Explosion der Mietpreise: Die WBG soll helfen

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBG hat die Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum in Augsburg zu sichern. Foto: Janina Funk

Augsburg - Wohnen zur Miete wird immer teurer, besonders stark sind die Preise in der Fuggerstadt gestiegen. Die Kommune will dieser Entwicklung auf mehreren Ebenen begegnen. Der jüngst beschlossene Mietspiegel ist nur eine Komponente. Eine wichtige Rolle fällt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft zu. Sie soll für bezahlbaren Wohnraum sorgen.

Die Zahlen sind nicht offiziell und doch belegen sie einen klaren Trend: Lag im Jahr 2011 der Quadratmeterpreis für eine 30-Quadratmeter-Wohnung in Augsburg noch bei 7,96 Euro, sind daraus mittlerweile 13,26 Euro geworden. Das gibt das Portal www.wohnungsboerse.net in einem eigenen Mietspiegel an. Zum Vergleich: Der deutschlandweite Durchschnitt war 2011 mit 7,63 Euro fast auf Augsburger Niveau, heute liegt er nur bei 10,26 Euro.

Kein Wunder also, dass die Stadt Augsburg alarmiert ist. Für das Jahr 2015 hatte die Wohnungsbaugesellschaft dementsprechend den Schwerpunkt auf die Planung von Neubauvorhaben gelegt, "um den dringend benötigten dauerhaft bezahlbaren Wohnraum in Augsburg zu erweitern", wie die WBG in einer Pressemitteilung erklärt.

"Gerade in Zeiten des angespannten Wohnungsmarktes erkennen wir, wie wichtig die Aufgabe der WBG für die Stadtgesellschaft ist. Sie ist unser Garant für dauerhaft bezahlbaren Wohnraum", formuliert Oberbürgermeister Kurt Gribl als Aufsichtsratsvorsitzender der WBG den Auftrag. Die WBG soll in der Legislaturperiode von 2014 bis 2020 600 Wohnungen errichten oder erwerben. Letzteres scheitert schlicht an der aktuellen Marktlage und die "Neubautätigkeit benötigt erst eine gewisse Vorlaufphase der Planung, bevor dann mehrere Vorhaben zeitgleich in die Umsetzung gehen", rechtfertigt sich die WBG.

Die Neubauvorhaben sollen ausschließlich für den eigenen Bestand umgesetzt werden. Neben den zum Mai 2016 fertiggestellten 18 Wohnungen im betreuten Wohnen in Zusammenarbeit mit der AWONIA am Drei-Auen-Platz in Oberhausen befinden sich 40 Wohneinheiten an der Donauwörther Straße im Bau.

Im Herbst dieses Jahres sollen 45 Wohnungen, davon zwei rollstuhlfahrergeeignete an der Offinger Straße in Kriegshaber und 42 Wohneinheiten als Ersatzneubau in der Bärenstraße im Bärenkeller begonnen werden. 26 weitere Wohnungen und Räume der Sozialen Dienste (früher: Allgemeiner Sozialdienst) sollen zeitnah auf dem ehemaligen Linde-Areal in Kriegshaber zur Umsetzung kommen. Für das derzeit größte Vorhaben mit 141 Wohnungen am nördlichen Ende des Reese-Parks wird erst 2017 der Spatenstich erfolgen. Dieses beinhaltet auch den bereits lange von der Wohnbevölkerung ersehnten Vollsortimenter zur Nahversorgung mit einer Fläche von mehr als 2000 Quadratmeter. Der derzeitige Planungshorizont der WBG bis zum Jahr 2022 umfasst rund 750 Neubauwohnungen - allesamt nach den staatlichen Förderkriterien ausgelegt. "Nur durch geförderten Neubau können mehr dauerhaft bezahlbare Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Wir verfolgen für die Augsburger Bürger ehrgeizige Ziele", sagt Mark Dominik Hoppe, Geschäftsführer der WBG.

Das derzeitige Förderprogramm des Freistaates Bayern, die sogenannte Einkommensorientierte Förderung (kurz: EOF), sichert zum einen ausreichende Finanzierungsmittel, zum anderen die Voraussetzung dafür, dass sich Mieter in der Zielgruppe der WBG ("breite Schichten der Augsburger Bevölkerung") auch eine Wohnung im Neubau leisten können: Der Mieter erhält - je nach individuellem Einkommen - einen Mietzuschuss zwischen 1 und 4 Euro pro Quadratmeter Miete. Hierbei werden in einem System von drei Stufen, die meist zu jeweils einem Drittel an der Gesamtbelegung partizipieren, Haushalte von der SGB II-Grenze bis zu einem Brutto-Haushaltseinkommen bei vier Personen von rund 64 000 Euro pro Jahr berücksichtigt. Gegenüber den früheren Sozialwohnungen nach dem sogenannten 1. Förderweg (bis 2001) sei das eine deutliche Verbesserung zur Sicherung stabiler Nachbarschaften, so die WBG.

Die durchschnittliche Miete ist über den Bestand nur leicht von 5,21 Euro pro Quadratmeter auf 5,34 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Die Mieterfluktuation ist im Jahr 2015 mit 6,1 Prozent (Vorjahr 7,0 Prozent) auf den niedrigsten Wert seit Jahren gesunken. Die rund 600 Wohnungen, die im Jahr 2015 vermietet wurden, wurden zu 99,7 Prozent unter 8 Euro neu vermietet, mehr als 50 Prozent der Neuvermietungen erfolgten in diesem Zeitraum sogar unter 6 Euro.
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