Eine Stadt sucht ihr Profil

Eine Stadt auf der Suche nach ihrem Profil: Wieder soll eine Marke gefunden, eine große Klammer geschlossen werden. „Renaissance 2.0“, das bislang letzte Ergebnis einer solchen Suche, blieb graue Theorie ohne konkrete Folgen. Stadtmarketing-Chefin Ursula Baier Pickartz verspricht: „Das wird sich nicht wiederholen.“

Seit 2011 hat Baier Pickartz diesen Posten bei der Stadt. Zuvor war sie beim Theater Augsburg für Marketing und Sponsoring zuständig. Sponsoring fällt auch jetzt in ihren Zuständigkeitsbereich. „Die Stelle ist mit meinem Amtsantritt neu konzipiert worden“, erklärt sie. Der Posten ist dreigeteilt: Neben dem Zentralen Stadtmarketing leitet sie die Clearingstelle für Sponsoring und kümmert sich um den Bereich „Repräsentation“ im Referat OB.

Zunächst hat sie sich vor allem um das Sponsoring gekümmert. „Das Sponsoring ist in Strukturen gefasst worden, mit denen wir jetzt arbeiten können“, lobt OB Kurt Gribl die Arbeit von Baier Pickartz, die zu bedenken gibt, dass das einiges an Zeit eingenommen habe. Nun kann sie sich offenbar auch um das Stadtmarketing kümmern.

Als sie Ende Juni mit ihrem kurzen Film „Tanze, wenn Du ein Augsburger bist“ den Startschuss gab für eine erneute Profilsuche, waren die Reaktionen durchaus kontrovers. So störten sich einige an der Farbe Pink, die bei der Präsentation dominierte. „Die Stadtfarben bleiben Rot, Grün und Weiß“, betont OB Gribl, um etwaigen weiteren Irritationen vorzugreifen. Insgesamt sei der Clip aber sehr gut aufgenommen worden. Baier Pickartz erzählt von reichlich Zuspruch, insbesondere in den sozialen Netzwerken des Internets.

Mag der Auftakt zum neuen Profilfindungsprozess auch umstritten gewesen sein, um so breiter ist die Zustimmung dazu, dass Augsburg endlich eine Marke braucht. Groß waren die Hoffnungen für „Renaissance 2.0“. Nach zwei Jahren und Kosten von 80 000 Euro kam als Ergebnis eine liebevoll gestaltete Broschüre heraus, die auf 140 Seiten viel Richtiges über Augsburg berichtete. Eine Modellstadt des 21. Jahrhunderts solle Augsburg werden. Wie das zu bewerkstelligen wäre, verrät die Broschüre aber nicht.

Gleichwohl hatten sich dazu viele für Augsburg wichtige Leute Gedanken gemacht, Vertreter der Politik, Wirtschaft, Kultur – viele der Namen hat Baier Pickartz auch jetzt wieder auf der Liste, um mit ihnen über das Augsburger Profil zu sprechen. Allerdings kann sie die Gesprächsergebnisse aus „Renaissance 2.0“ nicht eins zu eins verwenden. „Im Koalitionspapier steht, dass dieser Prozess abgeschlossen ist. Das ist nicht meine Entscheidung.“ Ihre Handlungen müsse sie am Koalitionspapier ausrichten.

Ohnehin werde das Verfahren diesmal viel weiter gefasst. Einen „offenen Prozess“ verspricht Baier Pickartz mit Bürgerbeteiligung, Online-Befragungen und Workshops. Ziel ist es laut der Stadtmarketing-Chefin, konkrete Handlungsmaximen abzuleiten. „Das gibt es bei ,Renaissance 2.0‘ nicht“, erklärt Baier Pickartz den Unterschied.
Die Gefahr, dass der neue Prozess wieder nur in grauer Theorie endet, bestehe nicht, ist Baier Pickartz überzeugt. „Unser Prozess ist ganz anders angelegt, auch in der Projektstruktur.“ Sie will am Ende ein „politisch belastbares Papier“ in Händen halten, um damit in den Stadtrat gehen und sich die Zustimmung holen zu können. Dann sei sie auch in der Lage, konkrete Aktionen und Projekte für das Stadtmarketing umzusetzen.

Bis es so weit ist, dauert es aber noch eine Weile. Bisher fand eine innerstädtische Gesprächsrunde statt, als nächstes sollen Gespräche mit den Stadtratsfraktionen folgen.

Kommentar: Auf geht's, Augsburg


Alles auf Null: Ein neuer Prozess soll die eine Augsburg-Marke zutage fördern – wohlgemerkt zum Wohle der Stadt. Ursula Baier Pickartz strebt ein offenes Verfahren an, will möglichst alle einbinden und es am Ende möglichst allen recht machen. Doch das wird nicht gelingen. MIt Kritik muss sie umgehen lernen, es wird mit Fortschreiten des Prozesses nicht weniger werden. Und auch wenn der Tanz-Film als Startschuss kein Volltreffer war, Baier Pickartz und vor allem die Stadtspitze unter OB Kurt Gribl sollten nicht den Mut zu flippigen Ideen verlieren. Denn eines hat die Diskussion über die pinke Auftaktveranstaltung auf jeden Fall geleistet: Die Menschen in Augsburg haben über ihre Stadt geredet und über ihre Stadt nachgedacht. Und so ist „Tanze, wenn Du ein Augsburger bist“ sicher kein Imagefilm der Stadt, sondern vielmehr die grelle Aufforderung, sich mit auf die Suche zu begeben nach Augsburg und dem richtigen Profil für diese Stadt. Jetzt sind die Bürger am Zug.
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