Aufruhr im Idyll: Protest gegen Bebauungsplan für den Martini-Park

Im Zuge der Umwandlung des Martini-Parks zu einem Wohngebiet mit 350 Wohneinheiten musste auch das alte Gärtnerhaus, erbaut um 1900, weichen. Vor Kurzem rollten die Bagger an. Foto: Lütke-Wissing


Der neue Bebauungsplan für den Martini-Park werde "mit allen Mitteln durchgepeitscht", klagt Aktivistin Alexandra Blümel, "noch bevor Zeit ist, auf Bedenken, Einwände und Argumente von Verbänden und Bürgern einzugehen". Ziemlich eindeutig fiel in der vergangenen Woche dann auch das Votum des Bauausschusses aus. Gegen eine einzige Gegenstimme, die von Freie-Wähler-Stadtrat Volker Schafitel, stimmte das Gremium dem Bebauungsplan zu. Am Donnerstag behandelt der Stadtrat das Bauvorhaben.

Für sie sehr überraschend sei der Martini-Park auf der Tagesordnung des Bauausschusses gelandet, erklärt Alexandra Blümel. Sie ist Teil des "Freundeskreis Gärtnerhaus im Park", der sich zunächst für den Erhalt des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes eingesetzt hatte. Allerdings vergeblich: Vor zwei Wochen riss Martini das Gärtnerhaus ab. Rechtlich war die Lage klar, weder das Haus noch die angrenzenden Gebäude standen unter Denkmalschutz. Dennoch hätten sich viele Bürger einen Erhalt des Idylls gewünscht.

Blümel und ihre Mitstreiter fühlen sich von den Ereignissen überrumpelt. Viel zu früh sei die Martini-Materie nun zur Entscheidung freigegeben worden, denn Baureferent Gerd Merkle habe noch im Mai mitgeteilt, dass über den Bebauungsplan erst Ende des Jahres im Stadtrat abgestimmt werde, beteuert Blümel. Nun soll bereits in der Sitzung am Donnerstag entschieden werden. "Martini scheint sehr gute Beziehungen in Politik und Verwaltung zu haben", spekuliert Blümel.

Circa 350 Wohneinheiten sollen im Martini-Park entstehen


Seit dem Jahr 1847 befindet sich der Gewerbestandort Martini-Park im Textilviertel im Eigentum des Augsburger Familienunternehmens Martini. Die Stadt treibt auf dem Gelände nun die Entwicklung eines innerstädtischen Wohnquartiers voran. Circa 350 Wohneinheiten sollen entstehen. Um das zu ermöglichen, ist nun also ein neuer Bebauungsplan notwendig. Der Bund Naturschutz lehnt diesen ab, unter anderem weil für das Vorhaben Bäume fallen müssen. Deren 56 sind der Bauverwaltung zufolge insgesamt betroffen. Die meisten Bäume seien dabei bereits vom Grundeigentümer gefällt worden - "außerhalb der Vogelbrutzeit", wie die Vorlage der Bauverwaltung betont. Da die Grünanlage des "Großen Martini-Parks" weitestgehend in die Planung integriert werden soll, können 200 große Bäume erhalten bleiben, 76 neue Gehölze sollen zudem gepflanzt werden, so rechnet die Bauverwaltung vor.

Blümel betont, ihr gehe es nicht gegen Wohnbebauung auf dem Gelände des Martini-Parks, "sondern um einen kleinen Kernbereich des Parks, der laut aktuellen Plänen für immer verloren gehen soll". Sie kritisiert die Stadtplaner für ihre "würfelförmigen Punktehäuser", denn diese würden besonders viel Grünfläche schlucken. Auch die großen Abstände der geplanten Gebäude stellt sie in Frage. Im Antonsviertel, Ulrichsviertel oder Bismarckviertel sei die Lebensqualität trotz dichter Bebauung hoch. Auch im Martini-Park könnte man enger bauen, so ihr Vorschlag, und dadurch mehr Park erhalten.
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