Fronten im Theaterstreit verhärtet: Sanierungsunterstützer gründen Verein

Die Unterstützer der Theatersanierung wollen einen Verein gründen.

Im Streit um die Sanierung des Augsburger Theaters verhärten sich die Fronten. Die Unterstützer der Sanierung, bisher lose unter dem Slogan „Theater Modern“ zusammengefasst, wollen einen Verein gründen. Sie wappnen sich damit auch für einen möglichen Bürgerentscheid.

Die Auseinandersetzung um die Theatersanierung zerrt immer mehr an den Nerven der Betroffenen. „Langsam killt mich meine Wut!“ Schauspieler Sebastian Baumgart, der gleichzeitig Sprecher für das Schauspielensemble ist, hat schlicht genug davon, wie aus seiner Sicht die Diskussion geführt werde. Er fühle sich an den Brexit erinnert: viel Propaganda und nichts dahinter. „So etwas darf sich hier nicht wiederholen“, erklärt er sein Engagement.

Kritisch sieht Theater Modern auch, wie die Sanierungsgegner an ihre Unterschriften für ein Bürgerbegehren kommen. Jugendliche würden bezahlt, dass sie Leute – ohne inhaltliche Auseinandersetzung – zur Unterzeichnung bewegten. Auch würde mit Suggestivfragen der Eindruck erweckt, dass Unterzeichner für die Sanierung unterschreiben. „Das sind keine Methoden für ein demokratisches Bürgerbegehren“, urteilt Christian Müller, einer der Aktiven bei Theater Modern.
Der Streit ums Unterschriftensammeln ist nicht neu. Die Sanierungsgegner hatten zuletzt den Vorwurf erhoben, dass Theaterbesucher vor und nach Vorstellungen zu Unterschriften gedrängt würden. Tatsächlich haben die Befürworter selbst insgesamt 16 000 Unterschriften zusammengebracht. „Die Unterschriften haben keine rechtliche Bindung. Sie sind eine reine Sympathiebekundung“, erklärt Müller.

Doch die schiere Menge bestärkt ihn, das nächste größere Vorhaben umzusetzen: Im September soll die Gründungsversammlung für einen neuen Theaterverein stattfinden. Einziger Vereinszweck: die Unterstützung der Sanierung. Dafür will Müller mögliche Sponsoring- und Spendenmodelle prüfen. Etwa das Orchesterprobengebäude, das neben dem Großen Haus geplant ist, könnte so finanziert werden, hofft Müller. Er betont, dass man nicht in Konkurrenz zu den beiden bereits bestehenden Theatervereinen treten wolle.

Bei den Kritikern der geplanten Sanierung sieht man die Pläne gelassen. Wie Kurt Idrizovic als Sprecher der Initiative Kulturelle Stadtentwicklung Augsburg (IKSA) mitteilt, sei die Stimmung gut. Die tagesaktuellen Ereignisse spielten ihnen und ihrer Unterschriftensammlung in die Hände: Verteuerung der Sanierung des Plärrerbads um knapp eine Million Euro, 22 Millionen Euro für den Umbau der Grottenau-Post und gleichzeitig steigende Kita-Gebühren. „Und die Stadt hat noch immer keinen genehmigten Haushalt für 2016“, betont Idrizovic. Die Bürger würden sensibler, ist er überzeugt. „Für die Stadt wird es immer schwieriger.“ Die Initiative werde den August über noch weiter Unterschriften sammeln, „um den Sack dann zu zumachen“, erklärt Idrizovic. Der Stadtrat könnte dann frühestens Ende September über die Rechtmäßigkeit des Bürgerbegehrens befinden. Sollte das Begehren rechtmäßig sein, muss drei Monate später ein Bürgerentscheid durchgeführt werden.

Für diesen Fall will Müller alle Kräfte mobilisieren, um die Argumente für die Sanierung unters Wahlvolk zu bringen. Doch egal wie dieser Entscheid ausginge, Müller hat schon jetzt die Befürchtung, dass der Streit um die Sanierung großen Schaden unter den Kulturschaffenden angerichtet habe. „Ich finde es schade, dass es so eine Spaltung gibt“, sagt er und bietet noch einmal das Gespräch an: „Die konstruktive Debatte ist noch möglich.“
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