Kita-Mangel: Augsburg benötigt 1400 neue Betreuungsplätze

Die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder von St. Anna findet im Keller statt. Eine Betreuung von Kita-Kindern gibt es seit 2014 nicht mehr. (Foto: Janina Funk)
 
Wege aus der Kita-Krise: Seit drei Jahren gibt es im innerstädtischen Stadtjägerviertel keine Kindertagesstätte mehr. Nachdem die Einrichtung am Diako im Sommer 2014 schloss, fand die Stadt lange Zeit keinen alternativen Standort für einen Kindergarten im Zentrum. Mit einem Neubau an der Schwimmschulstraße, hinter dem Plärrergelände, will man nun endlich die brenzlige Betreuungssituation in der Innenstadt entschärfen. Foto: Janina Funk

In Bezug auf die Kinderbetreuung befindet man sich Verena Hörmann zufolge in Augsburg "noch in der Steinzeit". Die Mutter zweier Kinder kämpft seit einigen Jahren für ein besseres Betreuungsangebot in der Innenstadt. Nachdem im Sommer 2014 die St.-Anna-Kita dicht gemacht wurde, gibt es etwa in Hörmanns Stadtjägerviertel derzeit gar keine Kindertagesstätte mehr. Um die brenzlige Betreuungssituation zu entschärfen, hat die Stadt nun eine "Task Force Kita" eingerichtet. Denn: Im neuen Kindergartenjahr werden nach derzeitigem Stand circa 150 Kinder keinen Kindergarten- oder Krippenplatz bekommen.

Nicht nur als "Arbeitsgruppe" lässt sich die aus der Militärsprache kommende Bezeichnung "Task Force" übersetzen; das deutsche Wort "Krisenstab" passt eher zur Augsburger Kita-Misere in der Innenstadt. "Den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder koordiniert die Stadtspitze künftig referatsübergreifend", beschreibt die Stadt nun das neue Konzept.

Konkret soll die "Task Force Kita" ab der zweiten August-Hälfte aus verwaltungsinternen Vorschlägen eine Prioritätenliste erarbeiten, die Standortmöglichkeiten für die Erweiterung von Kita-Kapazitäten im Stadtgebiet aufzeigt. Ziel ist, bis Herbst dem Stadtrat eine Beschlussempfehlung vorzulegen.

Noch im Mai waren der Stadtregierung zufolge 109 Kinder unter drei Jahren ohne Krippenplatz gemeldet. Bei den Kindergartenkindern waren 185 unversorgt. Zwischenzeitlich habe sich die Situation zumindest etwas entspannt. Bei den unter Dreijährigen haben 57 Kinder noch keinen Platz. Zudem, so die Zahlen der Stadt Augsburg, sind 92 Kindergartenkinder derzeit ohne Betreuungsplatz. Hinzu kommt: Für die Zukunft droht weiterer Kita-Mangel. Der Anlass für das gemeinsame Vorgehen für einen forcierten Kita-Ausbau sei demnach nicht nur die Entwicklung im Bereich Kindertagesstätten, sondern auch die "Tatsache, dass Augsburg wächst", so die Stadt. Seit 2010 ist ein kontinuierlicher Geburtenanstieg verzeichnet. Für das Jahr 2016 weist die Statistik 3072 Geburten für das Stadtgebiet Augsburg aus - im Vergleich zum Jahr 2010 ein Anstieg um 31 Prozent.

1400 neue Kita-Plätze müssen her

Eine Studie des Instituts für Sozialplanung Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik hat für die nächsten Jahre in Augsburg einen steigenden Bedarf von rund 1400 Betreuungsplätzen ermittelt. Die Anzahl der Kinder unter drei Jahren ist in Augsburg seit 2012 um 27 Prozent auf 8480 gestiegen. Bei den Kindern zwischen drei und sechs Jahren wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg um 8,3 Prozent auf gut 7300 ermittelt.

Oberbürgermeister Kurt Gribl gibt sich dennoch gelassen und verweist darauf, dass sich bis 2016 die Anzahl der Kindertagesstätten im kompletten Stadtgebiet um 23 - auf nunmehr auf 186 - und die genutzten Plätze um 2019 auf 11 141 erhöht haben. Auch das Personal sei aufgestockt worden, um 914 Stellen.
Von dieser Zunahme hat das innerstädtische Stadtjägerviertel freilich nicht profitiert. Immerhin: Ein Neubau in der Schwimmschulstraße, direkt hinter dem Plärrergelände, soll künftig Betreuungsplätze für die Kinder aus dem Augsburger Zentrum liefern. Aufgrund der aktuellen Entwicklung werde das Gebäude nun um ein weiteres Geschoss für zwei Kindergartengruppen erweitert, teilte die Stadt in der vergangenen Woche mit. Der neue Kindergarten ist für zwei Gruppen zu je 25 Kindern sowie eine Krippengruppe mit zwölf Kindern und eine Hortgruppe mit 25 Kindern konzipiert.

Zudem sei eine Übergangslösung für den Kindergarten St. Johannes (Links der Wertach), der ein neues Quartier sucht, in Arbeit. Frei werdende Räume der Kindertagesstätte Bleicherbreite in Oberhausen könnten als Ausweichlösung genutzt werden. Dort wurde ein neuer Kindergarten gebaut, der am 22. August in Betrieb geht.

Eventuell ist im Stadtteil Oberhausen noch eine weitere neue Kita geplant. In der Maschenbauerstraße steht ein städtisches Gelände zur Bebauung zur Verfügung. Ende Juli entscheidet der Liegenschaftsausschuss darüber, ob der Grundsatzbeschluss für eine Wohnbebauung aufgehoben und stattdessen eine Kindertagesstätte errichtet wird.
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