Curt-Frenzel-Stadion: Chronik eines Pannen-Umbaus

...fragten die Panther-Fans zunächst im umgebauten Curt-Frenzel-Stadion. Foto: Archiv

Vom unsichtbaren Puck bis zum Fassaden-Fatal: Eine knappe Zusammenfassung der Ereignisse rund um den Umbau des Augsburger Curt-Frenzel-Stadions.

Am Anfang war der Erfolg: Die Panther hatten sich dauerhaft in der obersten Spielklasse des deutschen Eishockeys festgebissen, doch der Heimatkäfig der Raubkatzen, das Curt-Frenzel-Stadion, passte nicht mehr zu den Ansprüchen, die die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) an Sportarenen stellte. Hauptkritikpunkt war die nach drei Seiten offene Hallenkonstruktion, bekannt als „Augsburger Eishölle“.
Um den Verbleib der Panther in der DEL zu ermöglichen, beschloss der Stadtrat 2009, das Stadion entsprechend den Anforderungen umzubauen. Kostenpunkt für die gesamte Baumaßnahme: 24,8 Millionen Euro. Bereits 2012 sollte das Stadion fertig sein. Was dem Beschluss folgte, war eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen. So erhielt mit dem Architekturbüro Hermann + Öttl (H+Ö) ein in Sachen Stadionbau völlig unerfahrenes Team den Planungsauftrag. Kuriose Randnotiz: H+Ö qualifizierten sich über einen Architekten-Wettbewerb für die Fassade. Doch ihr Siegerentwurf, die „leuchtende Eisscholle“ war von Anfang an nicht umsetzbar. Es wären zu viele Lampen nötig gewesen, um das CFS wirklich zum Leuchten zu bringen, und dadurch wären die Grenzwerte für die zulässige Lichtemission überschritten worden.
Die Leitung des Projekts einschließlich der Auftragsvergaben übernahm die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung AGS. Obwohl mehrfach in der Praxis bewährt, ein unzulässiger Schritt, wie der bayerische Kommunale Prüfungsverband (bKPV) in seinem ersten Prüfbericht urteilte. Der Stadtrat dürfe Entscheidungen aus seinem Kompetenzbereich nicht einfach weiter delegieren.
Auf dieser Grundlage erfolgte schließlich der Fehler, der das CFS bundesweit in die Schlagzeilen brachte, als Eisstadion, in dem die Besucher den Puck nicht sehen.
Um mehr Besucherplätze zu schaffen, hatten H+Ö in ihren Plänen die Tribünensteigung abgeflacht und die daraus resultierende schlechtere Sicht auf die Eisfläche nicht bedacht. Beim ersten Spiel mit neuen Tribünen im Oktober 2010 war die Aufregung der Fans groß.
Die fehlerhaften Tribünen mussten zum Teil entfernt beziehungsweise nachgebessert werden, vom Architekturbüro H+Ö trennte sich die Stadt und forderte Schadenersatz. Mittlerweile wurden die Planer in zwei gerichtlichen Instanzen dazu verpflichtet, derzeit steht die Entscheidung über eine Revision am Bundesgerichtshof noch aus.
Obwohl die Panther inzwischen in ihrem „eingehausten“ Stadion ihre Fans verzücken – bei der Wiedereröffnung 2013 sprach OB Kurt Gribl von einem Schmuckkästchen – reißt die Pannenserie nicht ab. Zuletzt sorgte die Bande an der Eisbahn II für Verdruss. Diese war beschädigt und sollte im Sommer 2015 repariert werden. Allerdings gingen die beauftragten Baufirmen pleite und mit ihnen verabschiedete sich auch ein Vorschuss von 200.000 Euro. (mh)
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