Keine Asylbewerber in ehemaliger KZ-Außenstelle

Keine Asylbewerber in ehemaliger KZ-Außenstelle Foto: Archiv/Markus Höck

Zum Thema Unterbringung von Asylbewerbern in Augsburg gibt es in der Fuggerstadt zwei neue Entwicklungen. Zum einen wird sich der Bau der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung nahe des Flughafens hinauszögern. Zum anderen hat der Freistaat Bayern am gestrigen Montag die "Halle 116" als mögliche Unterkunft abgelehnt.

Die "Halle 116" war während der NS-Zeit nicht nur Teil einer Kaserne, sondern neun Monate lang auch ein KZ-Außenlager für Zwangsarbeiter. Danach diente es amerikanischen Streitkräften als Fahrzeughalle der Sheridan-Kaserne, im Dachgeschoss war die US-Bücherei untergebracht.

In einer Pressemitteilung von Oberbürgermeister Kurt Gribl und Sozialreferent Stefan Kiefer schwingt mit, dass wohl die heikle Vergangenheit der Halle der Grund für die Ablehnung war. "Wir teilen die Auffassung des Freistaats zur Unterbringung von Asylbewerbern in Halle 116 nicht", lässt sich Gribl zitieren. Er sei überzeugt, man hätte eine "gute Lösung gefunden aus dem ,Denkort' auch einen Ort des aktiven Wirkens im Sinne der Menschlichkeit zu entwickeln".

Kiefer und Gribl verwiesen "mit Stolz" auf die unaufgeregte aber konstruktive Art, in der die Stadtgesellschaft das Thema im Kontext Friedensstadt öffentlich auffasse und diskutiere. Man sei sich der sensiblen Historie des Gebäudes "sehr wohl bewusst. Nicht umsonst ist es ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in unserer Stadt", sagt Gribl. Die Unterbringung von Asylbewerbern hätte "Menschen in akuter Not" geholfen.

Die Lösung "Halle 116" als Unterkunft für Asylbewerber ist jedenfalls abgehakt. "Dadurch erübrigen sich alle weiteren Überlegungen", so Kiefer.

Die Erstaufnahmeeinrichtung für rund 500 Flüchtlinge kommt hingegen sicher. Nur zögert sich die geplante Fertigstellung wohl sogar bis ins kommende Jahr hinaus. Denn, so bestätigte Gribl, Fragen der genauen Gestaltung der Finanzierung seien noch nicht geklärt. Für Augsburg stehe an erster Stelle, dass die Stadt und die städtische Wohnbaugesellschaft (WBG) nicht belastet werden. Mit Verweis auf eine ähnliche Einrichtung, die derzeit in Regensburg entsteht, deutete Gribl nämlich auch die Kosten an: 40 Millionen Euro. "In dieser Größenordnung müssen wir hier auch rechnen", kommentierte Gribl.

Es sei nun sogar denkbar, dass der Freistaat als Bauherr der wohl in Modulbauweise entstehenden Unterkunft auftritt. Augsburg jedenfalls sei in Wartestellung. "Sicher ist, dass am Ende eine Erstaufnahmeeinrichtung rauskommt", sagte Gribl lächelnd und "das Ding soll möglichst zügig kommen".
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