Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“: In Augsburg gibt es 6600 Leiharbeiter

Die NGG beklagt immer mehr „Jobs zweiter Klasse“. (Foto: kzenon/123rf.de)
Die Zahl der Leiharbeiter in Augsburg hat stark zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 6.595 Beschäftigte in Leiharbeit – zehn Jahre zuvor waren es noch 4.904. Das beklagt nun die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung.

Bayernweit verdoppelte sich die Zahl der Leiharbeiter im selben Zeitraum sogar auf aktuell 125.000. Die NGG Schwaben spricht von "einer besorgniserregenden Tendenz".

„Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, sagt der Augsburger NGG-Geschäftsführer Tim Lubecki. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“ wirklich zu bekämpfen. Hierfür sollten sich jetzt die Augsburger Bundestagsabgeordneten in Berlin stark machen.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie dann für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein. „Missbrauch gibt es aber dann, wenn permanent ein fester Anteil der Arbeitnehmer als Leiharbeiter beschäftigt ist“, sagt Tim Lubecki. Das nutzten Chefs letztlich allein zur Lohn-Drückerei. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken.

Außerdem seien Leiharbeiter bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft, kritisiert der Gewerkschafter. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg dieser „Zweite-Klasse-Jobs“ endlich einen Riegel vorschieben. Betroffen von Leiharbeit seien auch Teile der bayerischen Lebensmittelindustrie – mit 106.000 Beschäftigten einer der größten Industriezweige des Freistaats.

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch, so Lubecki, „nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden“. Auch Betriebsräte sollen nach dem geplanten Gesetz lediglich Informationsrechte bekommen, aber keine Mitbestimmungsrechte, bemängelt die NGG.

„Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt“, betont Lubecki. „Deshalb darf es im Bundestag auch auf keinen Fall scheitern.“ Die heimischen Parlamentarier seien in der Pflicht, die Interessen der wachsenden Zahl an Leiharbeitern zu vertreten. Dafür müsse das Gesetz so scharf wie möglich formuliert sein, fordert die NGG Schwaben. Erst dann werde sich der Negativ-Trend in Augsburg umkehren – und der Leiharbeiter von heute zum Stammbeschäftigten von morgen.
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