80 Punkte der Augsburger Jugend: Ein Lebenszeichen

Kostenloses Wlan ist seit November in den Jugendhäusern des Stadtjugendrings verfügbar. Damit ist ein weiterer der 80 Punkte erfüllt worden. Doch „es fehlt noch Einiges“, sagt SJR-Chef Jesske. (Foto: SJR)

80 Punkte für die Jugend präsentierte im Sommer des vergangenen Jahres der Stadtjugendring. Seit der öffentlichkeitswirksamen Übergabe an den Stadtrat ist es ruhig geworden um die Ergebnisse der Umfrage, in der fast 3000 junge Augsburger ihre Wünsche für und an die Stadt geäußert hatten. Eigentlich war im Sommer ein Zwischenfazit geplant – das blieb allerdings aus. Die Gründe nennt SJR-Chef Helmut Jesske. Er zählt zudem auf, welche Punkte erfüllt oder in der Mache sind. Einen Rückschlag gab es aber auch.

Ruft man auf der Internetseite des Augsburger Stadtjugendrings (SJR) den 80-Punkte-Plan auf, stehen da in großen weißen Lettern zwei Imperative. „Mach’s einfach“ und „Beweg’ etwas“, fordern sie – in erster Linie wohl von den 14- bis 25-jährigen Bewohnern der Stadt. Fast 3000 von ihnen haben sich eingebracht und bei einer Umfrage mitgemacht, aus der sich „80 Forderungen der Augsburger Jugendlichen an die neue Stadtregierung“ ergaben.

Das „Mach’s einfach“ gilt seither dem neuen Stadtrat, an den die 80 Punkte übergeben wurden. Auf der SJR-Homepage ist immerhin ein Ansuchen abgehakt: die Nummer 33, Hackschnitzelspielplatz an der Tunnelstraße sanieren. Freilich reicht das Spektrum von kleinen Wünschen wie Fußballtoren zu Punkten wie „Asylsuchende so gut wie möglich unterstützen“, die äußerst abstrakt daherkommen.

Aber ein Haken, nach eineinhalb Jahren, ist durchaus etwas dürftig. Zumal dann auch noch das für Sommer 2015 angekündigte Zwischenfazit ausblieb, was die Frage aufwirft, ob die Forderungen bereits irgendwo im Stadtarchiv Staub ansetzen .
„Der Plan ist sehr lebendig“, entgegnet SJR-Geschäftsführer Helmut Jesske. Das Zwischenzeugnis kündigt er zur Legislatur-Halbzeit an. „Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsamer, als wir gehofft haben“, erklärt er, warum eine Bilanz nach einem Jahr zu optimistisch angesetzt worden war. Der einsame Haken: ein Trugbild, weil vergessen wurde, den Katalog zu pflegen.

Erst vor Kurzem sei schließlich beschlossen worden, das Modular-Festival wieder jedes Jahr zu feiern. Die Renaissance des Maxstraßenfests oder die Installation einer Alternative hat neulich der Stadtrat beschlossen und für 2016 die „Augsburger Sommernächte“ ins Leben gerufen. Mit ihrem Programm, die Schulen zu sanieren, verdient sich die Stadt einen Haken hinter Punkt 30.
Der SJR-Chef nennt weitere kleine Forderungen, die bereits erfüllt sind oder deren Umsetzung in der Mache ist. Er berichtet zudem von regelmäßigen Gesprächen mit den jeweiligen Referenten, im Januar stünden wieder welche an, es sei einiges „im Äther“, sagt Jesske.

Einen Rückschlag musste der SJR jedoch auch einstecken. Nummer 14 leidet unter dem Sparzwang der klammen Stadt. Um Jugendhäuser zu sanieren, habe die Stadt 2,2 Millionen Euro auf fünf Jahre eingeplant. Aus den rund 500 000 Euro seien im Haushalt für 2016 nun 50 000 geworden.

Dass in das marode Stadttheater voraussichtlich bis 2039 jährlich 3,85 Millionen Euro fließen werden und die Jugendhäuser zu kurz kommen, will Jesske „nicht gegeneinander aufwiegen“. „Aber“, das betont er, „man darf die Jugend nicht vergessen“. Was zunächst klingt wie eine Phrase, begründet Jesske damit, dass „die Attraktivität des Standorts Augsburg auch an der Infrastruktur für Kinder und Jugendliche hängt“ und erinnert etwa daran, dass nicht jeder Stadtteil einen Jugendtreff habe (Punkt 18).

Wenn der Haken auf der Checkliste auch zu Unrecht ein einsames Dasein fristet, fehle, so resümiert Jesske, „noch Einiges“. Das fettgedruckte „Mach’s einfach“ hat nicht an Gültigkeit verloren.

„Ernst nehmen, nicht sklavisch abarbeiten“


Die 80 Forderungen, die der SJR aus Ergebnissen einer Umfrage unter fast 3000 Augsburger Jugendlichen erstellte und an die 2014 neu gewählte Stadtregierung übergeben hatte, würden laut Jugendreferent Stefan Kiefer „von jedem Referat in seinem Zuständigkeitsbereich bearbeitet“, sagt Kiefer, der zwei Aspekte des Dokuments als Entschuldigung nennt, weshalb eine Zwischenbilanz, „die von meiner Seite aus vorgesehen war“, ausblieb. Sozialreferat und Jugendamt seien derzeit besonders stark ausgelastet mit Punkt 10 und 52 des Plans: „Asylsuchende unterstützen“ und „bezahlbaren Wohnraum schaffen“.

Den Plan nehme die Stadt ernst, „jedoch Punkt für Punkt mit unterschiedlicher Intensität“. Der Jugendreferent verweist darauf, dass es „kein Programm der Stadt Augsburg ist, das es sklavisch abzuarbeiten gilt“. Es handle sich eher um eine Sammlung von Themen, die der Jugend wichtig sind. „Bei vielen Punkte denke ich mir: Das sehe ich auch so wie die Jugend“, sagt er etwa zu den Wünschen in puncto Bildung, Jugendhäuser oder Migration. Kiefer relativiert aber: „Bei manchen Punkten denke ich mir hingegen: Mit 16 Jahren hätte ich das auch so gesehen, aber mit meinen 46 Jahren sieht der Gestaltungsspielraum der öffentlichen Hand wieder etwas anders aus“, sagt er und verweist auf die Forderung nach günstigeren Ladenmieten für Jungunternehmer.

Der Rückschlag, dass aus den rund 500 000 Euro, die im Haushalt 2016 für die Jugendhäuser vorgesehen waren, nun wohl 50 000 Euro werden, „schmerzt auch mich“, sagt Kiefer. Er spricht von der schwierigen Haushaltslage und appelliert, „dass der Stadtrat diese Forderung in den Folgejahren nicht aus den Augen verliert“. Für die Finanzplanung äußert er aber auch Verständnis: „Am Ende kommt die Sanierung immer teurer, Verschieben im Jahr 2016 ist keine gute Entscheidung, sondern der schieren Not geschuldet.“

Zumal Kiefer auch Erfolge aufzählen kann: Etwa das „H2O“ in Oberhausen, das „in ein wesentlich besseres Haus umgezogen ist“, oder die anstehende Umwandlung eines ehemaligen Kindergartens an der Blücherstraße in ein Jugendwohnen für 1,5 Millionen Euro oder die 1,2 Millionen, mit denen das Gebäude für offene Jugendarbeit in Hochzoll ertüchtigt werden soll. Die Förderung für die Jugendarbeit in Augsburg wachse 2016 auf insgesamt 3,3 Millionen Euro an.

Von David Libossek
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