Gutachten gegen Gutachten: Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe der Sanierungsgegner

Ein Gutachten des TÜV kam nun zu dem Schluss, dass das Große Haus zurecht so schnell für den Spielbetrieb geschlossen wurde. (Foto: David Libossek)

Der TÜV hält die Entscheidung der Stadt, das Große Haus des Theaters zu schließen, für „zwingend“. Dies gaben Oberbürgermeister Kurt Gribl und Kulturreferent Thomas Weitzel am Freitag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt. Die Stadt hatte den TÜV als neutrale Prüfinstanz eingeschaltet. Er sollte bewerten, ob die Vorwürfe der Sanierungsgegner, die Stadt hätte mit der Schließung „vorschnell und schlampig“ gearbeitet, gerechtfertigt sind.

Erst vor wenigen Tagen haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Theatersanierung ohne Schulden“ ein Gutachten des Bausachverständigen Wolfgang Rösener veröffentlicht. Der Sachverständige kam darin zu dem Schluss, dass der Brandschutz im Großen Haus mit einfachen Mitteln auch weiterhin hättet gewährleistet werden können. Das Theater hätte den Spielbetrieb noch eine Saison aufrecht erhalten können. Die Stadt habe „vorschnell und schlampig“ gearbeitet. Rösener stellte gar die Frage in den Raum, ob die überstürzte Schließung politisch motiviert war und nur die Sanierungspläne vorantreiben sollte.
Die Stadtspitze reagierte nun auf das Gutachten der Sanierungsgegner und beauftragte den TÜV als unabhängige Prüfinstanz. Dieser sollte in erster Linie feststellen, ob die Nutzungsunterlassung des Großen Hauses gerechtfertigt war. Am Donnerstag rückten die Prüfer also zu einer mehrstündigen Ortsbegehung an. Das ausführliche Gutachten soll erst in acht Wochen vorliegen, in einer Vorabstellungnahme macht der TÜV aber schon jetzt – bürokratisch stilsicher – klar: „Die Begründung der Bauaufsichtsbehörde in der Nutzungsuntersagung ist auf der Grundlage der Ortsbegehung aus Sicht von TÜV Süd durchaus nachvollziehbar und als sachgerecht zu bewerten. Angesichts fehlender Alternativen beurteilt TÜV Süd die Entscheidung, eine Nutzungsuntersagung auszusprechen, auch als zwingend.“ Die Maßnahmen, die Rösener in seinem Gutachten vorgeschlagen hatte, um die Schließung des Theaters noch ein Jahr aufzuschieben, bezeichnen die Prüfer als „nicht dazu geeignet, die festgestellte erhebliche Gefahr zu reduzieren“.

Theatersanierung: Vorwurf der Schlamperei


„Es ist alles andere als eine Lappalie, wenn die Stadt Augsburg der ’Schlamperei’ bezichtigt wird“, nimmt Gribl zu den Vorwürfen der Sanierungsgegner Stellung. Auch eine politische Motivation hinter der Schließung zu unterstellen sei „respektlos und beleidigend“. Die „versierten Fachleute“, wie etwa Mitarbeiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, wären zu dem Schluss gekommen, dass eine „erhöhte Gefahr für Leib und Leben besteht. Und sie unterliegen keinen politischen Weisungen.“
Mitte Mai war zusammen mit der Feuerwehr eine Rauchsimulation durchgeführt worden, die gezeigt hatte, dass bei einem Brand in der Garderobe der Rauch schnell auch in den Zuschauerraum ziehen würde. „Bis dahin galt es, den Spielbetrieb mit allen erdenklichen Mitteln aufrecht zu erhalten“, so Gribl weiter. In einer „bis tief in die Nacht dauernden Konferenz“ im Anschluss seien die Folgen ausführlich abgewogen worden und man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Betrieb nicht weiter zu verantworten wäre.
Gribl kritisiert außerdem, die Methoden, die Rösener angewandt hätte. „Herr Rösener kam zu seinem Ergebnis einzig aufgrund von Fragmenten von Unterlagen. Er hat keine weiteren Unterlagen bei der Stadt angefordert und die Situation im Theater nicht in Augenschein genommen.“ Aus Gribls Sicht wollten die Initiatoren des Bürgerbegehrens mit dem Gutachten vor allem die Organisation der Spielzeit 2016/17 aus der Bahn werfen. Obwohl Röseners Gutachten bereits am 4. August vorlag, hätte er es erst am 16. August öffentlich gemacht. Kurz vor der Sitzung des Ferienausschusses also, in deren nichtöffentlichem Teil über die Interimsspielstätten abgestimmt wurde. „Damit machen die Initiatoren genau das, was sie uns immer vorwerfen: Manipulieren“, ärgert sich Gribl. Er fordert die Sanierungsgegner auf, die Angriffe zurückzunehmen und künftig „gemeinsam um die Zukunft des Theaters zu ringen, nicht gegeneinander“.

Kristin Deibl
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