Bäume besser vor Bauarbeiten schützen: Stadt Augsburg gibt Leitfaden heraus

Zwei Kastanien an der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße wurden während Bauarbeiten so stark beschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Foto: privat

100 Jahre lang standen die beiden Kastanien an der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße in Göggingen. Im Mai 2016 dann mussten die Bäume gefällt werden. Sie waren durch Bauarbeiten stark beschädigt worden. Verärgerte Anwohner reagierten mit Protest, die Stadt versucht noch immer, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. In Augsburg war das in den vergangenen Monaten kein Einzelfall: Auch am Hauptbahnhof mussten mehrere angegriffene Bäume entfernt werden. Um solche Vorfälle künftig zu verhindern, hat die Stadt nun einen Leitfaden zum Baumschutz erstellt.

Eigentlich gebe es in Augsburg Vorschriften, was den Umgang mit Bäumen während Bauarbeiten angehe, sagte Umweltreferent Reiner Erben, als er kürzlich gemeinsam mit Grünamtsleiterin Anette Vedder die Broschüre zum Schutz der Bäume vorstellte. Diese würden nur oftmals nicht eingehalten oder seien den Bauherren nicht bekannt. Abhilfe schaffen soll nun der neue Leitfaden. Dieser legt beispielsweise fest, dass künftig Käufer darauf hingewiesen werden, wenn auf ihrem Grundstück geschützte Bäume stehen. Auch neue Bauvorhaben sollen mit Rücksicht auf den Baumbestand geplant werden. Außerdem soll bei der weiteren Stadtplanung genug Platz für die Bäume gelassen werden, damit diese wachsen können. Für Bauherren, die sich nicht an die Vorschriften halten, soll es zudem härtere Sanktionen geben. So sollen etwa Sicherheitsleistungen für Bäume anfallen, die deutlich über dem Wert der Pflanzen liegen.

Wer trägt die Verantwortung?

Die alten Kastanien in Göggingen sind nicht die einzigen Bäume, die in Augsburg in den vergangenen Monaten nach schwerer Beschädigung gefällt werden mussten. Das gleiche passierte auch mit mehreren geschützten Bäumen auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs. Die Stadt versucht in beiden Fällen, sich die Verantwortlichen vorzuknöpfen, doch die entsprechenden Verfahren sind nach wie vor nicht abgeschlossen.

Der Stadtrat hat die jüngsten Verstöße aber zum Anlass genommen, über eine Verschärfung der Baumschutzordnung zu diskutieren. Im Gespräch ist etwa eine schwarze Liste für Baufirmen, die in Punkto Baumschutz bereits negativ aufgefallen sind. Möglich wäre auch, dass künftig an Straßen und auf öffentlichen Grünflächen eine Genehmigung für Baumfällungen vorausgesetzt wird.

Denn für die Stadt gelten in Bezug auf Baumfällungen derzeit andere Regeln als für Privatleute. Während Bürger in ihrem Garten keine geschützten Bäume entfernen dürfen, müssen städtische Dienststellen lediglich intern melden, wenn ein Baum gefällt werden soll.

Für die beiden 100-jährigen Kastanien an der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße ist es leider schon zu spät. Voraussichtlich im Herbst soll aber über den verschärften Baumschutz entschieden werden.
(Von Kristin Deibl)
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