Feuerwehrleitung des Landkreises Augsburg hat zu schweigen - Maulkorb für alle und allgemeingültige Absichten

(Foto: Siegfried Rupprecht)

Am heutigen Mittwoch sollte die Kreiswehrverbandsversammlung der Feuerwehr stattfinden, doch sie wurde auf einen noch unbestimmten Termin verschoben wegen "Unstimmigkeiten innerhalb der Kreisinspektion", so die offizielle Nachricht an alle Kommandanten der Freiwilligen und Werksfeuerwehren des Landkreises Augsburg, unterzeichnet von Alfred Zinsmeister, Kreisbrandrat und Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender. Zinsmeister kündigt Gespräche mit den Kommandanten und den Stellvertretern an. Bei der Feuerwehr scheint Feuer auf dem Dach zu sein.

Dieses und ein weiteres Schreiben ging der StadtZeitung am Dienstag vergangener Woche anonym per Post zu. Darin wird gefragt, ob es bald einen neuen Kreisbrandrat im Landkreis gebe und wann Neuwahlen stattfänden - die letzte Kreisbrandratswahl war 2016, damals wurde Zinsmeister für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Rücktritte, Frustration und Kündigung

Es wird auf Personalentscheidungen hingewiesen, wie die Entlassung eines Kreisbrandmeisters durch Zinsmeister. Laut dem Schreiben soll ein Kreisbrandmeister "frustriert" das Handtuch geworfen und seinen Austritt aus der Kreisbrandinspektion erklärt haben. Mehrere Kreisbrandinspektoren sollen die Absicht gehabt haben, ihren Rücktritt auf der geplanten Kommandantendienstversammlung öffentlich bekannt zu geben. Zinsmeister wird in dem anonymen Schreiben unterstellt, er hätte dieser peinlichen Aktion entgehen wollen und habe deshalb zwei Inspektoren vor der Sitzung entlassen, was Landrat Martin Sailer jedoch angeblich verweigert habe. Auch sei eine Dame der Fachabteilung Katastrophenschutz im Landratsamt unfreiwillig nach mehr als 25 Jahren Tätigkeit in eine andere Abteilung versetzt worden. Soweit die anonymen Behauptungen.

Alle schweigen - bisher

Was ist dran an den Anschuldigungen? Erstmal war Kreisbrandrat Zinsmeister vergangene Woche nicht zu sprechen, da er auf einer Fortbildung war. Das Landratsamt war nicht bereit, vor einem Gespräch zwischen Kreisbrandrat Zinsmeister und Landrat Martin Sailer Auskünfte zu diesen Vorwürfen zu geben. Das Gespräch war für Montag dieser Woche geplant. Auch die im anonymen Schreiben namentlich aufgeführten Kreisbrandinspektoren und -räte waren nicht bereit, gegenüber der Zeitung Auskünfte zu geben und verwiesen auf Zinsmeister. Wer der Denunziant ist, der die Anschuldigungen der Presse zuspielte, ist bisher nicht bekannt.

Keine sachlichen Details

Alles wartete nun gespannt auf die zugesagte Mitteilung des Landratsamts über die internen Vorgänge bei der Feuerwehr - alle zugespielten Informationen könnten Lüge sein, es könnte aber auch intern glostern, schwelen oder bereits lichterloh brennen. Die Mitteilung des Landratsamtes kam am Dienstag Spätnachmittag. Und wie erwartet, sagte sie so gut wie nichts aus.

Viel Gelaber über die wichtige Funktion der Feuerwehr und die Funktion des Kreisbrandrats, dann wird doch zugegeben, dass es in den "zurückliegenden Monaten zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kreisbrandinspektion" gekommen sei. Nun hätten Landrat Sailer, Kreisbrandinspektoren sowie dem Kreisbrandrat Wege besprochen, diese "Unstimmigkeiten auszuräumen", die "interne Kommunikation soll intensiviert werden" und man wolle sich "intensiver austauschen", damit "Missverständnisse möglichst gar nicht erst aufkommen und Probleme möglichst schnell ausgeräumt werden" - platte Absichtserklärungen, um die Wogen nach außen zu glätten.

Stillschweigen angeordnet

Und ganz wichtig: "Im Interesse eines zukünftig wieder zielgerichteten Miteinanders . . .", werden die Mitglieder der Kreisbrandinspektion gebeten, "Einzelheiten zu den Meinungsverschiedenheiten nicht in die Öffentlichkeit tragen". Die Landratsamt-Mitteilung sagt nichts anderes aus, als dass die oberste Führungsebene ihnen einen Maulkorb verpasst hat.

Noch fünf Jahre

Ob sich die Angelegenheit beruhigt, muss abgewartet werden, Alfred Zinsmeisters Amtszeit dauert noch fünf Jahre an, er wurde mit Mehrheit vergangenes Jahr gewählt. Da ist noch viel Zeit für Gespräche, Reibereien, Zerwürfnisse und Schweigen. (Stefan Gruber )
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