Großprojekte: Augsburger äußern Unmut und Bedenken

Die Stadtwerke Augsburg standen am Mittwochabend den Bürgern Rede und Antwort rund um die Themen Umbau des Hauptbahnhofs und Straßenbahnlinie 5. Foto: Jessica Kuska (Archiv)

Die Stadtwerke haben zum Bürgerdialog über Hauptbahnhofsumbau und die geplante Straßenbahnlinie 5 eingeladen. Fragen zu Radwegen sowie Bedenken wegen der Ackermannstraße und dem Lärm an der Hessenbachstraße werden besprochen. Bei vielen Gästen bleiben am Ende des Abends Zweifel bestehen.

Die Stadtwerke Augsburg (swa) haben am Mittwochabend interessierte Bürger zu einer Diskussion zum Hauptbahnhofsumbau und der geplanten Straßenbahnlinie 5 eingeladen. Swa-Geschäftsführer Walter Casazza und weitere Experten stellten sich den Fragen der Gäste.

Bei vielen Besuchern blieben am Ende des Abends jedoch Zweifel bestehen. Stefanie Rohde, Projektleiterin der swa, stellte zunächst das Konzept der Mobilitätsdrehscheibe vor. Der Umbau des Hauptbahnhofs sei das Kernstück des Konzepts und befindet sich gerade mitten in der Bauphase. Rohde erläuterte ausführlich die Baumaßnahmen und die Fortschritte der einzelnen Bauabschnitte. Grund der ausführlichen Erklärungen sind vor allem die deutlichen Verzögerungen im Ablauf. Geplant war eine Fertigstellung des Projekts 2019. Im November wurde bekannt, dass sich die Fertigstellung auf das Jahr 2022 verschieben wird. Das stieß bei vielen auf Unmut. Auch die Mehrkosten sorgten bei vielen für Unverständnis.

Casazza versuchte, die Gründe für diese Verschiebungen zu erklären. Ein großes Problem sei der deutliche Terminverzug des Bauabschnitts "Bahnsteig F". Dieser zusätzliche Bahnsteig war zur Fertigstellung im Dezember 2015 geplant und habe sich nun auf Dezember 2017 verschoben. Der neue Bahnsteig sei aber Voraussetzung zur Umsetzung der weiteren Baumaßnahmen. Auch archäologische Grabungen und der Wechsel des Planungsbüros sorgten für erhebliche Verzögerungen.

Die Kostenzunahme von knapp 26 Millionen Euro lasse sich an verschieden großen Faktoren ausmachen, so Casazza. 2008 stiegen die geplanten Kosten erheblich, aufgrund der Hinzunahme von Rolltreppen. 2011 kam dazu noch die geplante unterirdische Wendeschleife für die Linie 4 hinzu. Nach den jüngsten Gutachten liegen die Gesamtkosten nun bei circa 143,45 Millionen Euro. Ein weiterer Kostenpuffer von fünf Millionen Euro für Unvorhergesehenes sei ebenso geplant.

Nach diesen Erläuterungen wurde die Diskussion eröffnet. Die erste Wortmeldung fiel relativ positiv aus, lediglich ein paar kleine Verbesserungsvorschläge. Der Redner wünschte sich einen Kiosk im Verteilerbereich des Bahnhofs, also dem Geschoss zwischen Straßenbahnhaltestelle und Bahnsteig. Außerdem gehöre die Verteilerebene rückverlängert bis in die Bahnhofshalle. Die Frage, ob denn Fahrradwege vorgesehen seien, fiel nicht nur einmal.

Casazza stellte sich den Fragen. Ein Kiosk in Verteilerebene sei aus brandschutztechnischen Gründen nicht möglich. Die Rückverlängerung des Tunnels führe zu enormen Mehrkosten. "Ich kenne wenige Bahnhöfe, die Fahrradwege mitkonzipieren", antwortet er. Außerdem sei der Fahrradweg durch die Pferseer Unterführung weiterhin verfügbar.

