Brutale Abschiebung? - Flüchtlingsrat beklagt rabiate Vorgehensweise, Polizei wehrt sich

Die Augsburger Polizei hat die Abschiebung einer 67-jährigen Kosovarin vollzogen. (Foto: Christian Mueller 123rf)

Eine 67-Jährige soll in der vergangenen Woche mitten in der Nacht und "unter massivem Zwang" von mehr als zehn Polizisten aus ihrer Wohnung geholt und nach Belgrad abgeschoben worden sein. Das zumindest prangert der Augsburger Flüchtlingsrat an. Die Polizei reagiert auf Nachfrage empört und weist die Anschuldigung eines "brutalen" Vorgehens vehement zurück.

Die vier Enkel, der Sohn und die Schwiegertochter der Seniorin hätten die "brutale Abschiebung" miterlebt und seien "in Panik zurück geblieben", schildert der Flüchtlingsrat.

Die 67-Jährige, die der Flüchtlingsrat um die Persönlichkeitsrechte der Familie zu wahren als Frau E. bezeichnet, habe seit sechs Jahren zusammen mit ihren Angehörigen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Augsburg gelebt. Die Roma-Familie stammt aus dem Kosovo, von dort seien sie vertrieben worden. Frau E.s Ehemann sei in dem Balkanland an den Folgen eines rassistischen Überfalls verstorben.

Die Seniorin, deren Lebensinhalt die Familie sei, leide unter schweren körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen. Neben einem schweren Asthma sei es vor allem eine posttraumatische Störung, die sie schwer belaste.

Die 67-Jährige befindet sich nun in Belgrad. Weder dort noch im Kosovo habe sie Verwandte, die sich um sie sorgen könnten. "Die Zentrale Ausländerbehörde reißt Frau E. aus ihrer Familie und allen sozialen Beziehungen, schickt sie in den sozialen Tod und nimmt schwerste gesundheitliche Folgen rücksichtslos in Kauf", klagt der Flüchtlingsrat an. "Jeder Versuch einer menschlichen Lösung wurde seitens der Zentralen Ausländerbehörde ebenfalls verweigert." Die Familie dürfe in Augsburg weiterhin auf ein Bleiberecht hoffen, während sie als Großmutter von vier in Augsburg lebenden Enkeln abgeschoben werde. Das Leben von Frau E. sei schützenswert, fasst der Flüchtlingsrat zusammen, "als hilfebedürftige Seniorin, als verfolgte Romni, als Großmutter und als Mensch. Gleiches gilt für die verbliebene Familie. Der Augsburger Flüchtlingsrat verurteilt deshalb diesen Akt bürokratischer Härte auf das Schärfste."

Siegfried Hartmann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, bezeichnet die Beschreibung des Flüchtlingsrates über den Ablauf der Abschiebung als "absoluten Schwachsinn". Es seien "mitnichten zehn Polizisten in die Wohnung eingedrungen", weist er die Anschuldigungen zurück. Die 67-Jährige sei wie üblich von zwei Beamten abgeholt worden. Dabei habe sie sich kooperativ und freundlich verhalten, habe bereits gepackt gehabt und ruhig auf die Ankunft der Polizisten gewartet, die sie nach Frankfurt gebracht und an die Bundespolizei übergeben hätten. "Die Kollegen haben darauf geachtet, dass sie ihre Medikamente nimmt und haben ihr unterwegs noch einen Kaffee ausgegeben", berichtet Hartmann.
(Von Kristin Deibl)
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Thorsten Frank aus Augsburg - City | 24.05.2017 | 11:50  
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