„Integration gelingt, braucht aber Zeit!“ MdB Ulrike Bahr diskutierte mit Akteuren vor Ort

MdB Ulrike Bahr führte ins Thema Integration ein. Foto: Angelika Lonnemann.
 
Daniela Renger, Leiterin der Kita "Denk mit! Zwerge" betonte die Wichtigkeit früher Sprachförderung bei Kindern. Foto: Angelika Lonnemann
Rund 90 Menschen waren der Einladung von MdB Ulrike Bahr zu ihrer Veranstaltung „Wie gelingt Integration“ in die Stadtbücherei gefolgt. Die Veranstaltung war Teil des Dialogforums #NeuesMiteinander, einem Projekt der SPD-Bundestagsfraktion. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, der MdB Gabriele Fograscher, führte Bahr die Eckpunkte des geplanten bundesweiten Integrationsgesetzes auf.
Ziel der Gesetzesvorlage sei es unter anderem, Asylverfahren zu beschleunigen, Fluchtursachen zu bekämpfen, Bildung für alle Altersgruppen zu verstärken und bezahlbare Wohnungen für alle Menschen anzubieten.
Fünf Integrationsexperten aus Augsburg berichteten aus ihrem Alltag. Stefka Nikolov ist Projektmitarbeiterin bei KAUSA, einem Verein, der Zugewanderte zu Ausbildung und Arbeiten informiert und berät. „Damit Integration gelingt, muss das Ankommen und Akzeptiertwerden in allen Lebensbereichen stattfinden. Ich wünsche mir, dass es gelingt, die Gesellschaft noch stärker zu sensibilisieren“, sagte die Politikwissenschaftlerin.
Daniela Renger leitet die Kita „Denk mit! Zwerge“ in Augsburg und hat viel Erfahrung mit Flüchtlingskindern und deren Familien. Ihre Einrichtung nimmt seit Januar an einem Bundesprogramm zur Sprachförderung teil. „Früh deutsch sprechen ist ein wichtiger Baustein für gelingende Integration“, sagte die Erzieherin. „Wir setzen dabei auf die alltagsintegrierte Sprachförderung. Gesellschaftlich müssen die bürokratischen Hürden heruntergesetzt werden und Entscheidungen schneller gefällt werden“.

Flüchtlinge: Hochmotiviert, aber brauchen Fürsorge


Der Leiter der städtischen Berufsschule VI Hans-Peter Holland sagte, Flüchtlinge bräuchten viel Zeit, um sich das Niveau zu erarbeiten, in Deutschland eine Ausbildung anzufangen. „Die jungen Flüchtlinge, mit denen ich zu tun habe, sind hochmotiviert und tun viel – aber sie brauchen viel Fürsorge und es ist unrealistisch zu glauben, sie könnten zwei Jahre nach ihrer Ankunft eine Ausbildung beginnen“. Er appellierte an die Gesellschaft, die Flüchtlinge nicht zu überfordern. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten in einem Land mit anderer Sprache, Schrift und Kultur ganz neu anfangen – das braucht Zeit!“ Er selbst übt am Freitagnachmittag, wenn Kollegen sich ins Wochenende verabschieden, mit Flüchtlingen Mathe, die teilweise in ihrer Heimat nur das Addieren gelernt hätten.
„Ich wünsche mir, dass wir weiterhin keine Angst vor Fremden haben in unserem Land“, sagte der Leiter der Agentur für Arbeit Augsburg, Reinhold Demel. Er nannte aktuelle Zahlen von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung und stellte die Frage „Was kann dieses Land vertragen?“. Von der einen Million Flüchtlinge, die im letzten Jahr gekommen sei, würden rund 350.000 eines Tages einem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, der noch nie so florierend war wie heute. Das sei leicht zu schultern für ein Land, in dem 32 Millionen Menschen beschäftigt seien. Holland und Demel lobten das „Arbeitsmarktprogramm Flucht“, das es nur in Bayern gebe und das etwa solchen Arbeitgebern einen Lohnkostenzuschuss gewähre, die Flüchtlinge beschäftigten.
Brigitte von Taeuffenbach, Abteilungsleiterin Sprachen der VHS Augsburg, berichtete ebenfalls von viel Motivation und sehr unterschiedlichen Niveaus, auf denen sich die Schüler ihrer Schule befänden. Sie klagte über bürokratische Hürden für ein schnelles effizientes Arbeiten und sagte, sie wünsche sich innovative Lernmodelle, die Sprachkurs und Ausbildung gleichzeitig ermöglichten.

Mensch ist Mensch!


„Wie gehen wir mit den Flüchtlingen um, die schon viele Jahre hier sind, aber nur geduldet sind? Sie haben keinen Zugang zu Sprachkursen!“ – „Mensch ist Mensch! Ich möchte kein Zwei-Klassen-Asylrecht, in dem nur die für den Arbeitsmarkt verwertbaren Menschen genommen werden!“ waren Einwände von Zuhörerinnen, die während der Diskussion formuliert wurden. Fograscher und Bahr verwiesen auf das Asylverfahren, das jedem Menschen eine Schilderung seines Einzelfalles ermögliche. „Auf die Menge der Flüchtlinge, die letztes Jahr zu uns kamen, konnten wir uns nicht vorbereiten – inzwischen haben wir die Anzahl der Mitarbeiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verdoppelt, da tut sich ganz viel gerade“, sagte Gabriele Fograscher. „Wir haben in Deutschland gezeigt, dass wir gründlich sind. Jetzt müssen wir auch noch zeigen, dass wir flexibel sind“.
„Eine gute Veranstaltung mit vielen interessanten Aspekten und Details, ich freue mich, dass ich heute hier her gekommen bin“, sagte Andrea Bitterolf im Anschluss an die Veranstaltung. Sie ist Lehrerin von Beruf und gibt ehrenamtlich Deutschkurse bei „Tür an Tür“. „Toll, dass Ulrike Bahr solche Veranstaltungen macht!“
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