Freistaat soll die Uniklinik übernehmen

Es wird konkret: Gestern fiel im Stadtrat eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft der Augsburger Universitätsklinik. Die Trägerschaft soll der Freistaat übernehmen. Doch damit beginnt die Arbeit erst.

In der Stadtrats-Pressekonferenz spricht OB Kurt Gribl von einem „historischen Moment“. Endlich werde der erste konkrete Schritt hin getan in Richtung einer Universitätsklinik. Ausschlaggebend war die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Horst Seehofer im November 2013. Bis 2018 soll Augsburg eine Uniklinik haben – bis dahin liegt vor der Stadt und dem Landkreis Augsburg als bisherige Träger des Krankenhauses noch ein weiter Weg.

Die Entscheidung für eine Trägerschaft des Freistaats war keineswegs selbstverständlich. In einem intensiven Abwägungsprozess wurden die drei möglichen Alternativen abgeprüft: entweder der Freistaat als Träger, weiterhin ein Krankenhaus in kommunaler Hand oder eine Mischform aus beidem. „Es sollte nicht nach der Lösung gesucht werden, die uns lieber wäre, sondern die das Vernünftigste für die Sache ist“, erklärt OB Gribl. Gegen eine Mischform spreche allerdings, dass es an Kliniken, an denen solche Lösungen umgesetzt wurden, immer wieder Schwierigkeiten gebe, so Gribl. „Wir wollten keine Lösung mit eingebauten Problemen.“

Das Votum der Experten fiel schließlich eindeutig auf die Trägerschaft durch den Freistaat – allerdings „nicht vorbehaltlos“, wie Gribl betont. So müsse die Personalsituation geklärt werden. „Es sollten sich hier keine wesentlichen Veränderungen ergeben“, sagt Gribl. Bestandsschutz sei das Thema. Zudem dürfe die Generalsanierung nicht unterbrochen werden, vielmehr solle sie weiterlaufen. Die Umwandlung in eine Uniklinik muss laut Gribl natürlich im Sanierungsablauf „mitgedacht“ werden.

Weiter wollen sich Stadt und Landkreis nicht komplett das Heft aus der Hand nehmen lassen. Gribl erhofft sich die Möglichkeit auf eine Mitwirkung der Gebietskörperschaften. Wie diese im Detail aussehen soll, ist noch längst nicht geklärt. Möglich wären aber entsprechende Aufsichtsgremien wie Beiräte. „Es wird dabei weniger um Fragen aus Forschung und Lehre gehen, als viel mehr um die Patientenversorgung“, sagt Gribl.

Es gibt also noch viel Klärungsbedarf zwischen den künftigen Vertragspartnern. „Uns ist erst jetzt klar, wie viele Details es zu regeln gilt“, erklärt Stadtdirektor Thomas Schmidt-Tancredi. Es wurden bereits fünf Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit Themen wie Forschung, Infrastruktur und Governance beschäftigen.
Noch steht eben auch nicht fest, wie und wo die Medizinische Fakultät und die Vorklinik in Augsburg umgesetzt werden sollen. Klar ist, dass die Fakultät an der Uni Augsburg und nicht an eine der beiden Münchner Universitäten, der TU oder der LMU, angegliedert werden soll. „Das ist eine enorme Aufwertung für die Universität in Augsburg“, sagt Schmidt-Tancredi.

Doch ob eine Regelfakultät oder doch eine Modellfakultät eingerichtet wird, ob diese dann zusammen mit einer Vorklinik am Klinikum selbst untergebracht wird, all das ist noch nicht geklärt.

Tancredi-Schmidt wagt deshalb nicht zu versprechen, dass noch in diesem Jahr ein Vertragsabschluss zwischen Freistaat und den bisherigen Trägern des Klinikums zustande kommt. Realistischer ist wohl das Jahr 2015.

Bis 2018 soll dann die Uniklinik soweit sein, dass der Betrieb starten kann. Das Projekt soll soweit vorangebracht sein, dass es „unumkehrbar, unaufhaltsam“ ist, interpretiert Gribl das Versprechen von Ministerpräsident Seehofer. Zu erwarten ist für 2018 also ein Rumpfprogramm für die ersten Studenten. Gerechnet nach der Bettenzahl des Klinikums könnten hier einmal 380 bis 420 Studenten ihr Medizinstudium absolvieren. „Mit solch einer Zahl könnten wir nicht starten“, so Gribl. Der Auf- und Ausbau erfolgt Schritt für Schritt – der wichtigste, nämlich der erste, ist nun getan.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.