Asylbewerberheim: Breiter Widerstand formiert sich

„Wir wurden nie gefragt, ob wir ein Asylbewerberhaus wollen“, schimpfte ein aufgebrachter Bürger. „Wir fühlen uns regelrecht verarscht.“ Und in Richtung Bürgermeister meinte er: „Wir werden für dumm verkauft. Praktizierte Bürgernähe sieht anders aus.“ In der aus allen Nähten platzenden Turnhalle machten die Bürger ihrem Ärger Luft. Schon nach wenigen Minuten hatte sich der Volkszorn zusammengebraut. Dabei sollte die Informationsveranstaltung der Gemeinde zum geplanten Asylbewerberheim Sorgen und Ängste abbauen. Doch dieses Ziel ging daneben.

Dass sich Bürgermeister Josef Böck und die Sachgebietsleiterin für Flüchtlingsbetreuung und Integration bei der Regierung von Schwaben Gitta Schmid-Göller an diesem Abend warm anziehen mussten, war beiden klar. Wiederholt wurden sie durch Rufe, Kommentare und Gelächter unterbrochen. Dazwischen mischten sich auch Vorwürfe wie „Heuchler“ und „Lügner“.

Dabei hatte Bürgermeister Böck gleich zu Beginn des Infoabends hingewiesen, dass „wir uns nicht in die rechte Ecke drängen lassen wollen“. Er spielte damit auf das im Ort verteilte Flugblatt „Asylbewerber in Langenneufnach? Wir sagen Nein!“ der Nationalen Sozialisten Deutschland an. „Rechtsradikale Kreise versuchen aus der Situation Kapital zu schlagen“, zeigte er sich entsetzt.

Während er bei dieser Betroffenheit noch Applaus erhielt, wurde aber schnell klar, in welche Richtung das Bürgertreffen lief. Zahlreiche Wortmeldungen rechneten scharf mit den Gemeindevertretern ab. „Treffender als die fehlende Informationspolitik von Bürgermeister und Gemeinderat kann man fehlende Bürgernähe nicht beschreiben“, übte ein Bürger scharfe Kritik. „Keiner hat mit den unmittelbar an die geplante Asylunterkunft wohnenden Nachbarn vorab gesprochen. Keiner!“ Die Zumutbarkeit gegenüber den Nachbarn sei vollkommen unberücksichtigt worden.

Gebetsmühlenartig erwiderte der Bürgermeister, dass der Gemeinderat nach dem geltenden Baurecht der Nutzungsänderung des ehemaligen Gasthauses „Zur Post“ zum Asylbewerberheim zustimmen habe müssen.

Wertverlust


Doch die fehlende Informationspolitik war nicht der einzige Kritikpunkt. Anschaulich schilderte eine Anwohnerin, dass sich bereits jetzt der Wertverlust ihres Grundstückes und ihrer Immobilie bei der Verlängerung des Baukredits negativ, ja existentiell bemerkbar mache.

Unzählige Fragen beschäftigten sich auch damit, wer in das Asylbewerberheim ziehe – alleinstehende Männer oder Familien mit Kindern. Doch darauf wollte die Regierungsvertreterin keine verbindlichen Auskünfte geben. Das entscheide sich je nach Aufkommen der Flüchtlinge. Schmid-Göller versprach allerdings, dass sie sich bemühe, auf die ethnischen Herkünfte zu achten, damit sich untereinander kein Aggressionspotenzial aufbaue.

Eine Absage erteilte sie auch dem Einwand, dass die geplanten 46 Asylbewerber für ein Dorf in der Größe und mit der Infrastruktur von Langenneufnach nicht tragbar wären. „Hier gibt es einen Arzt, eine Apotheke, Geschäfte für den täglichen Bedarf und eine Busverbindung“, zählte sie auf.

Das Asylbewerberheim selbst bezeichnete sie als ein „nur kleines Haus“, demzufolge werde es auch keinen dort dauerhaft beschäftigten Heimleiter oder Hausmeister geben. Das Gebäude sei zunächst für fünf Jahre als Unterkunft angemietet worden, ohne dafür „Mondpreise zu bezahlen“.

Gitta Schmid-Göller hoffte, dass in der Bevölkerung die Überzeugung siege, die Flüchtlinge willkommen aufzunehmen. „Es handelt sich hier um hilfsbedürftige Menschen, denen man nicht von vornherein kriminelle Aktivitäten unterstellen darf.“ Sie appellierte an das Miteinander, das wachsen müsse. „Hier kommt auf die örtlichen Vereine eine wichtige Aufgabe zu.“ Andere, noch kleinere Kommunen, hätten diese Herausforderungen bereits erfolgreich gemeistert.

Und was gedenke die Gemeinde zu tun?, lautete eine der letzten Bürgerfragen. „Wir müssen intensiv nach Konzepten suchen, damit das Miteinander nicht auf der Strecke bleibt“, antwortete der Bürgermeister.

Noch nichts entschieden


In diese Suche wollen viele Bürger, wie es schien, erst gar nicht eintreten. Noch sei nichts entschieden, meinte Markus Wuschek. „Die Pläne liegen derzeit zur Genehmigung im Landratsamt.“ Auch sei in der Sache ein Rechtsanwalt eingeschaltet.


KOMMENTAR
von Siegfried P. Rupprecht

Ein Suchspiel: Transparenz und Bürgernähe


Die Volksseele kochte! Mit breiter Brust stellte sie sich bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Asylbewerberheim in Langenneufnach den „Mächtigen“ entgegen. Die Teilnehmer forderten Offenheit, Transparenz und immer wieder Bürgernähe. In dieser aufgeheizten Atmosphäre war es schwer, auf die Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung einzugehen. Dies war bei den hochschäumenden Emotionen schnell erkennbar.

So kam ein Dialog auf gleicher Augenhöhe – ein Miteinander, wie es sowohl der Bürgermeister als auch die Regierungsvertreterin beschworen – nicht zustande. Dazu verlor sich die Veranstaltung zu sehr in Allgemeinschauplätze. Hinzu kam, dass die Flüchtlingsbetreuerin nur die optimistische Seite der Situation abdeckte. Zuweilen hatte man den Eindruck, sie versuche krampfhaft das eine oder andere schönzureden. Viele Antworten waren auch oberflächlich, was die Stimmung weiter anheizte.

Was dieser im Grundcharakter sehr sensiblen Veranstaltung fehlte, war eine neutrale Gesprächsleitung, ein Moderator, der mit Kompetenz beide Seiten hätte begleiten müssen. So verstärkte sich der Eindruck, dass sich jetzt noch mehr Widerstand formiert, da sich viele Veranstaltungsteilnehmer von ihren gewählten Volksvertretern im Stich gelassen fühlen.
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