Augsburger Unesco-Bewerbung nimmt Gestalt an: Mit 22 Attributen zum Welterbe

Das historische Walzenwerk am Hochablass ist ebenfalls Teil der Augsburger Welterbebewerbung. Foto: David Libossek


Im September will die Stadt Augsburg im Bayerischen Kultusministerium ihren Antrag abgegeben, mit dem sie sich um den Titel Unesco-Weltkulturerbe für ihre historische Wasserwirtschaft bewirbt. Dieses Ansinnen wird das Welterbekomitee in Paris schließlich im Februar 2018 erreichen. Noch im selben Jahr fällt auch die Entscheidung. Die Augsburger Bewerbung nimmt derweil weiter Gestalt an.

Es klingt ein bisschen nach Fußball: Mit 22 Attributen läuft die Stadt Augsburg einem Titel hinterher. Diese Auszeichnung ist jedoch keine Trophäe, die langsam in einer Vitrine Staub ansetzt. Diese Anerkennung, geht es nach der Stadtregierung, soll Augsburg auf Dauer zu neuem Glanz verhelfen: Die historische Wasserwirtschaft der Fuggerstadt soll Unesco-Weltkulturerbe werden.

Dafür muss allerdings eine aufwendige und richtlinienkonforme Bewerbung erstellt werden. Die ist nun erneut Thema im Kulturausschuss, der in der kommenden Woche tagt. Ebenso jene 22 tragenden Objekte, die sogenannten Attribute. Brunnen, Wasserwerke, Wehre - all jene Elemente eben, die das System der Augsburger Wasserversorgung ausmachen. Das Gremium soll die Auswahl zustimmend zur Kenntnis nehmen. Ebenso sollen das Büro für Industriearchäologie Darmstadt sowie das Dortmunder Büro Scheuvens und Wachten - beide betreuen die Bewerbung und den nötigen Managementplan bereits - beauftragt werden, die 22 Bestandteile in den Antrag einzuarbeiten.

Und das muss freilich nach einem genauen Muster der Unesco geschehen, das gespickt ist mit Anglizismen. Die Richtlinien sind hier die "Operational Guidelines". Denen zufolge muss das Kanalsystem als "nominated property", also als zum Welterbe vorgeschlagene Sache, einen "outstanding universal value" aufweisen - einen außergewöhnlichen universellen Wert.

Um diese zu bestimmen, gelten wiederum zehn Kriterien. Eines davon sollte erfüllt sein. Zudem müssen Authentizität und Integrität gegeben sein. Das bedeutet, dass Echtheit und Unversehrtheit nachgewiesen werden müssen. Das gilt auch für Sichtachsen auf und Pufferzonen um das beworbene Objekt. All das soll nun penibel genau erläutert und mithilfe von Unterlagen und Karten dargestellt werden. Kurzum: Es kommt ein bürokratischer und organisatorischer Mammut-Akt auf die Planer zu.

Gleichzeitig fordert die Unesco einen Managementplan, der darlegt, wie die möglichen Kulturerbe-Elemente erhalten werden. Ebendies gehe einher mit einer handvoll Einschränkungen, befürchten Kritiker. Einerseits erlege sich die Stadt den Zwang auf, Elemente zu erhalten, andererseits dürfe sie Sichtachsen und Pufferzonen gegebenenfalls nicht mehr bebauen. Lech und Wertach flogen daher aus der Bewerbung. Projekte etwa, mit denen die Flüsse renaturiert werden sollen, könnten dann nicht mehr fortgeführt werden.

Auch ohne sie soll die Liste der designierten Bewerbungsobjekte das zusammenhängende System welterbewürdig erfassbar machen. "Aus diesen Gründen", so heißt es im Beispielantrag, der den Sitzungsunterlagen beiliegt, "beinhaltet die Konzeption vermeintlich unwichtige Elemente". Sie stellen eben auch "unverzichtbare Bausteine" des Augsburger Wasserkreislaufs dar.

Kanalsystem, offene Stadtbäche, historisches Trinkwasserwerk, Wasserturm und Prachtbrunnen - und das alles an einem Ort, schwärmten die Planer Rolf Höhmann und Michael Kloos bereits im Dezember vor Bau- und Kulturausschuss.

Augsburg wirkt gut aufgestellt und selbstbewusst. Wie im Fußball auch, ist das aber noch lange keine Titelgarantie. Das nächste Spiel ist immer das schwerste, heißt es schließlich - in diesem Fall bedeutet das, am kommenden Dienstag den Kulturausschuss von den 22 Attributen zu überzeugen.

In der Bildergalerie findet ihr die 22 Objekte: Lechkanäle, Wasserwerk am Roten Tor, Unteres Wasserwerk, Augustus-, Merkur- und Herkulesbrunnen, Stadtmetzg (wegen ihres unterirdischen Kühlwasserkanals einst modernste Metzgerei Europas), Wasserwerk am Vogeltor, Galgenablass, Trinkwasserwerk am Neubach, Hochablass und Eiskanal sowie die Kraftwerke am Stadtbach, Riedinger-/Senkelbach, Fabrikkanal, Proviantbach und Wertachkanal sowie an der Wolfzanau, der Singold und jene in Gersthofen, Langweid und Meitingen.
(David Libossek)
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