Der AVV wagt die Reform: Fahrkarten-Abos bald billiger?

Fahrkartenabos im AVV könnten bald deutlich günstiger werden. Foto: Markus Höck

Mehr Übersicht im Tarifdschungel: Der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund AVV arbeitet an einer Reform, die vor allem mehr Kunden zum Abschluss eines Abonnements bewegen soll, denn diese werden deutlich günstiger.

Am Dienstag gab es zu den Reformplänen einen Zwischenbericht im Landratsamt Augsburg, den die Mitglieder der Kreisausschüsse der Landkreise Aichach-Friedberg, Augsburg und Dillingen sowie des Wirtschaftsausschusses der Stadt Augsburg zur Kenntnis nahmen. In der Diskussion zeigte sich dann schnell, dass noch viele Reformwünsche nicht erfüllt sind - und dass die Wünsche von Stadt und Land nicht immer entsprechen.

Wer am Rand des AVV-Tarifgebiets lebt, gehört bislang zu den Verlierern im Bemühen um einen gerechten Anschluss an den ÖPNV. Der Bahnhof Radersdorf etwa liegt in der Zone 72. Pendler, die mit dem Zug nach Augsburg fahren wollen, bezahlen im Monat 131,30 Euro. Für sie würde es durch die Reform deutlich günstiger. Sie müssten für ihr Abo nur noch 90 Euro bezahlen.

Eine von vielen Verbesserungen, die mit der Reform auf die Kunden zukommen würden, wohlgemerkt vor allem auf die Stammkunden, denn um sie will sich der AVV verstärkt bemühen. Dazu trägt das überfällige Ausmisten der verschiedenen Tarife bei. Gibt es derzeit gleich drei verschiedene Abo-Modelle, die günstiger sind, soll es dann nur noch ein Spar-Abo geben. Doch schon an der beschränkten Gültigkeit - werktags erst ab 9 Uhr - entzündete sich Kritik. So ließen sich keine Pendler dazu bewegen, auf den ÖPNV umzusteigen, kritisierte Kreisrätin Marion Brülls (Grüne, Aichach-Friedberg). Sie forderte, dass die zeitliche Beschränkung entfalle.

Johann von Aweyden, der als Projekt Manager der BSL Transportations Consultants die Planungen zur Tarifreform betreut, wollte diese Kritik nicht gelten lassen. Der Spartarif richte sich gerade nicht an Pendler, sondern an Personengruppen, die flexibel sind in ihrer Zeiteinteilung. Dem Wunsch nach einem unbegrenzt gültigen Spar-Abo könne er sich anschließen, so von Aweyden. Doch sei das nur möglich, wenn die Gesellschafter bereit wären, auch mehr Geld für den ÖPNV auszugeben. Ähnlich musste er auch den Wunsch von Kreisrat Matthias Stegmeir (CSU, Aichach-Friedberg) nach einer Abflachung der Tarife im ländlichen Bereich abweisen. "Da geht es schnell um sehr viel Geld", betonte von Aweyden.

Die Überarbeitung des Zonensystems ist ein noch offener Punkt auf von Anweydens Aufgabenliste - und nach seinen Ausführungen in der gemeinsamen Sitzung scheint dieser Punkt auch kaum realisierbar. Ziel ist etwa, dass eine Gemeinde in maximal einer Tarifzone liegt. Doch auch hier gilt, dass sich die finanziellen Auswirkungen im Rahmen halten müssen, um die AVV-Gesamtfinanzierung nicht zu gefährden.

Ebenfalls noch nicht abgeschlossen sind die Versuche, die Schülertickets attraktiver zu machen. Nur: Durch günstigere Angebote ließe sich kaum die Nachfrage steigern. Dazu sind gerade die Schülertickets eine Finanzierungssäule des ÖPNV in der Region.

Eindringlich wandte sich deshalb Augsburgs Finanzreferentin Eva Weber an die Vertreter aus den Landkreisen. "Augsburg muss jedes Jahr 50 Millionen Euro Defizit aus dem ÖPNV ausgleichen", erinnerte sie und warnte gleichzeitig vor überzogenen Erwartungen an die Tarifreform. Letztendlich müsse es auch finanzierbar sein.

Zumindest mittelfristig könnte sich aber etwas mehr Tarifgerechtigkeit auch im AVV durchsetzen. Von Aweyden berichtete von der Möglichkeit eines elektronischen Tarifsystems, das dann nicht nach Zonen, sondern etwa wie im Taxi nach gefahrenen Kilometern abrechnen würde. Doch bis solche Systeme in die Serienreife gehen, dauere es noch sechs Jahre.

Bis zur Sommerpause sollen nun die offenen Punkte noch geklärt werden, damit sich nach den Ferien die Gremien damit befassen können. Die Umsetzung ist zum 1. April 2017 geplant.

Die Tarifreform im Detail


Abo und Zeitkarten: Für die Abos wird es neue Geltungsbereiche geben. Augsburg, Gesamtgebiet ohne Augsburg, Augsburg zuzüglich der folgenden Tarifzone (Augsburg Plus) und Gesamtgebiet.
Ein Spar-Abo ersetzt alle bisherigen vergünstigten Angebote, wie Senioren-Abo und 9-Uhr-Abo. Für ganz Augsburg oder die Region soll es 30 Euro im Monat kosten, Augsburg Plus 35 Euro. Für das Gesamtgebiet würden 50 Euro monatlich fällig. Von Montag bis Freitag gilt es erst ab 9 Uhr, sonst ganztägig. Ein ganztägig gültiges Basis-Abo schlägt für Augsburg beziehungsweise die Region mit 50 Euro im Monat zu Buche, für Augsburg Plus sind es 75 Euro. Das Abo fürs Gesamtnetz kostet 90 Euro im Monat. Für einen Aufpreis von 7 Euro würde das Abo zu einem Premium-Abo, das übertragbar ist und zur Personenmitnahme berechtigt. Monatskarten sollen ganztätig gültig und übertragbar sein. Die erste Zone kostet 45 Euro, jede weitere Zone 20 Euro mehr.

Einzelkarten: Jede Tarifzone kostet 1,40 Euro. Augsburg zählt dabei immer als zwei Tarifzonen. Für kurze Strecken bis maximal vier Haltestellen gibt es einen eigenen Tarif mit 1,40 Euro, unabhängig von Zonengrenzen. Dieser Kurzstreckentarif gilt nur für Busse und Straßenbahnen.

Streifenkarten: Die Streifenkarte bleib die billigere Alternative zur Einzelkarte. Mit ihr kostet jede Tarifzone 1,15 Euro, mit der Smartphone-Streifenkarte 1,10 Euro. Auch hier gilt: Augsburg zählt als zwei Tarifzonen.

Tageskarten: Es gibt weiterhin zwei Varianten bei den Tageskarten, die Tageskarte Single und die Familientageskarte. Auch für die Tageskarten gibt es die neuen Geltungsbereiche wie für die Abos. Die Tageskarte Single berechtigt montags bis freitags ab 9 Uhr und an den Wochenenden ganztags zur Mitnahme von bis zu vier Kindern. Maximal fünf Erwachsene können in dieser Zeit mitreisen. Der Aufpreis pro mitgenommener Person beträgt 2 Euro.
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