Kita-Mangel: Neuer Bau, alte Probleme

Zahlreiche Alternativen waren seit der Schließung der St-Anna-Tagesstätte im Gespräch. Umgesetzt wurde jedoch keine. Das innerstädtische Stadtjägerviertel blieb kita-freie Zone. Im vergangenen Sommer machten die Eltern ihrem Ärger auf einer Ortsbegehung mit Sozialreferent Stefan Kiefer Luft. Nun möchte die Stadt eine Lösung präsentieren. Foto: Janina Funk
Endlich eine Lösung präsentieren möchte die Augsburger Stadtregierung am Donnerstag im Ferienausschuss: Nach drei Jahren Suche nach einem Ersatzstandort für die geschlossene St.-Anna-Kita will man nun die erhoffte Alternative gefunden haben. Die Elterninitiative, die seit 2013 für eine neue Kita kämpft, kann sich für die Pläne allerdings nicht wirklich begeistern.

Ernüchtert und erbost ist Marion Treiß auch noch über eine Woche nach dem Gespräch mit der Augsburger Stadtspitze. Anfang August waren die ehemalige Leiterin der Tagesstätte und ihre Mitstreiterinnen von der Elterninitiative beim OB. Ein "langersehnter Termin" sei das Treffen mit Kurt Gribl, Sozialreferent Stefan Kiefer, Bildungsreferent Hermann Köhler und Ordnungsreferent Dirk Wurm gewesen. Umso enttäuschender das Ergebnis: "Was da als großer Wurf präsentiert werden soll, ist alles, aber keine Lösung für die Innenstadt", sagt Treiß. Denn: Abhilfe schaffen soll nun ein Neubau an der Schwimmschulstraße - und durch diesen will die Stadt gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Veritabler Betreuungsplatz-Mangel herrscht nämlich nicht nur im Stadtjägerviertel, sondern auch im angrenzenden Quartier Rechts der Wertach und im südlichen Oberhausen. Dort wird wohl zeitnah der Kindergarten St. Johannes schließen müssen, wegen Problemen mit dem Brandschutz. Pläne für einen Ersatzbau für die Einrichtung des Trägers ekita.net, der einst auch die St.-Anna-Kita betrieb, schwirren schon länger durch die Stadtviertel.

"Neubau bereits über Kapazitäten hinaus"


"Nun soll also eine Kita mit fünf Gruppen in der Schwimmschulstraße entstehen", fasst Treiß zusammen. St. Johannes alleine habe bereits jetzt vier Gruppen. "Die neue Kita ist schon, bevor sie überhaupt genehmigt ist, über ihre Kapazitäten hinaus." Verärgert ist Treiß zudem über das Verhalten der Stadtspitze: "Unmissverständlich" sei der Elterninitiative klar gemacht worden, dass die Pressearbeit ausschließlich über die Stadt erfolgen zu habe. "Ich lasse mir doch den Mund nicht verbieten", betont Treiß.

Die Stadtregierung indes hält sich in der Kommunikation mit den Medien vornehm zurück. Oberbürgermeister Gribl lässt auf Nachfrage über die Pressestelle mitteilen: Allen beteiligten Referaten sei im Sinne der Kinder und Eltern an einem Gelingen des Projektes gelegen. "Deshalb möchten wir zunächst den Ferienausschuss des Stadtrates am 18. August mit dem Vorschlag der Verwaltung befassen, um anschließend in eine umfassende und transparente Information der Öffentlichkeit zu genauer Örtlichkeit, geplanter Trägerschaft und Finanzierung zu gehen."

Auf die Sitzung des Ferienausschusses ist die Elterninitiative nun gespannt. Verena Hörmann versucht es mit "vorsichtigem Optimismus". Ein Neubau an der Schwimmschulstraße sei "besser als nichts" und könnte zumindest ein Ansatz sein. Einer, der dringend nötig ist: Alleine in der Innenstadt sind inzwischen 90 Kinder ohne Betreuungsplatz gemeldet.
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