Die Zeichen stehen auf Fusion

Die Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg Walter Casazza (links) und Klaus-Peter Dietmayer sind von der Fusion mit Erdgas Schwaben überzeugt. Foto: swa/Thomas Hosemann


Wirklich überrascht ist niemand vom Ergebnis der zweiten Machbarkeitsstudie zu einer Zusammenarbeit zwischen der Energiesparte der Stadtwerke Augsburg (swa) und Erdgas Schwaben: Eine Fusion sei die beste Lösung, versteckte Haken und Fallstricke gebe es nicht. Diesen Eindruck erweckten zumindest die swa-Geschäftsführung und OB Kurt Gribl bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwochabend.

"Die Zeit der Ergebnisoffenheit ist vorbei", spricht sich Gribl nun ganz offen für eine Fusion aus. Ihm sei ja unterstellt worden, dass er schon vorher für eine Fusion Position bezogen hätte. Doch erst seit Ostern, seit er die Zahlen aus der Machbarkeitsstudie kenne, tendiert er nach eigener Aussage zur Verschmelzung der beiden Unternehmen.

Die Argumente für einen solchen Schritt sind hinlänglich bekannt. Die Energiebranche ist hart umkämpft. "Der Wettbewerb fängt erst an", prophezeit Klaus-Peter Dietmayer, Geschäftsführer Erdgas Schwaben und swa. Das Modell, als Energiehändler Strom einzukaufen und wieder zu verkaufen, habe ausgedient. So könnten die Stadtwerke nicht bestehen.

Vielmehr müssten sich die swa den neuen Herausforderungen stellen und vor allem mit Innovationen, etwa in den Bereichen "Intelligente Stromnetze" oder "Energiespeicherung mit Erdgas", ihren Platz auf dem Energiemarkt behaupten. Die Partnerschaft mit Erdgas Schwaben würde das erleichtern - so der Ausgangsgedanke.

In der Machbarkeitsstudie sollte nun lediglich geprüft werden, wie eng diese Partnerschaft sein muss oder sein darf.

Für die Fusion sprechen die prognostizierten 11,5 Millionen Euro mehr in der Unternehmenskasse. Würden swa und Erdgas Schwaben nur eine strategische Kooperation eingehen, wäre der positive Effekt nur noch bei rund zwei Millionen Euro. Versuchten es die swa im Alleingang, so gäbe es durch Optimierungsmaßnahmen zumindest noch 850 000 Euro - die allerdings komplett bei den swa blieben. Die anderen "Gewinne" müssen die Stadtwerke teilen.

Und damit ist der Kern der Fusionsproblematik erreicht. Erdgas Schwaben gehört mehrheitlich der Thüga, einem schwer überschaubaren Netzwerk aus mehr als 100 kommunalen Energieversorgern. Bei einer Fusion sitzt die Thüga künftig mit im Stadtwerke-Boot - zumindest in der Energiesparte. Genau daran stören sich die Fusionskritiker.

Nach der Bewertung von Wirtschaftsprüfern würden der Stadtwerke-Holding als Mehrheitsgesellschafter 69,7 Prozent des neuen Unternehmens gehören, die Thüga würde 30,3 Prozent halten. Die Thüga hat zudem in Aussicht gestellt, ein weiteres Prozent abzugeben. Dietmayer möchte dieses Prozent über Bürgerdarlehen finanzieren. "Die Mitarbeiter erhalten ein Vorzugszeichnungsrecht."

Angesichts dieser Konstellation scheinen die Sorgen bezüglich der Thüga unbegründet. In einem möglichen Fusionsvertrag würden die Bedenken der Kritiker berücksichtigt. So hat die Stadt im Falle einer mehrheitlichen Privatisierung der Thüga, die Möglichkeit, die Unternehmensanteile aufzukaufen. Auch steht den swa ein Vorkaufsrecht zu. Mitbestimmen darf die Thüga bei der Besetzung des Geschäftsführers. Hier muss die Entscheidung einstimmig sein.

Einzig, dass die jährliche Ausschüttung an die Thüga (rund 30 Prozent) zum Teil aus einem festen Sockelbetrag besteht, dürfte den Fusionsskeptikern sauer aufstoßen. Denn in einem wirtschaftlich schlechten Jahr für die Stadtwerke, könnte Thüga mehr Geld bekommen, als ihnen zusteht. Doch Dietmayer und Gribl sind überzeugt, dass auch in solchen Situation mit der Thüga verhandelt werden könne.

Bleibt das Thema Stellenabbau. Bei einer Fusion müssten in den nächsten fünf Jahren 110 Stellen wegfallen. Sie gehören zum erwarteten Synergieeffekt in Höhe der 11,5 Millionen Euro. Doch auch ohne Fusion kämen die swa um einen Stellenabbau nicht herum. 50 bis 60 Stellen weniger schätzt Dietmayer für die kommenden fünf Jahre. Betriebsbedingte Kündigungen wird es in jedem Fall nicht geben. Für die nächsten acht Jahre ist eine solche Maßnahme ausgeschlossen. Ruhestand und Altersteilzeit sind nach Dietmayer ausreichend - im gleichen Zeitraum, wie 110 Stellen abgebaut werden, scheiden 195 Mitarbeiter aus, rechnet Dietmayer vor.

Wie es nun weitergeht, vermag selbst OB Gribl nicht zu sagen. Am 23. April tagt wieder der Stadtrat. Doch angesichts des bereits angekündigten Beratungsbedarfs der Grünen und der SPD fällt an diesem Tag wohl kaum einen Entscheidung. Und dann läuft auch noch ein Bürgerbegehren. Es wird also noch etwas dauern mit der Energie-Hochzeit.

Kommentar von Markus Höck: Ängste selbst geschürt

Die Energiesparte der Stadtwerke finanziert das Verlustgeschäft ÖPNV. Damit das weiterhin klappt, benötigen die Stadtwerke ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell. Hierfür schafft die Fusion nach dem vorgestellten Modell sicher die nötigen Voraussetzungen. Wohl aus taktischen Gründen hat OB Kurt Gribl das Thema nicht vor der Wahl 2014 angeschnitten. Das rächt sich. Die vermeintliche Geheimniskrämerei schürte Ängste bei den Bürgern, die Gribl nun wieder aufwendig beschwichtigen muss. Für die Stadtwerke aber eigentlich ein gutes Signal: Den Augsburger liegt ihr stadteigener Energieversorger wirklich am Herzen.
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