Bohrer statt Pendler: Im denkmalgeschützten Gebäude am Hauptbahnhof haben die Arbeiten begonnen

Die Tunnelgrube reicht mittlerweile fast bis an das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude heran.

Das Großprojekt Hauptbahnhof geht nun in die heikelste Phase: Der Tunnel für die Straßenbahn muss unter dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude durchgeführt werden. Die Probebohrungen in der Eingangshalle, die bereits seit März für die Fahrgäste gesperrt ist, haben nun begonnen.

Zunächst sollen die Fenster und Türen aus den Arkaden genommen und die entstandenen Zwischenräume anschließend vermauert werden, um die Fassade zu stabilisieren, erklärt die Stadt Augsburg. Auch die Wandverkleidungen sowie die Decken im Inneren der Eingangshalle sind bereits abmontiert und werden bis zu ihrem Wiedereinbau sicher eingelagert. Zudem wird die komplette Ostfassade mit Stahlträgern und Pressen gestützt, um ein Absinken während der Bauarbeiten zu verhindern.

Da das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude nicht beschädigt werden dürfe, komme bei der Untertunnelung ein besonderes Verfahren zum Einsatz: Nach den aktuell laufenden Probebohrungen soll Zement ins Erdreich unter dem Bahnhofsgebäude eingespritzt werden, um dort die Tunnelwände aufzubauen, zwischen denen die Straßenbahnen in Zukunft den Bahnhof unterqueren werden. Anschließend werde die Tunneldecke aufgesetzt und das Erdreich zwischen den Wänden über den bereits bestehenden Tunnel Richtung Halderstraße abtransportiert. Bis 2020/21 sollen die Arbeiten am und unter dem Gebäude dauern.

Unterdessen steht auch der Tunnelrohbau auf der Ostseite kurz vor dem Abschluss: Nachdem die Arbeiten für die Schalung jetzt abgeschlossen sind, wird nun die Decke des letzten Tunnelstückes bis zum Bahnhofsgebäude betoniert. Anschließend soll die Baugrube um das Tunnelbauwerk bis Mitte September wieder verfüllt werden

Der Straßenbahntunnel samt unterirdischer Haltestelle soll 2023 in Betrieb genommen werden. Fahrgäste sollen dann in Zukunft barrierefrei über Aufzüge und Rolltreppen einen direkten, schnellen Zugang zu den Bahnsteigen haben.

Für die vielen Pendler ist die Großbaustelle Hauptbahnhof nichts Neues mehr. Nach der Sperrung der Eingangshalle und der Auslagerung der Geschäfte in Container im Mai soll ab Sonntag, 13. August, auch die Mittelunterführung unter den Gleisen nicht mehr zugänglich sein. Sie soll bis zum Jahr 2023 durch eine breitere Unterführung ersetzt werden. Die Sperrung ist aber auch für die Entstehung des sechsten Bahnsteiges F notwendig, der in den kommenden Jahren während der Arbeiten als Ausweichgleis dienen und später für den Nahverkehr genutzt werden soll. Statt der Mittelunterführung können Fahrgäste ab 13. August nur noch den südlichen Tunnel und den Posttunnel nutzen.

Die Kosten für den Umbau des Hauptbahnhofs belaufen sich aktuell auf rund 160 Millionen Euro. Das Großprojekt soll 2023 nach insgesamt elf Jahren Bauzeit fertiggestellt sein. (
Von Kristin Deibl)
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