Königsbrunn ist gegen die Ostumfahrung

Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) ist für das Projekt B2 Osttangente Augsburg. Vor zwei Wochen stimmte der Friedberger Stadtrat für eine Resolution an den Bund, die Osttangente als vordringliches Projekt in den neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) aufzunehmen. Doch das Projekt ist umstritten. Mering will die Resolution nicht. Das hat der Marktgemeinderat entschieden. Und die Königsbrunner gehen auf die Barrikaden.

Weniger Staus, eine bessere Verkehrsanbindung: Die Osttangente soll die Autobahn bei Derching und die B17 bei Königsbrunn verbinden, an Friedberg, Kissing und Mering vorbei und über den Lech hinüber. 180 Millionen Euro kostet das Projekt. Für die Anmeldung in den Bundesverkehrswegeplan ist die etwa 24 Kilometer lange Straße in vier Teilabschnitte gegliedert.

Mit der Ostumgehung will Uwe Fritsch, Bereichsleiter Straßenbau vom Staatlichen Bauamt Augsburg, die Verkehrsprobleme im Osten von Augsburg in den Griff kriegen. Der Nord-Süd-Verkehr würde sich auf die beiden Achsen B17 im Westen und der vierspurigen B2 im Osten verteilen, es gebe weniger Staus und Wartezeiten. Anwohner hätten weniger unter Lärm, Gestank, Durchgangs- oder Schleichverkehr zu leiden, wie das vor allem in Kissing der Fall ist.

Denn schon heute rollen täglich mehr als 20 000 Autos, Laster und Motorräder durch Kissing - und es werden täglich mehr, prophezeite Fritsch in der jüngsten Sitzung des Friedberger Stadtrats. "Das System funktioniert schon jetzt nur am Rande des Limits".

Wenig begeistert von der Osttangente sind die Königsbrunner. In der aktuellen Variante mündet die vierspurige Straße bei Oberottmarshausen in die B17, teilt Königsbrunn und bedroht Wasserschutz- und Naherholungsgebiete.

Um nach Alternativen zu suchen, hat sich die "Bürgerinitiative keine Autobahn" formiert. Bei ihrem ersten Treffen im Gasthof Krone in Königsbrunn erschienen statt der erwarteten 30 mehr als 100 Bürger - keiner von ihnen will, dass die geplante Ostumfahrung im Süden von Königsbrunn Wiesen, Auwälder und Fluren zerteilt, Krach und Abgase verursacht. "Wir wollen diese Straße nicht mitten durch das Wasserschutzgebiet, nicht durch Naherholungsgebiete, nicht durch Biotope und nicht durch unsere Gärten und Felder."

Betroffen sind zum Beispiel Carmen und Andreas Nieß, die sich in der Bürgerinitiative engagieren. Sie wohnen in der Schleifenstraße, betreiben einen Reiterhof. Andreas Nieß ist Nebenerwerbslandwirt. Die Osttangente würde ihr Grundstück, ihre Felder und Wiesen zerstückeln. "Wer will das noch pachten?" fragt Carmen Nieß. Natürlich habe sie dafür Verständnis, dass andere Gemeinden entlastet werden müssen. "Aber für den vierten Abschnitt haben wir kein Verständnis."

Eine Wunschtrasse der Bürgerinitiative verläuft weiter südlich, bei der Staustufe 21 über den Lech und nördlich der Ulrichskaserne zur B17. "Doch nicht nur wir Bürger sind gefordert - auch die Politiker", fordert Carmen Nieß.

Auch der Königsbrunner Bürgermeister Franz Feigl favorisiert die südliche Trasse. Zwar nennt Feigl die Ostumfahrung "eine sinnvolle Variante, um den Verkehr zu verteilen" - vor allem in Hinblick auf die Logistikunternehmen in Kleinaitingen. Dennoch kann Feigl der jetzigen Osttangenten-Variante nicht zustimmen. Die zerschneide das Stadtgebiet, bringe mehr Lärm in die Stadt und gefährde Wasserschutz- und Naherholungsgebiete. Zahlreiche Menschen wohnen in Königsbrunns Süden. Die neue "Autobahn" würde direkt an ihren Häusern vorbei führen. "Wir haben bereits eine B17 neu vor der Haustür. Sollen wir noch eine Autobahn auf der anderen Seite bekommen? Wir werden regelrecht eingekesselt von Autobahnen", kritisiert Feigl. "Für uns gibt es bestimmt andere Alternativen."

Eben die weiter südlich - diese Ostumfahrungsversion sei auch näher an den Logistikzentren dran.

Den Trubel kann Fritsch nicht verstehen, schließlich handle es sich bei der aktuellen Trasse lediglich um eine mögliche Variante. "Es ist nicht gesagt, dass die kommt." Es gehe um das "ob" - nicht um das "wie", dass die Osttangente im BVWP eingestuft werde. Denn klar ist: "Man muss das Projekt Osttangente jetzt angehen", sagt Fritsch. Einen neuen Bundesverkehrswegeplan werde es erst wieder in den nächsten zehn bis 15 Jahren geben. (nh)
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