CSU Augsburg will Friedensbande im Curt-Frenzel-Stadion: Nette Idee, krude Begründung

Über der Mahnwache während der Frauke-Petry-Rede im Augsburger Rathaus hing ein großes Friedensstadt-Banner. Ein wichtiges Zeichen, wie Augsburg mit seiner Rolle als Friedensstadt umgehen soll. (Foto: Markus Höck)

„Willkommen in der Friedensstadt“ will die Augsburger CSU künftig alle Gäste des Curt-Frenzel-Stadions heißen. Einem Antrag der Fraktion zufolge solle die Stadt eine freie Werbefläche der Eishalle für diese Botschaft anmieten. Das klingt ja erstmal nach einer netten Idee. Der Begründung wegen wird aus dem Einfall mit dem freundlichen Schriftzug jedoch mindestens ein Kuriosum. Eine Glosse.

Ein Zeichen gegen Gewalt soll das Banner sein. Schöne Geste, würde dann nicht der Allgemeinplatz, „weil es leider auch im Eishockey immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt“, folgen. Immer wieder? Freilich, in Kaufbeuren ist es jüngst zu einer wüsten, wohl organisierten Schlägerei zwischen Anhängern des Heimteams und solchen des AEV gekommen. Aber sonst – muss tatsächlich gerade im Frenzel-Stadion darauf hingewiesen werden?

Im Curt-Frenzel-Stadion ist die Zahl der Gewalttaten "gleichbleibend niedrig"


„Das Zitat kann nur auf Eishockey im Allgemeinen bezogen sein“, sagt Siegfried Hartmann, Sprecher der Augsburger Polizei. „Auf Augsburg kann es nicht gerichtet sein, hier ist die Zahl an Straftaten gleichbleibend niedrig.“

Möglicherweise meint die Partei ja Gewalt auf dem Eis. Da geht es schließlich durchaus mal zur Sache.

Es wäre dennoch interessant, wie eine solche Friedensbande in der Eishockey-Praxis auch Frieden stiftet. Bahnt sich eine Keilerei an, könnte der Schiedsrichter ja in Richtung des Schriftzugs deuten – und die Streithähne reichen sich die Hände, statt sich auf die Glocke zu hauen. Vielleicht kann es gleichzeitig aus dem Videowürfel Blumen regnen und Nicoles „Ein bisschen Frieden“ durch die Halle schallen.

Ein solches Banner fände sicher auch anderswo in der Friedensstadt Verwendung. Na gut, bei all der Einigkeit die derzeit zumeist im Stadtrat herrscht, kann man es sich im Oberen Fletz des Rathauses zwar sparen.

Hinweise im Nachtleben, Freidens-Bickerl fürs Auto


Aber wie wäre es denn mit den Bars, Boizn und Discotheken der Innenstadt. Ist doch die Anzahl schwerer Gewalttaten im Nachtleben zuletzt stark angestiegen. Ein Hinweis, dass sich die Raufbolde in der Friedensstadt befinden, würde sicher die ein oder andere alkoholgeschwängerte Auseinandersetzung umgehend deeskalieren. Trunkenbolde, die dem fäusteballenden Rivalen „F-f-friedensstadt“ entgegen lallen und statt Backenfutter eine Umarmung kassieren.

Man stelle sich vor: Keine Zankerei mehr auf Schulhöfen, prangt doch am Pausenverkauf ein Friedensstadt-Plakat. Wer dennoch über die Strenge schlägt, muss 1000 Mal das Wort „Friedensstadt“ an die Tafel schreiben. Auch der Ärger im Straßenverkehr hätte ein Ende, muss jedes Auto, das ins Augsburger Stadtgebiet fährt, doch eine Art Vignette, ein Friedensstadt-Bickerl, an die Windschutzscheibe kleben.

Frauke-Petry-Besuch zeigte, was Friedensstadt heißt


Aber mal im Ernst: Wie wichtig der richtige Umgang mit dem Titel Friedensstadt sein kann, ist spätestens seit dem Frauke-Petry-Besuch klar, als ein riesiges Banner am Verwaltungsgebäude und über der gut besuchten Mahnwache prangte. Und Augsburg kann und sollte diesen Titel tatsächlich kräftiger hervorheben. Gerne auch auf Banden in den Stadien – aber bitte ohne verallgemeinernde Thesen im Kleingedruckten.
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