Alles nach Plan: Stadtrat stimmt neuem Entwurf zur Theatersanierung zu

In das ursprüngliche Modell des Theaters hat Architekt Walter Achatz nun weitere bauliche Vorschläge eingearbeitet. Das Ergebnis stieß im Stadtrat überwiegend auf Begeisterung.

Das Vorhaben Theatersanierung ist einen Schritt weiter. Nach einem Jahr, zahlreichen Anträge und vielen Entwürfen hat Architekt Walter Achatz dem Stadtrat eine überarbeitete Planung vorgestellt. Das Gremium ist davon angetan und votiert mit 50 zu sieben Stimmen für die Pläne. Die monetären Einsparungen dieser „Kompromisslösung“ sind jedoch gering.

Stehen im Rathaus wichtige Entscheidungen an, trifft man an der elektrischen Eingangspforte stets auf Schildbürger Frank. „Rettet die Brechtbühne“, hat er auf die Tafel geschrieben, die Frank an der Spitze einer Stange befestigt hat, die so lang ist, dass sein Schild vor dem Fenster des Sitzungssaals zu sehen ist. Dieser Tage hat die Ein-Mann-Demonstration jedoch ein Problem: Die Fassade des Rathauses wird hergerichtet, weshalb das Gebäude – und damit auch die Fenster – von einer riesigen Plane verdeckt wird.

Franks Botschaft war daher während der Stadtratssitzung am Dienstag nicht zu sehen. Doch sie hätte wohl auch nichts daran geändert, dass sich das Gremium an deren Ende für die überarbeiteten Pläne zur Sanierung des Theaters aussprach – und damit für den Abriss der Brechtbühne. Man könne sie ihrer Statik wegen nicht überbauen und unter ihr 14 Meter in die Tiefe zu graben, sei ebenfalls unmöglich, begründete Architekt Walter Achatz in der Sondersitzung des Rates.

Es sei „keine Krisensitzung“, hatte Oberbürgermeister Kurt Gribl im schwül-stickigen Eckzimmer des Verwaltungsgebäudes, in der obligatorischen Pressekonferenz vor der Stadtratszusammenkunft betont. Es gehe schlicht darum, die Dichte an Anträgen in einer Zusammenkunft des Gremiums abarbeiten zu können. 33 waren seit März des vergangenen Jahres eingegangen, fünf kamen kurzfristig hinzu.

Achatz hatte die baulichen Vorschläge in die Pläne eingearbeitet, um Kosten und Nutzen abzuwägen. Manches ergebe Sinn, anderes nicht. Das Ergebnis, das Kulturreferent Thomas Weitzel als „Best-of-Lösung“ bezeichnete, stieß im Stadtrat mehrheitlich auf begeisterte Politiker. Aus den sieben Gegenstimmen stach die von Christian Moravcik hervor. Der Grüne, der wegen seiner Bedenken am Wirtschaften der Stadt bereits sein Amt als finanzpolitischer Sprecher seiner Fraktion abgelegt hatte, äußerte so erneut seine Skepsis gegenüber dem Projekt.

Daran hatten offenbar auch die 2,6 Millionen Euro nichts ändern können, die durch die Überarbeitung in den Plänen eingespart werden. Seine Parteikollegin Verena von Mutius schwärmte in ihrer Rede hingegen von der „Kompromisslösung“, deren Kosten nun bei 186,3 Millionen statt 189,9 Millionen Euro liegen.

Nicht nur Kosten, auch Inhalte habe man optimiert, sagte OB Gribl. Aus der Bürgerbeteiligung sei etwa eingeflossen, dass der Hofmannkeller erhalten bleiben soll. Er könne durch ein privates Sponsoring finanziert werden, hieß es. Die Kasernstraße wird für Radler und Fußgänger weiter offen bleiben, Lokale sollen auf ihr zudem zum Draußensitzen einladen. Ein Balkon, von dem aus man über die Fuggerstraße blicken kann, ist hingegen statisch nur teuer machbar.

Auch der Antrag, die Lagerflächen auszugliedern, scheiterte. Alleine wegen der laufenden Mietkosten sei das wenig sinnvoll. Aber auch, weil dann laut Weitzel rund 1000 Lastwagenfahrten zwischen Lager und Theater nötig würden; aus seiner Sicht logistisch und ökologisch mindestens fragwürdig.

Gewichtigste Erkenntnis neben dem Brechtbühnen-Ende aber ist: Der vieldiskutierte vorgelagerte Orchesterprobenraum bleibt wie in der ursprünglichen Variante vorgesehen – gläsern und offen zugänglich. Er wird zwischen Volkhardstraße und dem Großen Haus stehen. Im Theatergebäude, dessen Sanierung 113 Millionen Euro der Kosten ausmacht, sollen ab Herbst 2023 wieder Vorstellungen stattfinden.
Zuvor wird fünf Jahre lang gebaut. So lautet zumindest der Plan. Bereits im kommenden Jahr rücken die Archäologen an. Ihre Funde werden sich auf die Bauzeit auswirken. „Und das ist in der Regel immer schlimmer als man denkt“, kommentierte Baureferent Gerd Merkle.

Für Schildbürger Frank bleibt derweil immerhin ein kleiner Trost: Die SPD hat beantragt, das Ofenhaus am Gaswerk in Brechtbühne umzubenennen. Es dient in der Sanierungsphase als Interimsspielstätte für das Schauspiel.
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