Ein Redner kritisiert die ständige Verwendung des Wortes "Zukunft" im Bezug auf den Bahnhof. "Wir sind keine Vorreiter, sondern elende Nachzügler. Das hat nichts mit Zukunft zu tun". Dafür erhielt er tosenden Applaus. Ein weiterer Redner brachte alternative Pläne ins Gespräch. "Warum wurden keine Alternativen geprüft?", ärgert er sich. Doch Casazza versicherte ihm, die Alternativen seien geprüft und als nicht tauglich eingestuft worden.

Im zweiten Teil informierte Casazza in einem Vortrag über die geplante Linie 5. Es wirkte ein bisschen wie eine Produktanpreisung, als er das Konzept präsentierte. Das Hauptanliegen der swa sei es, den Westen Augsburgs mit der Straßenbahn so zu erschließen, dass die Fahrtzeit mit der Tram geringer ausfalle als mit dem Auto. "Holt die Autofahrer in die Straßenbahn", appellierte Casazza. Das Planfeststellungsverfahren sei zwar schon geplant, zunächst müssen jedoch noch viele Gutachten gestellt werden. Auch die Finanzierung stehe auf wackeligen Beinen, seit bekannt ist, dass das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) 2019 ausläuft. Casazza war sich jedoch sicher, dass es ein Anschlussgesetz dazu verabschiedet wird.

Anschließend präsentierte er die Vorzugsvariante des Verlaufs der neuen Linie 5: Die Trasse soll am Hauptbahnhof starten, über die Pferseer Straße weiterlaufen und an der Luitpoldbrücke die Gleise der Linie 3 mitnutzen. Hinter der Brücke soll sie über die Hessenbachstraße bis in die Bürgermeister-Ackermann-Straße fahren, wo sie dann am Klinikum endet. Diese Trassenführung sei mit circa 62 Millionen Euro die günstigste Variante bei maximalen Fahrgastzahlen, so Casazza. Er sprach auch davon, die Goggelesbrücke wieder zu beleben, um das Rosenauviertel für die Linie 5 zu erschließen. Dafür erhielt er viel Applaus.

Nach diesen Erläuterungen ging es wieder über in eine Fragerunde. Viele Menschen strömten zu Mikrofon. Die erste Wortmeldung bezog sich auf die geplante Mittellage der Linienschienen in der Bürgermeister-Ackermann-Straße. So müssen die Menschen von beiden Seiten Ampeln nutzen, statt nur von einer Seite. Die Antwort war einfach: So würde zum einen der Grünstreifen am Rand weniger beschädigt, zum anderen hätte eine Seitenlage zu viele Störfaktoren durch Seitenstraßen. Die Bedenken um die Ackermannstraße sind groß, da viele jetzt schon über das enorme Verkehrsaufkommen dort klagen. Es sollen aber im Zuge der Baumaßnahme für die Linie 5 auch allgemeine Verbesserungen an den Verkehrsknotenpunkten durchgeführt werden.

Die größten Zweifel sind von Seiten der Anwohner an der Hessenbachstraße zu vermerken. Viele machten sich Sorgen wegen der Lärmbelästigung, manche müssen ihre Gärten aufgeben. Die Lage scheint für die Anwohner sehr unzufriedenstellend zu sein.

Casazza versuchte Rede und Antwort zu stehen. Dass eine gewisse Anwohnerbetroffenheit nicht zu vermeiden sei, gesteht er. Dass die Linie in der Hessenbachstraße nicht auf der Straße, sondern im Grünstreifen geplant sei, komme dem Lärmschutz zwar entgegen, dafür müssen die Gartenbesitzer darunter leiden. "Für Ersatz wird aber gesorgt werden", versprach er.

Die Gäste bekamen an diesem Abend viele ihrer Fragen beantwortet, viele Zweifel bleiben jedoch weiterhin bestehen.
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