Fleischlose Wahlversprechen: Neue Partei für Vegetarier und Veganer

Roland Wegner ist der Bundesvorsitzende der neu gegründeten V-Partei³. (Foto: V-Partei³)

Umwelt, Gesundheit und vor allem Ernährung: Diesen Schwerpunkten widmet sich die neue Partei „V-Partei³“, die sich vor gut einer Woche in München auf der VeggieWorld-Messe gegründet hat. Ihre Geschäftsstelle hat die bundesweit aktive Partei praktischerweise nach Augsburg verlegt, denn auch der Bundesvorsitzende Roland Wegner ist Augsburger.

Wegner ist – zumindest in Augsburg – kein Unbekannter. Er hält den Rekord im Perlachturm-Treppenlauf, war als Weltrekord-Rückwärtsläufer schon mal bei „Wettten, dass. . . ?“und trat bei der jüngsten Kommunalwahl für die SPD an – allerdings ohne den sonst gewohnten Erfolg. Die Zeiten als Sozialdemokrat sind vorbei. Mit der V-Partei will sich Wegner jetzt für Veränderung, Vegetarier und Veganer einsetzen. Dafür steht die hochgestellte Drei im Parteilogo.
„Mit unserem Programm geben wir all denjenigen eine politische Heimat, die bei anderen Parteien wichtige wertorientierte Inhalte vermissen, welche wir gerade als lobbyunabhängige Partei deutlich ansprechen“, steht in der Präambel zum Programm. Und doch richtet sich die V-Partei vor allem an die Vegetarier und Veganer unter den Bundesbürgern. Zehn Millionen seien das immerhin – eine beachtliche Gruppe, die nach Meinung der V-Partei bisher ohne spezielle parlamentarische Vertretung auskommen musste. Das soll sich jetzt ändern.
Entsprechend durchdringt der ernährungsphilosophische Ansatz das komplette Parteiprogramm: Die Schulmilch wird gestrichen und durch Pflanzendrinks ersetzt, angehende Ärzte müssen während des Studiums verpflichtend ernährungsmedizinische Vorlesungen besuchen und es soll ein eigenes Berufsbild mit Ausbildung für vegane Köche geben. Das sind nur einige der Forderungen aus der Rubrik Bildung. Die Landwirtschaft will die V-Partei auf biovegan umstellen. Tierschlachtungen sollen spätestens ab 2030 tabu sein. „Die wachsende Anzahl von Vegetariern und Veganern steht dafür, dass die Produktion von Nahrungsmitteln und sonstigen Gegenständen kein vernünftiger Tötungsgrund ist“, begründet die V-Partei diese Forderung. Überhaupt soll Schluss sein mit industrieller Tierhaltung, die in einer bioveganen Landwirtschaft laut V-Partei ebenso überflüssig ist, wie der Einsatz chemischer Pestizide, Herbizide und Fungizide.
Im Steuersystem stört sich die V-Partei vor allem an der ihrer Meinung nach ungerechten Mehrwertsteuer. Obst, Gemüse und Getreide sollten wie medizinische Leistungen niedriger besteuert oder gleich ganz von der Mehrwertsteuer befreit werden. Auch müssten Pflanzendrinks genauso nur mit sieben Prozent besteuert werden wie Kuhmilch.
Energiepolitisch setzt sich die V-Partei für eine Reduzierung der Biogasanlagen ein, weil durch sie die Anbauflächen verknappt würden. Weiter soll kein Atomstrom aus Nachbarländern importiert werden.
Zu den wirtschaftlichen Forderungen zählt ein „gerechtes Grundeinkommen“. Dessen Machbarkeit sollte zumindest geprüft werden. Im Programm findet sich schließlich ein Punkt, der bei einem Großteil der Deutschen wohlwollend aufgenommen werden dürfte: die Abschaffung der Sommerzeit.
Noch ist die V-Partei weit davon entfernt, an politischen Entscheidungen mitzuwirken. In den sozialen Netzwerken begrüßte Wegner am Montag das 100. Parteimitglied. Trotzdem wünscht er sich, dass 2017 in allen Bundesländern die V-Partei als „verantwortungsvolle Wahlmöglichkeit“ auf den Stimmzetteln stehe. „Wir wollen dem Treiben in Berlin nicht mehr länger zuschauen“, so Wegner.
1
Einem Autor gefällt das:
1 Kommentar
6
Antonietta Tumminello aus Absberg | 11.05.2016 | 22:26  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.