Auf geradem Zick-Zack-Kurs durch Augsburg: Trassenfrage für Linie 5 entschieden

Die Gleise für die neue Linie 5 werden nun in der Holzbachstraße verlegt. Der Stadtrat nickte die Kehrtwende der Stadtwerke ab. Foto: Archiv

Augsburg - Im Augsburger Westen beherrscht derzeit das Thema "Linie 5" die Nachrichtenlage. In seiner jüngsten Sitzung hat sich der Stadtrat nun auf einen neuen Trassenverlauf verständigt. Für Aufregung sorgte allerdings die Meldung, dass die geplante Entlastungsstraße zur Rosenaustraße nun nicht mehr gebraucht werde.

Es ist eine der aufwendigeren Planungen, die von der Stadt und den Stadtwerken für die künftige Linie 5 betrieben werden. Diese Straßenbahnlinie soll in Zukunft den Hauptbahnhof mit dem Klinikum und dem späteren Medizincampus verbinden. Zum Klinikum fährt die Linie 5 über die Bürgermeister-Ackermann-Straße. Strittig ist bislang allerdings, wie die Trasse vom Hauptbahnhof zur Ackermann-Straße verlaufen soll.

Nach einem groß angelegten Bürgerbeteiligunsprozess, den GoWest-Workshops, hatten sich die Stadtwerke gegen die Vorschläge der Anwohner und für eine Trasse durch die Hessenbachstraße entschieden. Mit vielen Argumenten auf ihrer Seite warben die Stadtwerke für diese Lösung und lange sah es danach aus, als gäbe es keine Alternative. Nun erfolgte die Kehrtwende: Die Tram soll doch über die Holzbachstraße fahren, wie es die Bürger von Beginn an gefordert hatten. In großer Mehrheit stimmte der Stadtrat dafür, mit dieser neuen Variante in das Planfeststellungsverfahren zu gehen.

Baureferent Gerd Merkle erklärte den scheinbar plötzlichen Sinneswandel lapidar: "Wir befinden uns in einem ergebnisoffen Planungsprozess." Und damit sei es natürlich auch möglich, dass man zu neuen Erkenntnissen gelange. Konkreter Knackpunkt ist die Ackermann-Brücke. Bisher war man bei Stadt und Stadtwerken davon ausgegangen, dass es viel zu teuer geworden wäre, die Tram auf die Ackermann-Straße zu führen. Nun ist also alles anders - und alles besser, wenn man den Ausführungen des Stadtwerke-Chefs Walter Casazza Glauben schenkt. Ein Vorteil, der bei den Augsburgern besonders gut ankommt: Für die Holzbach-Variante müssen nur 40 und nicht 60 Bäume gefällt werden.

Doch in die Zustimmung mischte sich während der Stadtratssitzung auch Verunsicherung. Grund war eine Bemerkung des Baureferenten Merkle im Vorfeld zur Sitzung, dass durch die jetzige Trassenführung eine Entlastungsstraße entlang des Bahndamms nicht mehr erforderlich sei. Stadträtin Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) hakte nach und wollte noch einmal genau wissen, ob die Entlastungsstraße nun wirklich nicht gebraucht werde, trotz des zu befürchtenden Schleichverkehrs. Referent Merkle präzisierte, dass die Entlastungsstraße nur aufgrund der Trassenführung der Linie 5 nicht mehr nötig sei. Gleichwohl erinnert er daran: "Die Entlastungsstraße ist noch immer beschlossen" und sie bleibe auch Bestandteil des Gesamtverkehrsplans für den motorisierten Individualverkehr.

Große Erwartungen ruhen jetzt auf der von den Stadtwerken angekündigten Verkehrssimulation. Darin soll gezeigt werden, dass die einzelnen Verkehrsbeziehungen an den Kreuzungen auch wirklich funktionieren. Beim Umbau des Königsplatzes hatte solch eine Simulation sehr verlässliche Ergebnisse präsentiert.

Für die Anwohner der künftigen Linie 5 bedeutet das aber auch: Die Entlastungsstraße ist noch längst nicht gebaut. "Wir halten nicht starr an irgendwas fest", erklärte Oberbürgermeister Kurt Gribl in der Stadtratssitzung. Und er betonte noch einmal, dass es ein offener Planungsprozess sei. "Und das bis zum Planfeststellungsbeschluss durch die Regierung von Schwaben", so Gribl. (
Von Markus Höck )
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