Ausschuss stoppt Verbot: Wildtier-Zirkusse dürfen weiter nach Augsburg kommen

Elefant, Löwe & Co. verboten: Die Augsburger Grünen hatten einen Antrag gestellt, um Zirkusbetrieben mit Wildtieren künftig keine städtischen Grundstücke mehr zu vermieten. Auch der Tierschutzverein hatte sich dafür ausgesprochen. Foto: David Libossek
Um Elefanten aufzunehmen, dafür ist das Augsburger Tierheim freilich nicht ausgerüstet. Würde die Stadt tierschutzrechtlich zweifelhaft arbeitenden Zirkusbetrieben also die Tiere wegnehmen wollen; wohin damit? Wenn er zu Tierheim-Leiter Heinz Paula sage, "nimm die drei Elefanten, dann wird er mich wahrscheinlich fragen, ob er sie denn auf die Localbahngleise stellen soll", sagt Dirk Wurm und grinst. Bis auf diesen Scherz des Ordnungsreferenten wird die Debatte um Wildtierhaltung in Augsburg im Allgemeinen Ausschusses in der vergangenen Woche aber ernst geführt.

Denn schon im Vorfeld der Sitzung hatte der Antrag der Grünen, Zirkus-Betrieben mit Wildtieren keine städtischen Festplätze und "sonstige städtische Flächen" mehr zu überlassen, für Aufsehen gesorgt. Das bundesweite Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Zirkus" schrieb alle Stadträte an, mit der Bitte, den Antrag abzulehnen. Die Augsburger "Aktionsgemeinschaft Tierrechte" übergab vor der Sitzung rund 2100 Unterschriften für ein Verbot an Referent Wurm.

"Ein Signal für die städtischen Plätze"

Im Ausschuss erklärt Felicitas Allmann vom städtischen Veterinäramt, warum es so schwer ist, bei Verstößen gegen Tierrechte einzugreifen. "Bis wir überhaupt handeln können, sind die Zirkusse auch schon weitergezogen", erläutert sie. Ein fahrender Betrieb könne selbstverständlich auch nicht die gleichen Standards erfüllen wie ein Zoo. Und selbst wenn man Mängel rechtzeitig feststelle: Für Elefanten oder Tiger gebe es eben nicht so einfach Ersatzquartiere. Der Antrag der Grünen zielte daher darauf, Wildtiere gar nicht erst auf städtische Plätze zu lassen. Klar könnten die Betriebe dann nach Neusäß oder auf private Grundstücke ausweichen, erwidert Grünen-Stadträtin Verena von Mutius auf Kritik aus Reihen der CSU, aber es gehe um "ein Signal für die städtischen Plätze".

CSU-Stadtrat Peter Uhl zweifelt an der Zuständigkeit auf kommunaler Ebene. Die Gesetzeslage sei nunmal so, dass Wildtiere in Zirkussen gehalten werden dürfen. Wer dieses Verbot möchte, "der wird im nächsten Schritt den Tiergarten zusperren", ergänzt CSM-Stadtrat Rolf Rieblinger.

SPD und Grüne halten entgegen, dass Wildtiere in Zirkussen eben nicht artgerecht gehalten werden könnten - und müssen sich am Ende knapp geschlagen geben. Mit sieben zu sechs Stimmen spricht sich der Ausschuss gegen die Vorlage der Stadtverwaltung aus. In Augsburg werden auf städtischen Plätzen also auch weiterhin Zirkusse mit Wildtieren gastieren dürfen.

SPD-Mann Wurm wird nun dem Stadtrat zumindest eine Resolution vorlegen, in der der Bund aufgefordert werden soll, das Tierschutzgesetz bezüglich Zirkustieren zu ändern.
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