Diskussion mit der Europaabgeordneten Maria Heubuch: Regional ist erste Wahl

 

Europa produziert zu viel Milch und Fleisch - der Export ruiniert Bauern im globalen Süden

„An der Milch, mit der ich meine Rechnung bezahle, ersäuft meine Kollegin in Burkina Faso“, so spitzt die Allgäuer Milchbäuerin Maria Heubuch die Folgen des Milchexportes aus Ländern der EU in Länder des globalen Südens zu. Die Europaabgeordnete und entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im EU- Parlament war zu Gast bei Christine Kamm (MdL) in Augsburg und sprach über die weltweiten Zusammenhänge von Agrar-, Handels- und Entwicklungspolitik.
Obwohl die Entwicklungspolitik gute Ergebnisse erziele und die kleinbäuerlichen Strukturen im globalen Süden stärke, würde die Handels- und Wirtschaftspolitik diese Ergebnisse konterkarieren, so Heubuch. Die EU produziert derzeit geschätzt etwa 7 % zu viel Milch und 11 % Prozent Fleischüberschuss. Tendenz steigend. Diese Überschüsse werden nach Afrika, Asien und Lateinamerika exportiert und schwächen mit ihren niedrigen Preisen den dortigen Markt.

Christine Kamm, entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag wies darauf hin, dass die daraus resultierende Perspektivlosigkeit die Menschen zur Flucht zwänge. „Wenn man die Lebensgrundlagen der Bäuerinnen und Bauern erhält, dann bleiben sie in ihrer Heimat“, so Kamm. Auch Maria Heubuch warnte: „Wenn wir nicht ernsthaft die Maßnahmen der Agrar-, Handels- und Entwicklungspolitik in Einklang bringen, werden wir noch ganz andere Fluchtbewegungen bekommen.“

Große landwirtschaftliche Betriebe bekommen in Deutschland zu viel Geld

Als eine Maßnahme empfiehlt die Europaabgeordnete, die Förderung großer landwirtschaftlicher Betriebe zu staffeln und bei einer Höhe von maximal 300.000 Euro pro Jahr zu kappen. „Das ist nach der EU-Agrarreform möglich und wird in Frankreich und anderen EU-Ländern auch so gehandhabt. Aber Deutschland hat diese freiwillige Maßnahme nicht eingeführt. Also ist hier eine Direktförderung ohne Obergrenze möglich“, kritisiert Heubuch. Sie rechnet vor:

Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit 2.000 Hektar Land kann bei einer Direktförderung von 300 Euro pro Hektar im Jahr 600.000 Euro Förderung erhalten – beschäftigt aber vielleicht nur fünf Leute.

Die kleineren heimischen landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr Personal würden dadurch benachteiligt. Außerdem begünstige die Förderung riesiger Mast- und Milchviehställe in Deutschland eine Überproduktion und Export – mit den genannten negativen Folgen. Im globalen Norden wie im globalen Süden seien also die kleineren Landwirte die Verlierer.

Eine weitere Maßnahme gegen Überproduktion könnte sein, diejenigen EU-Betriebe zu fördern, die ihre Produktion in sinnvollem Maße begrenzen: Gefördert werden könnten Landwirte, die zum Beispiel bei der Schweinehaltung den Sauen in ihren Ställen 10% mehr Platz zubilligen würden – damit würde 10% weniger Fleisch produziert und gleichzeitig würde die Tierhaltung verbessert.

Mehr Informationen über ökologische Landwirtschaft in der Ausbildung

„Das Umdenken in der Agrarpolitik sollte bereits während der Ausbildung zum Landwirt beginnen“, forderte Maria Heubuch und sprach sich für ein erweitertes Lehrangebot aus, bei dem die ökologische Landwirtschaft einen höheren
Stellenwert einnehme.

In Bezug auf die Länder des globalen Südens plädierte Heubuch für einen Schutz der Märkte. Dies bekräftigte auch Christine Kamm: „Lebensmittel müssen da hergestellt werden, wo sie gebraucht werden. Mit Hilfe der Menschen, die in der Region leben und die mit den regionalen Besonderheiten vertraut sind. Denn diese Arbeit stärkt die Identität der Menschen“.
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