Abspecken am Theater? - Baukonjunktur bereitet Stadträten Sorgen

Die derzeitige Baukonjunktur bereitet den Stadträten Sorgen. Architekt Walter Achatz verweist auf Einsparpotenzialen, qualitativ wie quantitativ. (Foto: Peter Maier)
Wenn eine Pressekonferenz vor einer Stadtratssitzung in den kleinen Saal des Rathauses verlegt wird, ist das ein sicheres Anzeichen dafür, dass etwas Wichtiges ansteht. Die zahlreichen Medienvertreter, die in den Stühlen saßen, die sonst von Ausschussmitgliedern des Stadtrats besetzt werden, verstärkten diesen Eindruck.

Freie-Wähler-Stadtrat Volker Schafitel darf sich den Löwenanteil an dem gesteigerten Interesse des Sitzungsprologs in sein Portfolio schreiben. Er hatte kürzlich Zahlen publik gemacht, in welch schwindelerregende Höhen die Kosten der Theatersanierung schießen könnten. Seine Daten machte Schafitel an anderen Theaterbaustellen in Deutschland fest: Köln, Frankfurt, München, Berlin - allesamt Projekte, deren Machern die Kosten letztlich um die Ohren flogen, derart weit wichen sie von der ursprünglich kalkulierten Summe ab.

Architekt Walter Achatz, der die Erneuerung des Großen Hauses sowie den neuen Verwaltungs- und Werkstättenbau in Augsburg geplant hat, saß deshalb neben Baureferent Gerd Merkle in der Pressekonferenz. Seine Botschaft: Nur die Ruhe. Eines nach dem anderen ging er die von Schafitel als mutmaßliche Referenz-Kostenfallen aufgezählten Theaterbauten durch und nannte Ursachen der jeweils gestiegenen Projektkosten.

Am Gärtnerplatztheater in München etwa, bei dessen Sanierung Achatz ebenfalls der zuständige Architekt war, sei ein "politischer Kostenrahmen" vorgegeben gewesen. Schon als sein Büro die ersten Planungen erstellte, habe man gewusst, "dass wir damit nicht zurechtkommen werden". In Augsburg hingegen, führte Achatz auf, habe man für den Bauteil eins, also die Erneuerung des Großen Hauses, vorab ein Kostenziel errechnet - "aus rund 100 Einzelmaßnahmen".

109 Millionen Euro sei weiterhin der aktuelle Stand, wie viel es kosten wird, das Stammhaus zu sanieren. Hinzu kommt der Für-alle-Fälle-Puffer, der jedoch nur mehr 4,3 der einst rund 22 Millionen Euro enthält.

"20 bis 25 Prozent abspecken"?

Freilich, räumte Achatz zudem ein, "seriöse Aussagen" darüber, wie sich die Baukonjunktur in den kommenden Jahren entwickeln wird, könne man nicht treffen. Achatz sprach daher von Einsparpotenzialen, qualitativ wie quantitativ. Bei der derzeitigen Entwicklung, wurde er später im Stadtrat konkreter, müsse man "20 bis 25 Prozent abspecken".

Ein Raunen ging durch den Sitzungssaal. Rein spekulativ sei das alles, fügte Achatz hinzu. Niemand könne vorhersagen, wie sich der Markt entwickle.

Gerechnet wurde für das Großprojekt mit einem Baukostenindex von 2,1. Auf die Nachfrage einiger Stadträte, ob und welche Steigerung denn realistisch sei, betonte Baureferent Merkle: "Wir stochern im Nebel". Niemand könne die Entwicklung vorhersagen. Seine Botschaft: Die Stadt und die Stadträte sollten sich "nicht nervös machen lassen". Oberbürgermeister Kurt Gribl wies darauf hin, dass es auch Beispiele dafür gebe, dass etwa Materialkosten auch günstiger werden könnten. Und Finanzreferentin Eva Weber betonte, die Summe der Kosten stehe. "Das, was der Stadtrat beschlossen hat, bleibt. Punkt."

Achatz wies wiederholt darauf hin, dass man bei einer Preissteigerung eben "abspecken" müsse.

Eingespart würde wohl hauptsächlich am Bauteil zwei, dem Werkstätten- und Verwaltungsbau. Der Kostenrahmen dafür ist bislang mit 73 Millionen Euro angelegt. Allerdings gebe es noch keine Kostenschätzung, eine Berechnung kündigte der Architekt für 2019 an.

Die zeitliche Verzögerung zwischen den beiden Bauteilen sei daher ein großer Vorteil, sagte Achatz. Dass der Neubau der Werkstätten, was Stadtrat Oliver Novak (Polit WG) erwog, ganz gestrichen wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

von David Libossek und Janina Funk
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