"Abschiebung der Afghanen setzt ein fatales Signal"

Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg. Foto: Caritas Augsburg/Bernhard Gattner.

Caritasdirektor Dr. Magg: "So bringt das nichts, auch nicht für Deutschland"

Augsburg, 21.12.1016 (pca). Der Caritasverband für die Diözese Augsburg e. V. spricht sich gegen die Abschiebungen von Afghanen aus. „So bringt das nichts, weder für die Afghanen, die abgeschoben werden sollen, noch für Afghanistan, auch nicht für Deutschland“, so der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg. „Ich spreche mich nicht gegen eine Rückkehr aus“, unterstreicht er, „aber wenn dann muss sie auch mehr als nur eine Verringerung der Zahl von Afghanen in unserem Land bringen.“ Schon der Vollzug der ersten Abschiebung in der vergangenen Woche habe bewiesen, dass ein Hauruck-Verfahren nur dem Ansehen unseres Landes schade.

Caritasdirektor Dr. Magg bedauert, dass ein junger Mann, der bewiesen hätte, dass er sich in unser Land integrieren will - wie in Augsburg geschehen, nun einfach in eine unsichere Zukunft ohne Ausbildung geschickt wurde. „Dieses Signal an die Flüchtlinge und Asylbewerber ist fatal.“ Man wisse nun, dass es letztlich nichts nutzen wird, wenn man Deutsch lernt, alles dafür tut, um einen Ausbildungsvertrag zu erhalten. Man könne dann doch zu einem willkürlichen Zeitpunkt abgeschoben werden. „Für alle anderen Afghanen in den Flüchtlingsunterkünften ist das ein Warnsignal, eine Einladung zur Resignation, ein Zeichen der Hoffnungslosigkeit“. Die vorgeschobene Begründung der Bundesregierung, es handele sich um Straftäter, die abgeschoben worden seien, könne man nicht akzeptieren. „Sie ist in ihrer Pauschalität schlichtweg falsch. Der Augsburger Afghane war kein Krimineller. Außer man definiert die afghanische Herkunft als kriminell.“

Dass das Asylpaket II nun auch nicht mehr eine posttraumatische Belastungsstörung als Bleibegrund akzeptiere, sei für ihn nur ein weiterer Hinweis darauf, dass die Bundesregierung nunmehr darauf abzielt, eine bloße Symbolpolitik zur Beruhigung einzelner politischer Strömungen zu verfolgen.

Dieses Signal in der Weihnachtszeit zu geben sei für ein Land, das sich auf die Wurzeln des christlichen Abendlandes beruft, alles andere als ein Signal des Glaubens an Jesus Christus. „Indem Gott zu Weihnachten Mensch wurde, hat er dem Menschen eine Würde geschenkt, die ihm nunmehr zu Eigen ist und die ihm kein Staat, kein Gesetz oder irgendeine politische Partei nehmen kann.“

Caritasdirektor Dr. Magg wünscht sich eine grundlegende Änderung in der Flüchtlingspolitik. „Wann lernen wir, auf die Flüchtlinge und Asylbewerber zu schauen, die unser Land sehr gut brauchen kann, die integrationswillig und –fähig sind? Wann lernen wir endlich, all die Flüchtlinge und Asylbewerber als Chance für eine gezielte Entwicklungshilfe zu begreifen, die wir hier in unserem Land leisten könnten und die dann nach der Rückkehr die besten Aufbauhelfer und Modernisierer in ihrem Heimatland sein können?“ „Engstirniger Formalismus und populistische Vereinfachungen helfen nicht weiter“, so der Augsburger Caritasdirektor. Menschen ohne Ausbildung nach Afghanistan zurück zu schicken und von ihnen zu erwarten, dass sie dort für sich und ihre Angehörigen eine sichere Zukunft aufbauen, heiße für ihn, Entwicklungschancen zu vertun.
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