Droht der Ausverkauf von Augsburger Tafelsilber?

Die Fusion der Stadtwerke mit dem Unternehmen Erdgas Schwaben, das der Thüga AG gehört, ist noch nicht beschlossen. Dennoch sehen die Globalisierungsgegner bei Attac in der möglichen Fusion eine große Gefahr für die Stadt Augsburg. Mit einem Bürgerbegehren wollen sie die Entscheidung nun in Bürgerhand legen.

Seit langem sind die Stadtwerke im vollständigen Besitz der Stadt Augsburg. Doch nun soll der Konzern Thüga AG durch sein Tochterunternehmen Erdgas Schwaben an der Energieversorgung der Stadt beteiligt werden. Der Augsburger Stadtrat hat mit großer Mehrheit beschlossen, diese Möglichkeit ernsthaft zu prüfen. Die Globalisierungsgegner Attac, vergleichen diese Fusion mit "einem Ausverkauf von Augsburger Tafelsilber".

"Die Energiebereiche stehen in den jeweiligen Geschäftsfeldern gut da", erklärt Initiator Bruno Marcon. Es bestehe also der Verdacht, dass nicht die Entwicklung im Energiebereich, sondern andere Gründe ausschlaggebend für diese Fusion seien. Welche das sind, das konnten die Vertreter des Begehrens noch nicht sagen.

Laut den Globalisierungsgegnern werde die Wettbewerbsfrage stärker in den Mittelpunkt rücken. Das Gesicht der Stadtwerke würde sich komplett ändern, da sie durch die Fusion zu einem Akteur werde, der im schwäbischen Bereich zunehmend im Wettbewerb stehe. Dies sei ein "vollkommener Fehlschritt".

"Nicht überall wo Schwaben drauf steht, ist auch Schwaben drin", merkt Vertreter Thomas Theenhaus an. Denn bei der Thüga AG handle es sich um eine Aktiengesellschaft. Der regionale Aspekt wäre somit verloren.

Des Weiteren würde es durch die Fusion, nach Meinung der ehrenamtlichen Mitglieder, zu einem enormen Abbau von Arbeitsplätzen kommen. "Damit geht auch Know-How verloren", so Marcon, "und zwar im regionalen Bereich unwiderruflich."

Auch die Gewinne würden durch einen Zusammenschluss der Konzerne verloren gehen, erklärten die Vertreter. Denn die Überschüsse im Energiebereich garantieren heute unter anderem die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehres in Augsburg. Eine weitere Konsequenz könnte somit eine Preissteigerung in Bus und Tram für die Bürger Augsburgs sein.

Die Kontrolle der Versorgung der Bürger aus der Hand zu geben, sieht Attac als Skandal an. Die politischen Vertreter würden sich so ihrer Verantwortung entziehen. Diese Versorgung gehöre der Stadt. Und das solle auch weiterhin so bleiben.

"Wenn Kapitalgesellschaften die Finger nach den Stadtwerken ausstrecken, müssen wir das verhindern", so Theenhaus. Denn dadurch würde auch die Transparenz sowie das Vertrauen der Gesellschaft verloren gehen.

Im Januar wollen die politisch unabhängigen Helfer ihr Vorhaben in die Tat umsetzen und das Bürgerbegehren starten. Zahlreiche Helfer der Gesellschaft werden mit Infoständen, Stadtteilsammlungen und auch einer Homepage fleißig Unterschriften sammeln und versuchen so die Fusion zu stoppen. Rund 10.000 Unterschriften braucht die Bürgergemeinschaft bis April, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen.

Die Frage zum Bürgerbegehren lautet: "Sind Sie dafür, dass die Stadtwerke Augsburg Holding GmbH und ihre Töchter Energie GmbH, Wasser GmbH, Verkehrs GmbH und Netze Augsburg GmbH in vollständigem Eigentum der Stadt Augsburg bleiben?"
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.