Änderungen im Fugger-Express: Jetzt äußert sich Pro Bahn zur Ausschreibung

Was ändert sich ab 2021 für die Fahrgäste im Fugger-Express? (Foto: Saskia Kerschbaum / Symbolbild)

Knapp 150 Dokumente umfasst die Ausschreibung der „Augsburger Netze“ durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). Nun hat sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn durch die Textflut gewühlt und ist zu einem sehr zwiegespaltenen Ergebnis gekommen.

„Aus unserer Sicht gibt es Licht, aber auch genauso reichlich Schatten“, fasst Jörg Lange zusammen. Er ist innerhalb des Fahrgastverbands für den Fugger-Express zuständig, der auf der Strecke München – Augsburg – Ulm verkehrt.

Einer der Hauptkritikpunkte, die Pro Bahn an der Ausschreibung anbringt, ist der Umstand, dass „Schwaben erneut zum Piloten im Bereich Ausschreibungen wird“. Bei der Neuausschreibung der „Augsburger Netze“ werde diesmal zum einen mit einem Bruttovertrag Neuland betreten, zum anderen mit der „3+2 Bestuhlung“ (fünf Sitze pro Reihe) auf einer Berufsverkehrshauptachse.

Bei Bruttoverträgen ist die Einnahme des Eisenbahnverkehrsunternehmens (EVU) garantiert. Das Erlösrisiko durch beispielsweise in Folge von Qualitäts- und Ausstattungsmängeln abwandernder Fahrgäste liege einseitig beim Freistaat, warnt Pro Bahn. Der Freistaat müsse in diesem Fall sicherstellen, dass alle relevanten Faktoren vertraglich geregelt sind, denn im Ernstfall bekäme das EVU auch seinen vollen Zuschuss, wenn kein einziger Fahrgast im Zug säße. „Wir können hier nur hoffen, dass bei der Gestaltung der Ausschreibung und der Verträge hier entsprechende Erfahrungen aus anderen Bundesländern eingeholt wurden und eingeflossen sind“, so Pro Bahn in einer Stellungnahme.

Auch für die „3+2 Bestuhlung“ gibt es Erfahrungswerte. Zwischen Dresden und Leipzig verkehren im sogenannten Saxonia-Express Triebwagen der Baureihe 442 ebenfalls mit „3+2 Bestuhlung“. „Laut Berichten von Pro Bahn-Aktiven der dortigen Region werden von den sechs Plätzen in den Sitzgruppen maximal vier genutzt, die anderen füllen nur die Statistik“, bleibt Lange skeptisch.

Für ihn ist auch enttäuschend, dass das Angebot abgesehen von der reaktivierten Staudenbahn kaum ausgebaut werde. Kritisch sieht er, dass selbst die Ausschreibung einräume, dass es mit neuen Fernverkehrsangeboten durch Stuttgart 21 auf der Strecke Augsburg – Ulm zu weiteren Überholungen und damit unattraktiveren Fahrzeiten im Regionalverkehr sowie auch weiteren Verspätungen kommen werde. „Hier macht sich insbesondere der lange verzögerte und inzwischen wohl nicht mehr vor 2028 beginnende Ausbau zwischen Augsburg und Gessertshausen bemerkbar“, so Lange.

Ein Mehr an Komfort vermisst Jörg Lange im Ausschreibungstext – „es wird teilweise noch viel enger“, kritisiert er. So wird die Vorgabe zum Durchgang von 60 auf 50 Zentimeter reduziert. Immerhin: Klappsitze, die bei Benutzung durch Fahrgäste den Durchgang unter diese 50 Zentimeter verringern, sind nicht mehr zulässig.

Und auch, dass in den neuen Zügen das Mehrzweckabteil direkt am Einstieg sein soll, lobt Lange. Die größte Verbesserung sieht er freilich in den deutlich höheren Wendezeiten, beispielsweise 18 Minuten in Dinkelscherben und mindestens 20 Minuten in München. Jetzt „besteht eine Chance, die ewigen Folgeverspätungen zu reduzieren“, hofft Lange. Aber: „Wie bereits im Vorfeld vermutet, ist der große Wurf ausgeblieben.“
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