Bezahlbare Mobilität: Was wird aus dem Augsburger Sozialticket?

Das Sozialticket kommt an: Immerhin 15 Prozent der Berechtigten nehmen die vergünstigte Fahrkarte in Anspruch. Foto: Archiv

Das Sozialticket in der Fuggerstadt erfreut sich steigender Beliebtheit. Zuletzt nutzten 15 Prozent der Bezugsberechtigten die verbilligte Fahrkarte für Busse und Straßenbahnen im Stadtgebiet. Allerdings ist das Ende des Sozialtickets absehbar.

31,50 Euro Eigenanteil kostet das Ticket, Senioren zahlen gar nur 27 Euro. Bezugsberechtigt sind Empfänger von Hartz IV oder Sozialhilfe sowie Asylbewerber, in Augsburg sind das insgesamt rund 18 800 Personen, wie aus einem Bericht des Amts für Soziale Leistungen, Senioren und Menschen mit Behinderung (ASL) hervorgeht. Die Mitarbeiter des Amts hatten dafür den Zeitraum zwischen Juli 2015, als das Sozialticket in seiner jetzigen Form eingeführt wurde, und Juni 2016 betrachtet. Wie sich zeigt, hat sich die Quote der Inanspruchnahme deutlich verbessert. Waren es anfangs nur sechs Prozent, nutzen inzwischen 15 Prozent der Berechtigten das Angebot der Stadt. Insbesondere die Gruppe der Asylbewerber hat das Sozialticket für sich entdeckt. Mittlerweile ist fast jeder zweite dieser Gruppe dank Sozialticket mobil.

Erfreulich aus Sicht der Finanzreferentin Eva Weber haben sich auch die Kosten entwickelt. Freilich sind diese mit der erhöhten Inanspruchnahme gestiegen, doch war es möglich die benötigten Stellen von anfangs 4,5 Sachbearbeiterstellen auf 2,25 besetzte Planstellen zu reduzieren. Die Gesamtkosten, die neben den Personalausgaben vor allem aus dem städtischen Anteil an den Ticketpreisen bestehen, belaufen sich im Betrachtungszeitraum auf 820 000 Euro. Gerechnet hatte man mit knapp 1,5 Millionen Euro, allerdings war man bei der Stadt ursprünglich davon ausgegangen, dass 20 Prozent der Berechtigten das Sozialticket auch tatsächlich benutzen. Für 2017 sind laut Bericht lediglich 500 000 Euro im Haushalt eingeplant, das Amt für Soziale Leistungen geht aber davon aus, dass "mit Ticket- und Sachkosten von circa einer Million Euro zu rechnen" sei. Doch das Sozialticket könnte ohnehin bald ausgedient haben. Die Stadt hatte die Einführung nämlich mit der Bedingung verknüpft, dass sobald der AVV einen eigenen Sozialtarif einrichtet, das städtische Angebot endet. Ein Termin dafür steht noch nicht fest, doch ist in der AVV-Tarifreform, die im April in Kraft treten soll, ein vergünstigtes Ticket für den Innenstadtbereich vorgesehen. Kostenpunkt: rund 30 Euro und somit auf Augenhöhe mit dem Sozialticket. Doch gegen den Ersatz durch das neue Angebot des AVV spricht sich die Linke aus.

Das neue "Jedermannticket", sei nur im Abo erhältlich und könne nicht monatlich gekauft werden, so die Kritik von Stadtrat Alexander Süßmair. "Außerdem soll die preiswerte Variante nur ab 9 Uhr gelten. Dies ist diskriminierend und widerspricht auch den Forderungen der Augsburger Armutskonferenz", kritisiert Süßmair weiter. Er fordert daher die Beibehaltung des derzeitigen Modells des Sozialtickets und sogar eine Senkung des Bezugspreises, denn "im ALG II-Satz sind für Verkehr aktuell nur 25,77 Euro pro Monat vorgesehen", gibt Süßmair zu bedenken.
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