Ankommen am Kobelweg

In dieses Gebäude am Kobelweg soll die Erstaufnahmeeinrichtung kommen. (Foto: Hans Blöchl)

Kriegshaber empfängt Flüchtlinge offen und gelassen – das zeigte jedenfalls eine Veranstaltung zur Erstaufnahmeeinrichtung, die im Dezember am Kobelweg in Betrieb geht.

Bis zu 250 Flüchtlinge sollen ab Dezember am Kobelweg ankommen. Dort soll eine Erstaufnahmeeinrichtung entstehen. Vergleichsweise sachlich und informativ – im Stadtteil Hammerschmiede etwa hatte es vor Kurzem eine heftige Debatte um die Unterbringung von Asylbewerbern gegeben – verlief der Informationsabend dazu. Sozialreferent Stefan Kiefer für die Stadt Augsburg und Regierungspräsident Karl Michael Scheufele für die Regierung von Schwaben im Pfarrsaal der evangelischen Gemeinde St. Thomas in Kriegshaber wurden auf dem Podium unterstützt durch Vertreter der Polizeiinspektion Pfersee und Asylsozialberater Werner Neumann von der Caritas.

Rund 100 Interessierte, vor allem aus Kriegshaber, wollten sich über die Situation und die Pläne informieren. Der Appell des Hausherrn Pfarrer Dieterich Tiggemann zu einer offenen aber fairen Diskussion wurde von allen ernst genommen. Dabei war der Grundtenor sachlich, manche fragten skeptisch nach, jedoch ohne negativen Unterton.

Anfänglich informierten Kiefer und Scheufele über die allgemeinen Entwicklungen der Flüchtlingssituation. „Ich bin selbst überrascht, dass wir das schaffen“, gab der Regierungspräsident zu, „niemand hatte mit dieser sprunghaften Entwicklung gerechnet“. Derzeit sind in Augsburg rund 3000 Flüchtlinge in Erstaufnahme- und anderen Einrichtungen untergebracht. Die Tendenz ist nach wie vor steigend, weil wöchentlich etwa 65 neue Flüchtlinge in der Stadt ankommen.

Werner Neumann berichtete, dass die Anzahl der Mitarbeiter der Caritas in der Asylarbeit von neun auf derzeit rund 40 Personen angestiegen sei und dass „die Kirchen enorme Anstrengungen unternehmen, um in der Situation zu helfen“.
Aufgrund der Struktur der Erstaufnahmeeinrichtung am Kobelweg wird es für ehrenamtliche Mitarbeit keine allzu großen Möglichkeiten geben. Die dort ankommenden Menschen bleiben in der Regel nur wenige Tage bis meist maximal zwei Wochen und werden dann weiter in andere Einrichtungen bundesweit verteilt. Deshalb wird vor allem die Erstversorgung mit Kleidung oder Spielzeug im Vordergrund stehen. Auch sportliche Angebote helfen, die Menschen von ihrer Alltagssituation abzulenken.

Spontan hatten sich während der Veranstaltung 20 Freiwillige zur Mitarbeit in einem Helferkreis bereit erklärt. Wie Kiefer ankündigte, sucht die Stadt weitere Unterkünfte auch in Kriegshaber, die dann für die Helfer als Betreuungsobjekte wichtig werden.

Am Kobelweg werden in einem alten Bürogebäude, das derzeit umgebaut wird, voraussichtlich ab Anfang Dezember maximal 250 Personen untergebracht. Wie viele Menschen gleichzeitig kurzzeitig am Kobelweg wohnen werden, lässt sich nicht planen, das hängt von der Zuweisung aus München ab. Klar sind jedoch die Abläufe in der Einrichtung: Die Flüchtlinge werden registriert und gesundheitlich untersucht. Auch der Ersttermin für die Asylantragstellung soll hier organisiert werden. Zusätzlich werden bis zu 60 Mitarbeiter der Regierung mit dem Aufgabengebiet Asyl einziehen.

Aufgrund von Rückfragen erläuterte der Regierungspräsident, dass für die Unterkunft an den Investor die ortsübliche Miete plus Investzuschlag bezahlt werde und das Objekt auf zehn Jahre angemietet worden sei. Auf die Frage der Nutzung bei Rückgang der Flüchtlingszahlen meinte Schäufele: „Ich mache mir derzeit keine Sorgen über eine eventuelle Nachnutzung, falls die Flüchtlingszahlen zurückgehen, dazu zeichnet sich derzeit nicht ab, wie es weiter gehen wird.“ In der Unterkunft wird es eine Hausleitung, einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst sowie Verpflegung durch eine Cateringfirma geben. Mit einem Wohlfahrtsverband wird über die Übernahme der Sozialbetreuung verhandelt. Aus Sicht der Polizei gebe es keine besonderen Sicherheitsaspekte zu erkennen. Pfarrer Tiggemanns lobte die friedliche und sachliche Diskussion und dass Kriegshaber für die Flüchtlinge offen steht und zur Hilfe bereit ist.

Von Hans Blöchl
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