Bürgerbeteiligung zur Theatersanierung: Mehr Epos als Prolog

Godzilla und die Feststellung: „Das Große Haus war zu Beginn zu groß. Die Werkstätten zu klein.“ Die bunten Skizzen illustrieren die Gedanken der Teilnehmer der zweiten Bürgerbeteiligungs-Phase (Foto: Janina Funk)
 
Moderator Patrick Föhl stellt Antworten auf die Frage vor, wie das künftige Stadttheater in sein urbanes Umfeld integriert werden kann (Foto: Janina Funk)

Auch Godzilla hat sich im großen Foyer des Augsburger Theaters eingefunden – auf einer Zeichnung, die an einer von fünf Stellwänden angebracht ist. Unzählige bunte Illustrationen prangen an den Tafeln, welche die Organisatoren der Workshops aufgestellt haben. In den Skizzen sind die Gedanken der Teilnehmer der zweiten Bürgerbeteiligungs-Phase festgehalten.

„Das Große Haus war zu Beginn zu groß. Die Werkstätten zu klein“ steht neben dem Film-Ungeheuer. Bauliche Aspekte des Monstervorhabens Theatersanierung, für das rund 186 Millionen Euro veranschlagt sind, dominieren auch die Diskussionsbeiträge an diesem Samstagnachmittag. Den ganzen Tag über haben die Teilnehmer sich mit der Frage beschäftigt, wie das Theater sich in Zukunft besser in sein Umfeld fügen kann; denn bei den ungeheuerlichen Kosten soll in der Sanierung und Neukonzeptionierung auch alles richtig gemacht werden.

Im „Schlussakt“, den Moderatorin Tina Gadow einläutet, werden nun die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgetragen. Es gehe um die „Öffnung und die Offenheit des Theaters“, fasst das Moderatoren-Team zusammen, das neben Gadow aus Patrick Föhl, Bastian Lange und Lisa Frach besteht. Die vier Kulturberater versuchen nicht weniger zu finden als die Lösung auf die Frage, wie das Großprojekt ein Erfolg auf allen Ebenen werden kann. Ihr Ansatz: Ein „Kulturquatier“ schaffen. Dafür müsse das Stadttheater in sein urbanes Umfeld integriert werden. Schwerpunkte bilden an diesem Tag der Probensaal des Orchesters, der in einem freistehenden Neubau geplant ist, Multifunktionsräume, die Anbindung an die Gastro-Szene im Norden und die Verkehrssituation vor dem Großen Haus.

Man dürfe „nicht im Spartendenken bleiben“, sagt Gadow. So gebe es etwa Ideen, das Foyer neu zu strukturieren; mit Theaterbibliothek, Gastronomie und natürlich W-Lan. „Dass die Leute, die vorbeigehen, auch einfach mal reinstolpern.“ Zudem müsse, da seien sich die Teilnehmer einig, der Hoffmannkeller bleiben, weil er der „coolste Ort“ sei, den das Theater zu bieten habe, rezitiert Gadow aus den Gesprächen vom Vormittag.

"Man kann niemanden zwingen, ins Theater zu gehen"

Das Theater soll sich für alle gesellschaftlichen Gruppen öffnen. Dafür haben sich die Moderatoren am Vortag mit Vertretern der Stadtteile und interkultureller Organisationen sowie mit Schülern getroffen. Auch diese Gespräche fließen in den Beteiligungsprozess mit ein.

In einer Wortmeldung bremst eine Teilnehmerin die Euphorie des Plenums jedoch ein wenig: „Wir können nicht alle mitnehmen, man kann niemanden zwingen, ins Theater zu gehen“, argumentiert die Frau. „Ich brauche auch kein Fußballstadion – und bin trotzdem froh, dass es da ist.“

„Die Musiker nicht für viel Geld vergraben“


Das Orchester arbeitet derzeit unter miserablen Bedingungen. Die Musiker müssen sich in den viel zu kleinen Probenraum regelrecht hineinzwängen. Die Sanierungspläne sehen aktuell vor, den neuen Übungssaal in einen – wie Moderatoren und Teilnehmer sich ausdrücken – „Solitär“ zu verlegen, ein neues, freistehendes Gebäude. Der Orchesterraum könnte aber auch im Keller des Theaters landen. Man sollte die Musiker „nicht für viel Geld vergraben“, sagt ein Teilnehmer. Denn ein separater Bau komme wohl nicht viel teurer als die Kellerlösung, so heißt es in mehreren Redebeiträgen.

Orchestermusiker Philipp Miller merkt an, dass es einen Unterschied mache, ob man seine Ausrüstung vom Probenraum zum Auftritt 20 Meter trage oder 200 Meter über das ganze Gelände.

Eine große Fensterfront und das Proben im öffentlichen Raum sei von den Musikern durchaus gewünscht, sagt Kulturberater Lange. Welche letztendlich die bevorzugte Variante der Bürger sei, habe jedoch nicht abschließend geklärt werden können.

Vom Orchestersaal kommt ein Teilnehmer schnell zum großen Ganzen: „Ob wir uns das alles leisten können, darf nicht die Frage sein. Wir müssen es nur wollen“, sagt der Mann im schwarzen Jackett und zum ersten Mal an diesem Nachmittag wird geklatscht, wenn auch nur vereinzelt. Weiter in die Zukunft blickt ein anderer Teilnehmer: Statt Fenstern sei „ein Interface viel reizvoller.“ Auf dieses solle dann projiziert werden, was im Theater passiert, sagt der Mann mit Hornbrille und schwarzem Pullover. Auch die weniger exotischen Vorschläge verdeutlichen, wie schwierig es sein wird, die vielen Wünsche in Einklang zu bringen. Dennoch: Moderatorin Lisa Frach spricht von einer „schönen Atmosphäre, in der diskutiert wurde“. Es herrsche eine konstruktive „Austauschkultur“ zwischen den Teilnehmern.

Gegen Ende der Veranstaltung wird dann noch Kulturreferent Thomas Weitzel in die Mitte des Diskussionskreises gebeten. Eine Teilnehmerin drängt vehement auf eine Antwort zu der Frage, ob sich die Umlandgemeinden irgendwie an der Finanzierung beteiligen. Man befinde sich weiter in Gesprächen, aber es sei „relativ aussichtslos“, sagt Weitzel, unter dem strengen Blick des Comic-Godzillas.

Aber immerhin hat ja der Freistaat zugesagt, 107 Millionen Euro der Monsterkosten zu übernehmen.

Janina Funk
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