Bund Naturschutz kritisiert Öffentlichkeitsbeteiligung zum Martini-Park als "Alibi-Veranstaltung"

"Mit etwas gutem Willen", sagen die Naturschützer, hätte man problemlos auch unter Einbeziehung des Gärtnerhauses planen können. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude wurde stattdessen bereits vor einem Monat abgerissen. (Foto: Lütke-Wissing)
Im Streit um den Bebauungsplan für den Martini-Park kritisiert der Bund Naturschutz nun die Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt als eine "Alibi-Veranstaltung". Dass Baureferent Gerd Merkle in der Juli-Sitzung des Stadtrats erklärt hatte, dass der Bund Naturschutz sich eben früher hätte melden müssen, ärgert die Naturschützer.

"Der BN hat die Einwendungen im offiziellen Beteiligungsverfahren fristgerecht eingereicht", sagt Ann Shaw, die Vorsitzende der Ortsgruppe. "Wenn das nicht rechtzeitig ist, dann ist die Öffentlichkeitsbeteiligung des Stadtplanungsamtes sinnlos."

Schon im September 2014 habe der Bund Naturschutz darauf hingewiesen, "dass die Bebauung weiter vom Baumbestand wegrücken solle", betonen die Naturschützer. Das habe die Stadtplanung nicht davon abgehalten, eine Tiefgarage im Wurzelbereich von zwei großen Bäumen als unproblematisch einzustufen.

Gegen den generellen Bau von Wohnungen auf dem Martini-Gelände ist der Bund Naturschutz freilich nicht. Entscheidend sei die Art der Bebauung. Und: "Eine ehrliche Diskussion um den Wert eines historischen Ensembles mit wertvoller, innerstädtischer Grünfläche sähe anders aus."

Die 350 Wohnungen könnten auf dem Gelände auch ohne umfassenden Eingriff in die Natur errichtet werden. Etwa - so ein Alternativvorschlag der Naturschützer - durch "Umverteilung der Punktbebauung auf höhergeschossige Wohnriegel", um den Anforderungen innerstädtischen Bauens gerecht zu werden und insgesamt wesentlich mehr Grün zu erhalten. So hätte man, "mit etwas gutem Willen", problemlos auch unter Einbeziehung des Gärtnerhauses planen können. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude wurde stattdessen bereits vor einem Monat abgerissen.
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