Flächenfraß stoppen

  Rund 60 Gäste folgten der Einladung der Augsburger Grünen in den Annahof, um mit Ludwig Hartmann, dem Fraktionsvorsitzenden der Landtagsgrünen über Ideen und Konzepte, wie in Bayern Flächenverbrauch reduziert werden kann, zu diskutieren.

"Ausufernder Flächenfraß in Bayern bedroht unsere Natur, unsere gewachsenen Kulturlandschaften und unsere Landwirtschaft. Umgehungsstraßen, Erschließungsstraßen, Hotelburgen oder Discounter verdrängen Wälder, Wiesen und Felder. Gleichzeitig veröden die Ortskerne im ländlichen Raum; Brachflächen und Leerstände bleiben ungenutzt. Bayernweit verschwinden pro Tag mehr als 18 Fußballfelder in der Größe der Münchner Allianz-Arena unter einer Asphalt- und Betonlawine. Durch eine Änderung des Berechnungssystems wurde der Wert zwar zwischenzeitlich verringert – der reale Flächenfraß setzt sich aber fort. Die Auswirkungen und Gefahren für Menschen, Tiere und Pflanzen sind massiv: Die Versiegelung verstärkt Hochwasserereignisse, neue Straßen zerschneiden Lebensräume, die Beanspruchung immer weiterer Flächen dezimiert die Artenvielfalt und schädigt die Bodenfunktionen. Lebensqualität und touristische Attraktivität sinken aufgrund von Zersiedelung und Naturzerstörung“ erläutert Hartmann in seinem Eingangsvortrag.

Wir Grüne wollen Flächenverbrauch ohne Maß und Ziel mithilfe eines umfassenden Maßnahmenpakets eindämmen. Dies gelingt nur mit einer verbindlichen Landesplanung. Als ersten Schritt wollen wir im Landesplanungsgesetz eine Obergrenze für den Flächenfraß verankern. Als zentrales Instrument soll ein System handelbarer Flächenzertifikate einen fairen Ausgleich des Flächenverbrauchs zwischen Stadt und Land schaffen. Mittelfristig sollen in einem zweiten Schritt keine weiteren Flächen mehr verbraucht werden. Durch Renaturierung oder Umwidmung bereits in Anspruch genommener Flächen soll eine Kreislaufwirtschaft entstehen.

Wohnbau und Gewerbe sollen sich weiter entfalten dürfen – aber möglichst innen, nicht außen. Die Lebensgrundlage Boden und die Basis für Bayerns Schönheit und Wohlstand – unsere Natur und unsere Landschaft – wollen wir bewahren, bevor sie unwiederbringlich verloren gehen. Mit einer konsequenten Innenentwicklungs-Strategie der Kommunen, intelligentem Flächenmanagement, flächenschonender Gewerbeentwicklung durch interkommunale Kooperationen und weiteren Maßnahmen erhalten wir beides: Ein lebenswertes Bayern mit reizvoller Natur und lebhaften Orten sowie ein prosperierendes Bayern mit starker Wirtschaft.

Hartmann erläuterte weiter: „Wir Grüne betrachten eine Landesentwicklung mit Rücksicht auf Natur und Landschaft als originäre Staatsaufgabe. Dazu brauchen wir eine Landesplanung, die in die Zukunft blickt. Das Landesentwicklungsprogramm (LEP) und das Landesplanungsgesetz sind dafür geschaffen, übergeordnete und verbindliche Vorgaben und Ziele im Sinne des Allgemeinwohls festzulegen. Deshalb wollen wir über das Landesplanungsgesetz den Flächenverbrauch auf höchstens 4,7 Hektar am Tag begrenzen. Die Bundesregierung will mithilfe der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag verringern. Die 4,7 Hektar entsprechen dabei dem bayerischen Anteil.“

Mittelfristig sollen keine weiteren Flächen mehr verbraucht werden. Falls doch, muss dies mit der Renaturierung bereits beanspruchter Flächen kompensiert werden. Entsprechend der Forderung des Rats für Nachhaltige Entwicklung, des Sachverständigenrats für Umweltfragen sowie des BUND Deutschland wollen wir die Inanspruchnahme neuer Flächen spätestens zum Jahr 2030 auf null reduzieren (Netto-Null-Ziel). Um kurzfristig den Flächenverbrauch zu begrenzen und ihn mittelfristig zu stoppen brauchen wir schnellstmöglich effektive Maßnahmen

„Auch wenn in Städten der Flächenverbrauch im Vergleich mit ländlichen Regionen eher gering ist, so müssen auch in den Ballungsgebieten neue Wege eingeschlagen werden, um Flächen nachhaltig und sparend zu nutzen. Eine Abkehr von ausufernden Gewerbeansiedlungen auf grüner Fläche, die vor allem in die Breite gehen und neue Fläche versiegeln, ist unvermeidbar. Auch in der Wohnbebauung muss man andere Wege gehen: Teure, luxuriöse Einfamilienhäuser die vor allem Fläche benötigten, aber wenige Menschen beherbergen, können angesichts des Wachstums der Stadt nicht die Bauvorhaben in Augsburg prägen“, kritisiert Peter Rauscher, Vorsitzender der Augsburger Grünen.

Am 15. März um 19:30 Uhr im Rheingold wird Jürgen Mistol – wohnungspolitischer Sprecher der Landtagsgrünen – die Veranstaltungsreihe mit dem Thema: „Wohnen versus Naturschutz? GRÜNE Stadtentwicklung – Sozial und Ökologisch „ fortführen.
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