Das Friedensfest als Kulturerbe: Augsburg bemüht sich um die Aufnahme des stadteigenen Feiertags

Gemeinsames Essen : Wichtiger Bestandteil der Friedensfeste ist mittlerweile die Friedenstafel auf dem Rathausplatz geworden. Bürger und Gäste teilen mitgebrachte Speisen. Foto: David Libossek

Augsburg (mh) Das Genossenschaftswesen, die Falknerei und vielleicht bald die Orchester- und Theaterlandschaft - die Liste der deutschen Beiträge zum immateriellen Kulturerbe ist nicht sehr lang. Das nährt die Hoffnungen der Fuggerstadt, bald selbst dort vertreten zu sein und zwar mit dem Hohen Friedensfest.

Der stadteigene Feiertag, den Augsburg seit 1650 immer am 8. August begeht, ist zumindest in Deutschland, wenn nicht gar weltweit der einzige Feiertag, der sich ausdrücklich nur dem Gedanken der Toleranz und des Friedens widmet. "Das seit 350 Jahren gefeierte Augsburger Friedensfest fördert Engagement für bestehende Menschenrechtsübereinkünfte und unterstreicht nachdrücklich den Anspruch gegenseitiger Achtung von Gemeinschaften", stellt Professor Bernd Roeck von der Universität Zürich als Empfehlungsschreiben für Augsburg aus. Entsprechend zuversichtlich geht die Stadt ihre Bewerbung, für die der Kulturausschuss am Dienstag sein Einverständnis gab.

Denn: Viel Zeit bleibt Augsburg nicht, der Bewerbungsschluss ist am 30. Oktober und "man kann sich nur alle zwei Jahre bewerben", erklärte Kulturreferent Thomas Weitzel den Mitgliedern des Kulturausschusses. Die sind mittlerweile erfahrener, was Bewerbungsverfahren mit der Unesco anbelangt. Schließlich steht die Augsburger Wasserkraft kurz davor, in das Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Und so war dann die dringlichste Frage, die Stadtrat Rudolf Holzapfel (Pro Augsburg) stellte: "Was kostet uns das Ganze?"

Doch hier konnte Weitzel beruhigen. Erstmal würden gar keine Kosten anfallen und auch später seien keine nennenswerten Kosten absehbar. Denn, wie bei den Aufnahmeverfahren der Unesco üblich, ist alles von einem sehr langwierigen Prozess begleitet.

Zunächst muss es das Friedensfest in das bayerische Verzeichnis schaffen, die nächste Hürde ist die deutsche Liste. Erst dann käme der Augsburger Feiertag für das internationale Kulturerbe in Betracht. Aber: "Es ist kein so umfangreiches Verfahren nötig wie für das Wasser", erklärte Weitzel im Ausschuss. Und er beruhigte auch alle, die Sorge hatten, dass die beiden Bewerbungen sie gegenseitig behindern könnten: "Das sind zwei völlig unterschiedliche Verfahren."

Die Übereinkunft der Unesco zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes ist noch vergleichsweise jung. Erst 2003 wurde sie verabschiedet. Deutschland wiederum ist erst im Jahre 2013 beigetreten.

Mit einem Eintrag in das Verzeichnis will die Stadt Augsburg einen Beitrag leisten zu "einem öffentlichen, überregionalen Bewusstseinsprozess für das einzigartige Profil des Augsburger Hohen Friedensfestes und seinen Modellcharakter der Friedensstiftung und -wahrung auf kommunaler Ebene", formuliert es die Verwaltung in ihrem Beschlussvorschlag, dem der Ausschuss einstimmig folgte. Auch sollen die zahlreichen am Friedensfest ehrenamtlich Beteiligten durch die Aufnahme in die internationale Liste Anerkennung und Wertschätzung erfahren.
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