Gleichberechtigung statt Sprachverrenkung

Die Augsburger Freien Demokraten begrüßen den Vorstoß von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl (CSU) zur Gleichstellung von Männern und Frauen in Veröffentlichungen der Stadt - wenden sich aber entschieden gegen ideologische Schreibweisen wie dem Gender-Sternchen, die nicht der deutschen Rechtschreibung entsprechen. Der OB will mit sprachlichen Mitteln und einer bewussten Bildauswahl überkommenen Rollenbildern entgegenwirken. Eine entsprechende Beschlussvorlage wurde heute im Ausschuss für Organisation und Personal beraten und steht am Donnerstag im Stadtrat auf der Tagesordnung.

„Die Richtung passt“, lobt Katrin Michaelis, die Vorsitzende der Augsburger Liberalen. „Ich habe es zunächst selber nicht glauben wollen, aber auf den Internetseiten der Stadt Augsburg wird tatsächlich das Klischeebild vom Mann als Ernährer und der Frau als liebende Mama daheim transportiert.“ Michaelis verweist auf das Wirtschaftsportal der Stadt Augsburg, wo dem Besucher vier tatkräftige Manager und zwei Arbeiter im Blaumann entgegenblicken. Das Familienportal hingegen ist vor allem mit Frauen bebildert, die sich um den Nachwuchs kümmern.

„Ich will der Stadtverwaltung keinen bösen Willen unterstellen. Eine solche Bildauswahl nimmt man unbewusst vor oder einfach, weil keine besseren Fotos zur Verfügung stehen“, so Michaelis. „Angesichts der Wirkungsmacht von Bildern ist es aber höchste Zeit, dass der Stadtrat Vorgaben für eine problembewusstere Bildauswahl macht.“

Im Wesentlichen zufrieden sind die Freien Demokraten auch mit den geplanten Vorgaben zur Sprache. „Der OB setzt in erster Linie auf Schreibvarianten, die verständlich sind und den Lesefluss nicht hemmen“, findet FDP-Stadtrat Markus Arnold. Mit einer Ausnahme: in der Beschlussvorlage sind auch Kurzformen wie das Binnen-I oder das Gender-Sternchen vorgesehen. „Das ist Ideologie pur und muss schlichtweg raus aus der Beschlussvorlage“, fordert Arnold. „Darüber können sich grüne Oberstudienräte mit A14-Gehalt abends beim teuren Rotwein streiten. In amtlichen Formularen und offiziellen Veröffentlichungen einer Kommune hat dieser Genderquatsch aber nichts verloren! Solche Sprachverrenkungen bringen die Gleichberechtigung kein bisschen voran, sondern erzeugen nur Gegenwehr gegen eigentlich berechtigte Anliegen.“

In dieselbe Richtung argumentiert Michaelis, die im Beruf Realschullehrerin ist. „In der Schule versuche ich meiner Klasse die deutsche Rechtschreibung beizubringen.“ Formulierungen wie ‚Schülerinnen und Schüler‘, ‚Studierende‘, ja sogar ‚Klassensprecher/-in‘ oder ‚Schulleiter(in)‘ seien alle vom Duden abgedeckt. „Wie sollen sich junge Menschen aber merken, welche Schreibweise zulässig ist, wenn sich selbst die öffentliche Verwaltung nicht daran hält?“, fragt die Kreisvorsitzende. Mit Hilfe eines Zettels gibt sie grinsend zu verstehen, dass die FDP der Beschlussvorlage zustimmen kann, wenn unaussprechliche Varianten wie FundamentalistInnen, Sprachpolizist_innen und Jakobiner*innen weiterhin unzulässig bleiben.
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