit der Alternative, den größeren Werbetafeln, kann sich Karner nicht anfreunden. "Die werden nicht so wahrgenommen und sind zudem deutlich teurer", ist er überzeugt.

Die Stadt geht hier von einem "Informationsdefizit" aus. "Der Club- und Kulturkommission Augsburg zum Beispiel wurde deswegen aktuell ein Gesprächsangebot in Form eines Runden Tisches in der kommenden Woche unterbreitet, an dem Kulturreferent Thomas Weitzel, Baureferent Gerd Merkle und Stadtmarketing-Leiter Ekkehard Schmölz Hintergründe und Details der Neuregelung erörtern werden", teilt Rosenkranz mit. Dabei bestehe selbstverständlich Gelegenheit, mögliche kritische Punkte zu hinterfragen.

Sebastian Karner will die Gelegenheit auf jeden Fall wahrnehmen.
(Von Markus Höck)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.