Klinikum Augsburg: Dauerpatient auf dem Weg der Besserung

An der Zukunft des Klinikums wird derzeit in großem Stil gewerkelt. Der Anbau West und eine Interimsnotaufnahme entstehen derzeit am Augsburger Krankenhaus. Foto: David Libossek

Das Klinikum Augsburg hat es in der Vergangenheit auf eine beachtliche Krankenakte gebracht. Um die designierte Universitätsklinik ist es zuletzt aber ruhiger geworden. Und auch finanziell kommt das Krankenhaus so langsam wieder auf den Damm, zeigt die vorläufige Bilanz des vergangenen Jahres, die Vorstandsvorsitzender Alexander Schmidtke nun präsentierte. Doch nicht nur finanziell gesundet der Patient Klinikum stetig – die Stimmung sei jetzt besser, sagt Schmidtke. Das bestätigt eine Personalrätin.

Alexander Schmidtke nimmt einen kräftigen Schluck seines alkoholfreien Bieres und blickt lächelnd in die Journalistenrunde. „Womit sollen wir anfangen?“, fragt er. Schmidtke wirkt entspannt, anders als noch im Frühjahr 2015, als ein ehemaliger Chefarzt Missstände im Klinikum nach Außen trug. Oder das Krankenhaus kurz darauf öffentlichkeitswirksam einen Notruf wegen seiner überforderten Notaufnahme aussendete.

Zeiten, die lange her scheinen. Nun sei er „sehr zufrieden“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Augsburger Klinikums. Zufrieden mit der vorläufigen Jahresbilanz, zufrieden mit der Stimmung des Personals, zufrieden, weil sein Klinikum mutmaßlich noch in diesem Jahr offiziell und endgültig zur Uniklinik ernannt wird. Schmidtke nimmt seine Brille ab und blickt auf das Blatt, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Irgendwo zwischen 3,6 und 3,7 Millionen Euro würde sich der Verlust des Klinikums im Jahr 2015 einpendeln, liest er ab. Und deshalb ist Schmidtke so zufrieden. Denn das klinge schlechter, als es in Wahrheit ist, erklärt er.


Erlöse gesteigert, Verlust reduziert


Zum einen, weil das kassenwirksame Ergebnis – also das ohne Abschreibungen und Steuern – ausgeglichen sei, was dem Kommunalunternehmen zum fünften Mal in Folge gelungen ist. Zum anderen, weil der Betrag „weniger als ein Prozent unseres Umsatzes ausmacht“, sagt Schmidtke. Der wichtigste Grund für den Optimismus des Klinikchefs ist aber, dass das Klinikum somit erneut seinen Verlust reduziert hat. „4,5 Millionen Euro“ stand in roten Zahlen unter dem Jahr 2014.

Schmidtke gerät ins Schwärmen, wenn er über die Medizin spricht, die sich das Krankenhaus selbst verabreicht hat, darüber, was derzeit am Klinikum passiert. Umstrukturierungen beim Personal, intensivere Dokumentation, „Maßnahmen, die greifen“. Davon zeuge etwa, dass man trotz gesteigerten Umsatzes (369 im Vergleich zu 357 Millionen Euro im Vorjahr) die Materialkosten unter Plan halten konnte. Diese machen dennoch rund 100 Millionen Euro des mehr als eine halbe Milliarde Euro umfassenden Gesamtvolumens des Klinik-Haushalts aus.

Weniger stationäre Aufenthalte - schwerere Erkrankungen


Ausschlaggebend für die hohen Erlöse war zudem, dass es zwar weniger stationärer Behandlungen bedurfte, die Fälle jedoch schwerer waren als 2014.

In puncto Personal-Aufwand habe das Klinikum weniger Geld ausgegeben als vorgesehen. Obwohl es für seine Belegschaft insgesamt rund sechs Millionen Euro mehr als im Vorjahr – insgesamt 208 Millionen Euro – bezahlte. 58 Pflege- und Funktionsstellen seien entstanden. Im Gegenzug wurden je drei Arzt- und drei Verwaltungsposten abgebaut.

Zudem sei die Verteilung der Patienten optimiert worden. Die Notaufnahme, die vergangenes Jahr wegen der vollbelegten Intensivstation an zwei Tagen keine Patienten mehr aufnehmen konnte, werde durch die zusätzliche Praxis der Kassenärztlichen Vereinigung stark entlastet, sagte Schmidtke. Der Zulauf sei groß, weil die Patienten mit weniger gravierenden Notfällen dort kürzere Wartezeiten hätten.

Personalrätin: Schmidtke hat gelernt


Das mache es auch für die Mitarbeiter leichter, sagt Schmidtke, der am Klinikum generell einen Stimmungswandel wahrnimmt. „Die Wogen sind wieder etwas geglättet“, stimmt Personalrätin Renate Demharter Schmidtke auf Nachfrage unserer Zeitung zu. Die Ärzte würden jetzt mehr gehört und eingebunden, Schmidtke habe „gelernt, dass die Führung von oben runter nicht funktioniert, sondern dass er die Leute mitnehmen muss“, analysiert Demharter.

Deutschlandweiter Überstunden-Spitzenreiter 2014 hat Großes vor


Der Vorstandsvorsitzende will sich aber nicht in seiner Zufriedenheit zurücklehnen. Er wolle weiter optimieren, medizintechnisch, in der Infrastruktur und organisatorisch. So sollen etwa mehr Überstunden abgebaut werden – Augsburg war in dieser Kategorie 2014 gar deutschlandweiter Spitzenreiter, was „nicht an zu wenig Personal liegt“ (Schmidtke). Der rund 100 Millionen Euro verschlingende Anbau West wird zudem weiter fortschreiten, soll 2018 fertig sein, die Interimsnotaufnahme 2017 den Betrieb aufnehmen.

Im selben Jahr soll der Trägerwechsel vonstatten gehen, so das Klinikum denn zur Uniklinik erhoben wird. Wie Oberbürgermeister und Verwaltungsratsmitglied des Klinikums, Kurt Gribl, auf dem Neujahrsempfang der CSU angekündigt hatte, entscheidet darüber im Februar eine Wissenschaftskommission. Gibt diese grünes Licht, wäre Schmidtke mutmaßlich noch um einiges zufriedener.
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