Dreigleisig durch das Augsburger Land: Bahnstrecke zwischen Ulm und Augsburg wird ausgebaut

Die ICE-Strecke zwischen Ulm und Augsburg wurde in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Damit gehört sie zu den vorrangigen Verkehrsprojekten und soll in den kommenden 15 Jahren ausgebaut werden.

Bahn frei fürs dritte Gleis: Zwischen Augsburg und Ulm könnte es bald schneller gehen. Für den Ausbau der ICE-Strecke hat die Bundesregierung nun eine wichtige Weiche gestellt.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt stellte nun den Bundesverkehrswegeplan vor. Nun steht fest: Die ICE-Strecke Augsburg – Ulm könnte bald ausgebaut werden. Als Teil des Verkehrswegeplanes zählt der Ausbau zu den dringlichen Projekten, die in den kommenden 15 Jahren umgesetzt werden sollen.
Lange Zeit war nicht klar, ob und wie das Projekt realisiert wird. Zwei verschiedene Möglichkeiten standen zur Debatte, die mitunter großen Protest verursachten. Die „Variante Burgau“ sah den Neubau einer etwa 30 Kilometer langen ICE-Schnellbahn-Trasse nördlich der A 8 quer durch die Westlichen Wälder vor. Das sei, „ein Milliardenaufwand für fünf Minuten Zeitgewinn“, monierte man etwa in Zusmarshausen – und behielt recht. Denn diese Variante ist nun vom Tisch.
Stattdessen soll die bestehende Strecke ausgebaut und teilweise begradigt werden. „Der Ausbau der Bahnstrecke Augsburg – Ulm ist das bedeutendste Infrastrukturprojekt für die Region Augsburg und Schwaben“, freute sich der Augsburger CDU-Abgeordnete Volker Ullrich, der Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags ist. „Mit dem klaren Bekenntnis ist mittelfristig eine Beschleunigung des ICE-Verkehrs von Augsburg nach Ulm, Stuttgart und ins Rhein-Main-Gebiet verbunden. Das stärkt den Bahnknotenpunkt Augsburg.“
Bereits 1992 wurde der Abschnitt der Strecke zwischen Augsburg und Dinkelscherben fertiggestellt. Seitdem jedoch ging kaum noch etwas voran, obwohl die Teilstrecke zwischen Ulm und Augsburg auf der sogenannten transeuropäischen Magistrale einen schwierigen Engpass darstellt.
Die Magistrale verbindet als internationale Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris und Budapest. Auf der Strecke liegen unter anderem Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Augsburg und München. Schon seit Jahren werden die Fernzüge zwischen Ulm und Augsburg ausgebremst.
Erst mit dem Beginn des Projekts „Stuttgart 21“, das auch eine Schnellstrecke zwischen Stuttgart und Ulm beinhaltet, rückte die Notwendigkeit des Ausbaus wieder mehr in den Fokus. „Stuttgart 21“ soll voraussichtlich 2021 fertig sein, dann sollen drei oder vier statt wie bisher zwei Fernzüge pro Stunde auf der Strecke fahren. Das würde den Engpass noch verschärfen.
Doch dass der Ausbau nun Teil des Bundesverkehrswegeplanes ist, bedeutet nicht, dass sofort mit den Arbeiten begonnen wird. Das Verkehrsprojekt wird von der Bundesregierung aber vorrangig behandelt. So rechnet etwa Markus Ferber, Vorsitzender der CSU Schwaben, damit, dass bis 2020 ein Baurecht vorliegen wird. Und SPD-Abgeordnete Ulrike Bahr verspricht: „Ich werde mich im Deutschen Bundestag dafür einsetzen, dass wir die entsprechenden Ausbaugesetze noch in diesem Jahr verabschieden können.“
Bis der ICE dreigleisig durch das westliche Augsburger Land heizt, brauchen die Pendler in jedem Fall noch etwas Geduld. In der Fuggerstadt freut man sich freilich dennoch über das positive Signal aus Berlin. „Attraktive Zugverbindungen sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr sind für den Wirtschaftsraum Augsburg ein wichtiger Standortfaktor“, frohlockt Finanzreferentin Eva Weber. „Grundlage dafür ist ein leistungsfähiges Schienennetz.“
Freude über den neuen Bundesverkehrswegeplan gibt es im Augsburger Land auch auf der Straße. Denn die Umfahrung der B-300 für Diedorf hat es ebenfalls in das Programm geschafft. Die Anwohner in der Marktgemeinde setzen sich seit Jahren für eine Entlastung ein.
„In der Vergangenheit oft davon abgewichen“
Mahnende Worte findet indes die Augsburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Roth: „Der Bundesverkehrswegeplan ist unehrlich, denn zu viele hegen weiter die Hoffnung darauf, dass ausgerechnet ihr Projekt noch kommen wird. Der Bundesverkehrswegeplan ist jedoch nur ein sehr grober Rahmen, von dem in der Vergangenheit oft abgewichen wurde.“
Kristin Deibl
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