Jein zur Osttangente

Das Projekt B2 Osttangente Augsburg sorgt für Diskussionen - zumindest der vierte Teilabschnitt. Wie berichtet, soll die etwa 24 Kilometer lange Straße die Autobahn bei Derching und die B17 bei Königsbrunn verbinden und etwa 180 Millionen Euro kosten. Und obgleich es sich bei der Trasse laut Straßenbauamt Augsburg lediglich um eine denkbare Variante handelt, kochen die Gemüter hoch.

In Königsbrunn hat inzwischen die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative "Keine Autobahn, Königsbrunn", kurz BIKA, stattgefunden. Die BIKA ist gegen den Bau des vierten Teilabschnitts der Osttangente, da die Initiative keine Straße mitten durch das Königsbrunner Stadtgebiet, mitten durch Wasserschutz- und Naherholungsgebiete, durch Gärten und Felder haben will. Die 30 Gründungsmitglieder wählten Andreas Nieß zum Sprecher der Bürgerinitiative. Brigitte Ostermann ist Kassenwart und Ingrid Rebert Schriftführerin. Am Samstag informierten die Gegner des vierten Abschnitts auf dem Königsbrunner Wochenmarkt über die geplante Ostumfahrung, ebenso vor einem Supermarkt.

Auch Oberottmarshausen will die Osttangente nicht. Das gaben die Gemeinderatsmitglieder in einem Schreiben an das Straßenbauamt Augsburg zu verstehen. "Die vorgesehene Trasse kommt im Bereich Oberottmarshausen nicht in Frage. Es geht um unseren Lebensraum, das mit dem geplanten Ausbau verbundene Verkehrsaufkommen und die erheblichen Lärmbelastungen sind für die Gemeinde unzumutbar".

Einen eleganten Schlenker legt der Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich hin, wenn es um das Thema Osttangente Augsburg geht. In einer Pressemitteilung heißt es, dass Ullrich entschieden dafür eintrete, dass die Osttangente Augsburg als Projekt des vordringlichen Bedarfes in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen und zeitnah realisiert werde. Aber: So könne der vierte Abschnitt nicht kommen. "Diese Trasse hat unter keinen Umständen Aussichten auf eine Realisierung und sollte daher nicht weiter zum Gegenstand etwaiger Überlegungen gemacht werden." Ullrich schlägt eine Trassenvariante südlich der Lechstaustufe 23 vor - wenn möglich sogar eine südlich der Lechstaustufe 22. Diese Variante habe den Vorteil, dass sie in unmittelbarer Nähe des Logistikzentrums bei Graben in die B17 münden würde.

Gegen das Zerschneiden des Königsbrunner Stadtgebiets und für eine Verschiebung der Trasse nach Süden sind ebenfalls die Freien Wähler Königsbrunn - zumindest auf Höhe des geplanten BMW-Logistikzentrums, heißt es in einer Pressemitteilung. "Das würde die B17 neu effektiv entlasten und den bereits angesiedelten und künftigen Unternehmen den Zugang zu den Autobahnen im Osten und Süden wesentlich erleichtern." Die Freien Wähler regen an, ob es nicht eine direkte Schienenverbindung Königsbrunn - Mering und damit nach München geben könnte.

Ganz klar für die Osttangente ist die Industrie- und Handelskammer Schwaben. So sprachen sich die Gremien der IHK Schwaben für eine zweite Verbindung von der B17 im Süden Augsburgs zur Autobahn A8 im Norden aus. Dies würde zu "einer erheblich verbesserten Erschließung der Industrie- und Gewerbegebiete im Augsburger Osten sowie im Raum Friedberg und gleichzeitig zur Entlastung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse führen", so Thomas Sixta, Vorsitzender der Regionalversammlung Aichach-Friedberg. Der Großraum Augsburg brauche eine parallele Entlastung zur B17 für den überörtlichen Durchgangsverkehr. Reinhold Braun, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung im Landkreis Augsburg, erklärt: "Die Augsburger Osttangente könnte ein weiterer Standortvorteil für die Augsburger Anrainerkommunen im Augsburger Osten und Süden sein. So ein Projekt sollte die Region nicht ungenutzt verstreichen lassen." (nh)
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