"Es ist Zeit aufzustehen": 3500 Augsburger wehren sich gegen Petry-Auftritt

3500 Menschen beteiligten sich an der Mahnwache auf dem Rathausplatz. (Foto: Markus Höck)
 
Frauke Petry: Sie war unerwünscht in Augsburg.

3500 Augsburger zeigten am Freitagabend lautstark: Die AfD-Chefin Frauke Petry ist zwischen Lech und Wertach nicht erwünscht. Sogar beim Neujahrsempfang im Rathaus musste sich Petry den Protest gefallen lassen.

Der Abend begann unerwartet betulich mit einer Sonder-Stadtratssitzung im Goldenen Saal, ein Stockwerk über dem AfD-Neujahrsempfang. OB Kurt Gribl hatte sie anberaumt, um ein Zeichen zu setzen, dass sich die Augsburger das Rathaus nicht wegnehmen ließen. Noch am Freitagvormittag musste er eine juristische Schlappe verkraften. Das Verwaltungsgericht hatte, wie schon das Hausverbot gegen Frauke Petry, auch den „Widerruf der Nutzungsüberlassung“ gekippt. Rein rechtlich stand der AfD-Veranstaltung nichts mehr entgegen.

Die als Symbol gedachte Sitzung verlor entscheidend an Bedeutung, da lediglich gut 100 Besucher sich die Mühe machten, die Treppe zum Goldenen Saal zu erklimmen – nach Leibesvisitation und Gesichtskontrolle. Die Präsenz von Polizei und Sicherheitskräften war abschreckend.

Und das war angesichts der Menschenmassen, die vor dem Rathaus zur Mahnwache strömten, durchaus gerechtfertigt. Laut, aber friedlich, wie Polizeisprecher Siegfried Hartmann bestätigt, erteilten 3500 Augsburger – nach Schätzung der Veranstalter – Frauke Petry einen Platzverweis. Mit Redebeiträgen, Liedern und antifaschistischen Parolen feierten die Demonstranten ihre Friedensstadt. Kurzzeitig kritisch wurde es nur, als Gruppen aus dem linken und rechten politischen Spektrum beinahe aneinander geraten wären. Doch die Polizeibeamten trennten die Streitlustigen zuvor und begleiteten sie vom Platz.
Von alledem war im Rathaus wenig zu hören. Wer sich unter die 250 Gäste der AfD gemischt hatte, wurde nur durch die bulligen Türsteher daran erinnern, dass dieser Neujahrsempfang ein bisschen anders war. Gastgeber AfD-Stadtrat Markus Bayerbach verlor nicht viele Worte in seiner Begrüßung und nach einer kurzen Solidaritätsbekundung des Landesvorsitzenden Petr Bystron durfte endlich Petry ran. Doch statt mit ungeheuerlichen Aussagen neuerliche Schlagzeilen zu liefern, verlor sie sich in altbekannten Parolen, kritisierte die Unfähigkeit sämtlicher Regierungen und beklagte, dass die eigenen Leute zu kurz kämen. Kritiklos wollte das eine Handvoll Demonstranten, die sich eingeschlichen hatten, nicht hinnehmen. Sie streiften sich T-Shirts mit dem Aufdruck „Augsburg ist bunt“ über und stellten sich auf ihre Stühle. OB Kurt Gribl hatte kurz zuvor, einen Stock höher gesagt: „Es ist Zeit aufzustehen!“ Sie setzten das in die Tat um – und das Chaos brach los. „Gesindel“, „Haut doch ab, ihr A....löcher!“ und – natürlich – „Lügenpresse“ brüllten die aufgebrachten AfD-Anhänger. Gastgeber Bayerbach hatte seine liebe Not, die Gemüter der Gesinnungsgenossen zu beruhigen. Mit sanfter Gewalt wurden die stummen Mahner aus dem Oberen Fletz gedrängt, Frauke Petry konnte weitermachen. Am Ende hatte sie 20 Minuten geredet und doch nichts gesagt. Die Botschaft der Augsburger war dafür umso deutlicher zu verstehen.

Markus Höck
Kristin Deibl
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