Asylbewerberheim: Die Angst bleibt

Tapfer haben sich Oberbürgermeister Kurt Gribl und der Regierungspräsident von Schwaben Michael Scheufele den Fragen der verängstigten Anwohner gestellt. Erklären wollten sie und die Sorgen der Anwohner zerstreuen. So hatten sie sich den Tag der offenen Tür im neuen Asylbewerberheim vorgestellt. Stattdessen wurde gestritten, gelästert und zu selten zugehört.


Viele Anwohner waren am Montag zum Tag der offenen Tür in das neue Asylbewerberheim in der Ottostraße 2 gekommen. Darunter einige ältere Damen und Herren. Die Besichtigung des Beispielzimmers und der anderen Räume im neuen Wohnheim konnte die Anwohner jedoch nicht umstimmen – ihre Abneigung gegen das Projekt stand vielen Besuchern ins Gesicht geschrieben.

Und so begann die Veranstaltung, in der OB Gribl und Regierungspräsident Scheufele „das Gesamtpaket“ für Asylanten und Bewohner vorstellten, mit viel Geraune und auch die ersten Zwischenrufe ließen nicht lange auf sich warten: „Würden Sie hier wohnen wollen – bestimmt nicht!“

Für Scheufele wirke die Einrichtung nicht abschreckend und seiner Meinung nach fänden 160 Menschen in diesem Gebäude gut Platz. Außerdem werde das Betreuungsangebot für Asylanten sowie Anwohner für eine gute Nachbarschaft sorgen: Im Asylantenheim ist ein Heimleiter und eine Verwaltungsmitarbeiterin sowie ein Hausmeister angestellt. Für die 160 Asylanten steht eine Asylberaterin zur Verfügung, die ihnen unter anderem bei ausländerrechtlichen Fragen weiterhelfen wird. Zudem engagiert sich die Organisation „Tür an Tür“. Ihre freiwilligen Mitarbeiter geben Deutschkurse und die Interessengemeinschaft „Unterstützerkreis Ottostraße“ wird sich für eine positiven Wohnsituation bemühen. Außerdem wurde eine Verbindungsfrau, Pädagogin Elke Modersitzki, engagiert. Sie wird vor allem als Ansprechpartnerin für Sorgen und Nöte der Anwohner fungieren. Eine besondere Dienstleistung wird das Servicetelefon und ein nächtlicher Kontrolldienst sein. Diese Struktur lobte der Asylberater Matthias Schopf-Emerich als eine „gute Ausstattung, die es sonst nirgendwo in Augsburg gibt“.

Doch nicht alle Anwesenden ließen sich überzeugen. Als ein Anwohner, der jahrelang in Asylheimen tätig war, zu vermitteln versuchte, dass „die Leute, die kommen, viel mehr Angst haben als wir“ brach großes Getuschel aus. „Aber wir haben doch Angst“, brachte eine Frau die Stimmung auf einen Nenner. Und eine andere ergänzt: In Mindelheim, wo auch ein Asylbewerberheim eingerichtet wurde, sei seitdem so oft eingebrochen worden wie nie zuvor.

Ein Vertreter der Polizei widersprach diesen Vorwürfen. Ihm seien keine Auffälligkeiten bekannt. Die Angst vor wachsender Kriminalität im Wohngebiet erklärte er als unberechtigt. „Die Asylbewerber verhalten sich sehr angepasst, weil sie wissen, was sie riskieren, nämlich den Verlust der Aufenthaltsgenehmigung“, versuchte Schopf-Emerich zu vermitteln.

Dennoch blieb die Atmosphäre angespannt. Neben vielen anderen Fragen brach eine Diskussion um die Frage einer Mutter aus, warum das Heim gerade in diesem Viertel, das unter Kindern schon als „Ghetto“ bezeichnet werde, eingerichtet werden muss. Dass das Viertel Rechts der Wertach bereits belastet sei, erklärten die Anwohner am Beispiel der Wertachstraße, in der seit den vergangenen Jahren nur noch heruntergekommene Läden seien: „Wenn man die Wertachstraße entlang geht, denkt man nicht mehr, dass man in Augsburg ist“, sagt ein Anwohner. Für ihn liege die Problematik darin, dass die Einrichtung eine Großunterkunft sein wird. Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller „in jeden Stadtteil, also auch in den bessergestellten, kleine Unterkünfte mit 20 Asylbewerbern einzurichten.“

Die Regierung sei auf den Immobilienmarkt angewiesen und über Möglichkeiten einer dezentrale Einrichtungen wurden noch keine Hinweise erhalten, so die Erklärungen von OB und Regierungspräsident, die größtenteils im Tumult untergingen.

Ab wann nun die ersten Asylanten einziehen, ist noch nicht geklärt. Und auch für wie lange sie dann bleiben, weiß niemand. Der Mietvertrag mit der Regierung von Schwaben läuft zehn Jahre.
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