Grünes Götterflackern: Ein Drittel stimmt nicht für Claudia Roth

Sieger-Lächeln: Claudia Roth ist kommendes Jahr Bundestagskandidatin der Augsburger und Königsbrunner Grünen. Fotos: David Libossek
 
Verlierer-Lächeln: Xaver Deniffel freut sich über 22 Stimmen.

Die Götterdämmerung blieb aus: Claudia Roth ist auch für die Wahl im kommenden Jahr Bundestagskandidatin für die Augsburger und Königsbrunner Grünen. Geflackert hat es aber allemal auf der Kreisversammlung. Roths Konkurrent Xaver Deniffel holte am späten Mittwochabend gegen das Gesicht der Partei mehr als ein Drittel der 63 Stimmen. Zuvor waren zwei politische Welten aufeinandergeprallt.

Xaver Deniffel stand kurz ein wenig verloren auf dem Parkett des Kolping-Saals. Sein Ziel war Claudia Roth, die wenige Meter entfernt Hände schüttelte, Menschen umarmte und einen Handkuss in den Raum warf. Dann kam Deniffel zu ihr durch. Ein kurzer Händedruck, nicht mehr, nicht weniger. Das Ende eines langen Wahlkampfabends, an dem sich die beiden um die Bundestagskandidatur für die Grünen in Augsburg und Königsbrunn beworben hatten.

Ein Abend, der zeigte, dass Roth in ihrem Heimatverband nicht unumstritten ist. Freilich hatte sie sich durchgesetzt gegen Widersacher Deniffel. Allerdings mit - für Roth-Verhältnisse - lediglich 41 der 63 Stimmen. Die Bundestagsvizepräsidentin selbst stufte jene 22 für Deniffel nicht als Votum gegen sich ein, sondern als Stimmen für einen "ernstzunehmenden Konkurrenten". Sie sei keinesfalls überrascht darüber, denn Deniffel "ist hier bekannt und schon lange in der Partei". Und er sei eben nah dran an den kommunalen Themen.

Und eben darauf hatte Deniffel in den mehr als eineinhalb Stunden Saal-Wahlkampf zuvor auch gesetzt. Auch wenn er selbst später einräumte, mit der populistischen Aussage, in Berlin gebe es nur Berufspolitiker und Beamte, die nicht "das Volk repräsentieren", über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Der selbsternannte "Mann der Basis" also gegen die Frau von Welt.

Während Roth oft von Afghanistan oder dem Libanon erzählte oder ihren "alten Freund" und wohl baldigen UN-Generalsekretär António Guterres erwähnte, sprach Deniffel eben meistens von Bergheim oder dem Proviantbach. Während Roth gestenreich auftrat, professionell, mit fester Stimme gar ohne Mikrofon redete, verzichtete Deniffel auf große Gebärden, trug seine Anliegen ruhig und sachlich vor.

Nur einmal preschte er in seiner Ansprache nach vorne: "Wo warst Du, Claudia, als in Augsburg über die Fusion entschieden wurde?", fragte er in Richtung seiner Rivalin. Nicht nur ihn trieb diese Angelegenheit um. Auch, warum Roth vor dem anvisierten Zusammenschluss der Energiesparte der Augsburger Stadtwerke und Erdgas Schwaben einen Offenen Brief pro Fusion unterzeichnet hatte, wollten einige der rund 70 anwesenden Parteimitglieder wissen.

Der Zeitpunkt kurz vor dem Bürgerentscheid sei "ein ungünstiger" gewesen, räumte Roth ein. Sie habe unterschrieben, "weil an mich Erfahrungen aus anderen Städten herangetragen wurden, in denen eine solche Fusion zu guten Ergebnissen geführt hat", erklärte sie ihre Einmischung. Beim Entschied selbst sei sie nicht in Augsburg gewesen, weil sie als Bundestagsvizepräsidentin eben zahllose andere Aufgaben habe, rechtfertigte sie sich - und zählte sodann auch ihre Engagements in der Region auf.

Alle überzeugte sie damit offenbar nicht. 22 von 63 Stimmen für den Konkurrenten sind dann doch zumindest eine kleine Überraschung. Deniffel jedenfalls fand es "ein wunderbares Ergebnis". Er wolle sich weiter engagieren; für eine Fahrradachse in Augsburg sowie ein besseres Schienennetz in Stadt und Region und freilich auch gegen die Osttangente. "Verkehrsminister Dobrindts Umfahrung" entspreche nicht der Verkehrspolitik der Grünen, polterte auch Claudia Roth. Es war der wohl einzige Punkt, in dem die beiden komplett übereinstimmten.
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